Petra Kelly-eine Inspiration!
Shownotes
Podcast von Herstory (2022): herstorypod.de/podcast/petra-kel…kone-der-gruenen/
Über Petra und die Stiftung: www.petrakellystiftung.de/de/petra-kelly
Teaser von „Petra Kelly - Act now!“: youtu.be/eiI87S7qrCc?si=v8ero7LTfQacptW7
Interview mit Christa Nickels: www.youtube.com/watch?v=4aHpV23gG…&feature=youtu.be
Petra Kelly – eine Graphic Novel: www.petrakellystiftung.de/de/2022/09/1…raphic-novel
Interviewreihe der Heinrich-Böll-Stiftung: www.boell.de/de/petrakelly
Bildrechte: Archiv Grünes Gedächtnis
Musik Credits: "Smooth Move" Kevin MacLeod (incompetech.com) Licensed under Creative Commons: By Attribution 4.0 License creativecommons.org/licenses/by/4.0/
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00:00:08: Bei unseren Veranstaltungen werden wir oft gefragt, warum wir so heißen, Petra Kelly Stiftung.
00:00:14: Obwohl wir der Faktor, die Heirich-Büllstiftungen in Bayern sind.
00:00:18: Oh well, wir heißen einfach so, weil Petra Kelly aus Bayern, aus Günzburg kamen und die Gründer ihnen unserer Stiftung, unsere politische Bildungsarbeit, einer so prägende bayerischen politischen Figur widmen wollten.
00:00:31: Petra Kelly ist leider in den letzten Jahrzehnten im Vergessenheit geraten.
00:00:35: Aber der neue Film von Doris Metz, Petra Kelly Act Now, der vor wenigen Wochen bundesweit in den Kinos angelaufen ist, wirkt dem entgegen.
00:00:43: Wir selbst haben im Film am elften September in München gezeigt, mit anschließender Diskussion mit Lukas Beckmann, mit Begründer der Grünen, um der Heirich-Belstiftung und politischer Weggefährte von Petra Kelly, Amrai Küsel von Fridays for Future München und Doris Metz, die Regisseurin.
00:00:58: Demalbei war der politischen Nachlass von Petra Kelly und ihre Bedeutung für Aktivistinnen der jetzigen jüngeren Generationen.
00:01:05: Bei dieser Gelegenheit treffen sich Lukas Beckmann, der übrigens die Familie von Petra Kelly in unseren Gremien vertritt und Margarete Bause, Vorstandsmitglied, am Tag nach der Filmvorführung in den Studios von Radiolora und sprachen über Petra Kelly als Person, als Feministin und als politische Aktivistin.
00:01:21: Herausgekommen ist ein wirklich schönes und ehrliches Gespräch, dass Einblicke in ihr Denken und ihre Weltanschauung aber auch in ihr Verhältnis zu Grundempartei gibt und quasi als Zeitzeugengespräch fungiert, damit sich äutige und künftige Generationen weiterhin von dieser Person inspirieren lassen und aus den Fehler der Vergangenheit lernen können.
00:01:41: Wer sich noch nicht mit Betrakelli beschäftigt hat und eine Art Einführung in ihr politisches Leben braucht, Kann sich übrigens zunächst die Podcast-Episode anhören, die wir in dem Jahr in den letzten Jahr in Zusammenarbeit mit Herstory-Podcast produziert haben.
00:01:55: Den Link findet ihr natürlich in den Schernuts.
00:01:57: Viel Spaß beim Hören, wir sind gespannt auf eure Rückmeldungen.
00:02:05: Lukas, gerade ist der neue Film über Petra Kelly in die Kinos gekommen, Petra Kelly Ecknau von Doris Metz.
00:02:12: Du bist einer der engsten Freunde und ... Wegbegleiter von Petra Kelly gewesen.
00:02:17: Was bedeutet es für dich, diesen Film heute zu sehen?
00:02:20: Welche Erinnerungen, Gefühle werden bei dir wach dadurch?
00:02:24: Das bedeutet mir sehr viel, weil es ein Rückblick ist auf eine lange gemeinsame politische Geschichte.
00:02:31: Er hat angefangen mit der gemeinsamen Vorbereitung der Gründung der Partei die Grünen, wo Petra Kelly die herausragende Persönlichkeit war in den ersten Jahren.
00:02:43: Aber wir waren verbunden von Ende der Siebziger, also seit Gründung der Grünen, bis zu ihrem Tod.
00:02:51: Und das ist eine lange gemeinsame Geschichte.
00:02:53: Wir haben viel zusammen erlebt und ich bin sehr froh, dass heute, nachdem Peter Kelly etwa dreißig Jahre keine öffentliche Person mehr war, dass sie jetzt in die Gegenwart geholt wird mit diesem Film, weil ich glaube, dass ihre Empathie, ihre Unbedingtheit und vor allen Dingen auch ihr Verständnis von Politik machen, also von politischen Meinungsbildungsprozessen, Veränderungsprozessen.
00:03:20: Das es gut ist, da nochmal drauf zu gucken heute.
00:03:22: Und was bedeutet Peter Kelly heute für dich?
00:03:26: Es ist vor allen Dingen der Aspekt ihres in den USA gewachsenen Politikverständnisses.
00:03:33: Peter Kelly ist ja mit elf Jahren mit ihren Eltern nach Amerika gegangen, hat ... Dort studiert an der American University und hat sehr viel gelernt von der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung.
00:03:48: Also sie war im Umfeld von Martin Luther King.
00:03:53: Später hat sie dann auch Wahlkampf gemacht für Bob Kennedy.
00:03:57: Sie hat viel Gewalt erlebt, hat die Ermordung von Martin Luther King und auch von Robert Kennedy miterlebt.
00:04:05: Und daraus ergeben sich ja Fragen wie, können eigentlich Gesellschaften verändert werden.
00:04:12: Also wie ist das Verhältnis von Politik und Gesellschaft?
00:04:17: Und was braucht eine Demokratie, um nicht nur zu verwalten, sondern auch um zu verändern?
00:04:24: Und ich glaube, dass heute die Frage wichtig ist, darauf bezugzunehmen, weil wir die Kernprobleme, mit denen wir uns heute herumschlagen als Gesellschaft.
00:04:36: Im Grunde genommen die gleichen Fragen waren, die wir vor vierzig Jahren hatten, vielleicht hier und da anders akzentuiert.
00:04:43: Aber im Grunde genommen waren es die gleichen Fragen und wir sind nicht fertig geworden damit, weil wir in vielen Punkten nicht die notwendigen Antworten haben und auch in vielen Punkten nicht die notwendigen Unterstützung in der Bevölkerung.
00:04:55: Und das hat viel damit zu tun, wie wir Politik machen und gar nicht so viel damit, was wir wollen.
00:05:03: Spannend, können wir gleich noch mal vertiefen.
00:05:05: Also ich bin ja so Anfang Mitte der achtziger Jahre aus der Frauenbewegung zu den Grünen gekommen und ich erinnere mich, dass Petra Kelly für mich als junge Frau Anfang zwanzig ein großes Vorbild war, gerade als Frau, weil sie ja... sich nicht nur für Ökologie und Frieden eingesetzt hat, sondern insbesondere eben auch die Männerbündelai des Patriachat kritisiert hat und sie als starke Frau in der Öffentlichkeit stand.
00:05:34: Und das hat mich schwer beeindruckt.
00:05:36: Also für mich war sie ein ganz, ganz wichtiges Vorbild und sicherlich auch mit dafür Ausschlag geben, dass ich mich dann bei den Grünen engagiert habe.
00:05:45: Petra Kelly wird ja von vielen Menschen als charismatisch beschrieben.
00:05:51: Hast du das auch so wahrgenommen?
00:05:53: Und wenn ja, worin lag eigentlich ihr Charisma?
00:05:57: Wenn Petra Kettin in den Raum kam, hat sich dieser Raum verändert.
00:06:01: Ganz unabhängig davon, ob es ein kleiner Raum war oder ob es ein großer Raum war.
00:06:06: Sie war für mich in gewisser Weise ein Medium.
00:06:10: Sie hat zum Teil große Veranstaltungen gehabt mit tausend, zweitausend Leuten.
00:06:16: Und wenn sie in einen Raum gekommen ist, dann hat sie innerhalb von wenigen Sekunden erfasst, wie die Stimmung ist.
00:06:22: Sie hatte Wahrnehmungsantennen, die nicht alle haben oder die nur wenige haben.
00:06:28: Und sie wusste dann auch, wie man Menschen erreicht, wie man sie anspricht und wie sie überzeugt.
00:06:34: Das habe ich oft erlebt.
00:06:37: Und dieses Charisma hatte sie aber auch im Kleinen.
00:06:41: Also ich erinnere mich, dass ich am Vorabend des Gründungsparteitages im März neunundseventeilig direkt neben ihr saß.
00:06:49: Sie ergriff das Wort, alle würden gebannt zu und als dann jemand nach ihr sprach, schrieb sie was auf und ich guckte so rüber.
00:06:57: und sie schrieb in einer Geschwindigkeit, in der ich lese, mit der Hand.
00:07:03: Sie hat ja alles mit der Hand geschrieben, es gab ja... zu der Zeit keine digitale Welt.
00:07:07: Wir sind alle analog groß geworden, wir schreiten Maschine und mit der Hand geschrieben und so beantwortete sie auch übrigens viel Post von ihr, also was sie selbst an Postkarten, an Briefen, an kurzen Notizen geschrieben hat.
00:07:22: Insofern war diese Geschwindigkeit für sie auch existenziell, aber ungewohnt, für mich absolut ungewohnt.
00:07:28: Aber
00:07:28: das erfordert ja auch viel Kraft.
00:07:30: Also diese Aufmerksamkeit für Menschen, diese Geschwindigkeit, auch das, was sie ausgezeichnet, was viele Wegbegleiter beschreiben, wie schnell sie war im Denken und im Reden, wie vielen Menschen sie sich zugewandt hat.
00:07:43: Hast du eine Idee, wo sie diese Kraft hergenommen hat?
00:07:46: In der wichtigen Rolle spielte die Familie.
00:07:48: Sie hatte eine sehr enge Beziehung zu ihrer Großmutter, aber auch zu ihren Eltern und später dann auch zu ihrem Bruder.
00:07:56: Auch wenn die sich gar nicht so oft gesehen haben, die haben sich einige Mal im Jahr gesehen, sie war in der Regel zwei bis dreimal in den USA jährlich, aber die Eltern waren auch zweimal in Deutschland, haben die Großmutter besucht.
00:08:09: Also das war sicherlich eine wichtige Kraftquelle.
00:08:13: Besonders wichtig war ihre verstorbene Schwester.
00:08:15: Also sie hat das Leid ihrer Schwester, die an Krebs erkrankt war und dessen Auge dann kaputt war und nicht gerettet werden konnte und die dann auch im Alter von elf Jahren verstorben ist.
00:08:28: Das hat sie, der früher Tod ihrer Schwester, wurde zum Ausgangpunkt eines besonderen Angehrements, was die Gefährlichkeit von Radioktivitäten angeht.
00:08:39: Und das war nicht nur fokussiert auf Atomkraftwerke und Atomwaffen, sondern sie hat diesen Prozess von Anfang an durchleuchtet, also auch schon der Abbau von Oran ist dann nach Australien geflogen, hat sich dort mit den Bergerbeitern getroffen.
00:08:56: Sie hat die Opfer von Hiroshima und Nagasaki besucht, war letztlich viele Jahre auf der jährlichen Konferenz gegen Atom- und Wasserstoffbomben in Japan.
00:09:07: Und das hat alles eine, also diese Energie kam auch aus dieser Erfahrung.
00:09:14: Wenn ich an Petra Kelly denke, dann fällt mir auch eine Episode ein.
00:09:18: Ich war vor einigen Jahren, als ich noch im Landtag aktiv war, im Bayerischen Landtag, mit einer politischen Delegation, mit dem Ausschuss des Landtags in Baskenland und unter anderem in Gernika.
00:09:30: Und dort haben wir auch das Friedenszentrum in Gernika besucht, das an die brutale Zerstörung der Stadt durch die deutsche Legion Kondor auf Befehl Hitlers im Jahr, also im Jahr thirty-seven erinnert.
00:09:41: Und ich war total erstaunt und auch als ich dort in diesem Friedenszentrum ein Foto von Petra Kelley gesehen habe.
00:09:48: Und habe dann eigentlich erst erfahren, dass sie die erste deutsche Politikerin war, die schon in die deutsche Schuld für Gerniker hingewiesen hat und die sich auch entschuldigt hat und die die Unterstützung des Friedenszentrums durch Deutschland angeregt hat.
00:10:06: Und es hat danach dann noch zehn Jahre gedauert, bis eine offizielle Entschuldigung kam.
00:10:11: Roman Herzog, der damalige Bundespräsident, hat sich dann offiziell zur deutschen Schuld bekannt.
00:10:17: Und das zeigt, wie du auch gerade schon gesagt hast, dass Petra Kelly international gedacht hat, gearbeitet hat, agiert hat, aufgetreten ist, dass sie eine globale Aktivistin war.
00:10:27: Und sie hat sich für die Menschenrechte in Tibet genauso eingesetzt wie für die Opfer des Uranabbaus in Australien.
00:10:34: Sie hat in Ostberlin demonstriert, sie war in Moskau, also auch blockübergreifend.
00:10:39: Und oft wird heute noch gesagt, dass sie im Ausland eigentlich präsenter war und auch heute noch ist als in Deutschland.
00:10:48: Hast du das auch so wahrgenommen?
00:10:50: Und wenn dich heute die Leute nach Petra Kelly fragen, was ist eigentlich sozusagen in den Köpfen geblieben von ihr?
00:10:57: Bei der jungenen Generation ist sie ja heute leider gar nicht mehr präsent.
00:11:01: Vielleicht ändert sich das ein Stück weit auch durch den Film und durch die Aufmerksamkeit, die der Film bekommt, durch die Einbeziehung von Fridays for Future.
00:11:11: Petra Kelly war in Deutschland sehr schnell eine sehr prominente Figur in der Zeit von neunzehnneunzebzig, achtzig, dreinundachzig.
00:11:24: Da kannten ihre Namen eigentlich fast alle.
00:11:26: Sie war aber in der Breite der Bevölkerung, was ihre, sozusagen, politische Präsenz anging.
00:11:33: Also nicht nur die Bekanntheit ihres Namens, sondern auch in Verbindung mit ihren Zielen, die sie vertrat, war sie in den USA bekannter.
00:11:41: Also sie wurde regelmäßig in den USA, also auch in England, zu wichtigen Fernsehdiskussionen eingeladen.
00:11:48: Peter Kelly war in den achtziger Jahren in den USA viel prominenter als Helmut Kohl zum Beispiel.
00:11:53: Das kann man sich heute schwer vorstellen, aber das war so.
00:11:57: Und das hatte damit zu tun, dass sie ja auch sozusagen eine US-amerikanische Biografie hatte, dort studiert hat, dort enge Kontakte hatte zum politischen Establishment, die auch zum Teil sehr hart angegangen ist, auch schon als Studentin.
00:12:13: Also, sie ist an die Universität nach Washington gegangen, weil sie eine internationale Ausrichtung hatten.
00:12:20: Dann kommt sie dahin und stellt fest, ja, das ist aber nur auf dem Papier.
00:12:24: Es gibt gar keine internationalen Begegnungen.
00:12:26: Dann hat sie drei Jahre hintereinander internationale Wochen organisiert.
00:12:30: Und sie hat diese Wochen so organisiert, dass große Artikel in der Washington Postal beerschieden sind, zum Beispiel.
00:12:37: Sie hatte die Fähigkeit, eine mediale Aufmerksamkeit zu erreichen.
00:12:42: Das hatte sie schon damals.
00:12:43: Und diese Qualität hat sie auch in Deutschland und international immer wieder bewiesen.
00:12:49: Also sie konnte Bilder prägen.
00:12:53: Gibt ja heute noch einige sehr ikonische Bilder von ihr und mit ihr.
00:12:56: Petras erfolgt und ihre Ausstrahlung und ihre internationale Reputation sind das eine.
00:13:02: Und auf der anderen Seite musste sie ja auch ganz schmerzhafte Niederlagen einstecken.
00:13:06: Zum einen im Bundestag, wo, wie das in dem Film auch gezeigt wird, sie sehr schnell auch ... irgendwie fremdelte mit den Machtspielchen, die dort praktiziert wurden, wo sie viel Häme und viel Anfeindungen verkraften musste.
00:13:22: Und zum anderen auch innerhalb der Grünen Partei, wo sie nach einem sehr rasanten Aufstieg auch relativ schnell vom Zentrum an den Rand befördert wurde.
00:13:33: Wie hast du ... ihre Arbeit und die Auftreten im Bundestag wahrgenommen, zum einen.
00:13:39: Und zum anderen, wie erklärst du dir, dass sie innerhalb der Grünen-Partei so schnell dann an den Rand gedrängt werden konnte?
00:13:47: Es gibt dafür sicherlich ganz verschiedene Gründe.
00:13:51: Also, ihre Reden im Bundestag habe ich ähnlich erlebt, wie sie selbst, wie sie das auch in einem Film beschreibt, dass sie einfach gegen diese Männerwand nicht durchkommen, da nicht durchdringen kann.
00:14:03: Das hatte damit zu tun, dass sie im Deutschen Bundestag im Grunde genommen plötzlich wieder konfrontiert war mit Strukturen, Institutionen, Verhaltensweisen, Debatten und Kulturen, die sie in Brüssel verlassen hatte und auch verlassen wollte.
00:14:20: Sie hat dort fast zehn Jahre gearbeitet als Verweidungsrätin im Wirtschafts- und Sozialausschuss der Europäischen Gemeinschaft.
00:14:29: Sie hatte eine außerordentliche Karriere gemacht, also sie war Schon als viertundzwanzigjährige, als sie da gearbeitet hat, wurde sie eingeladen, zum Beispiel von der Theorheulstiftung, zu Vorträgen, zu Europa.
00:14:43: Und wo sie die Frage stellt, die europäische Gemeinschaft baut Europa, aber wo sind eigentlich die Europäerinnen und Europäer?
00:14:50: Also die Frage, die uns heute sehr stark beschäftigt, also was ist eigentlich der innere Zusammenhalt von Europa?
00:14:57: Das sind Fragen, die sie damals als vierundzwanzigjährige so auf den Punkt gebracht hat, dass anerkannte Institutionen es für wertbefundene haben, sie als Hauptrednerinnen einzuladen.
00:15:09: Die Institution selbst, sie war überzeugt davon, dass Europa eine wichtige Konstituierung ist, dass es für den Kontinent wichtig ist, sich auch institutionell zusammenzuschließen, um in Zukunft in Frieden leben zu können.
00:15:26: Aber sie hat diese Form der Institutionalisierung.
00:15:29: Das hat sie fast nicht ausgehalten.
00:15:31: Und jetzt kommt sie in den Bundestag und macht institutionell eine ganz andere Erfahrung.
00:15:36: Und hinzu kam, dass sie ja in der Vergangenheit, also aus der Perspektive deutscher Bundestag, quasi in der Vergangenheit institutionell in Brüssel eingebunden.
00:15:45: Und sie fuhr dann abends und an Wochenenden und im Urlaub auf politische Reisen nach Deutschland und ins Ausland.
00:15:53: Und die Auslandsreisen hat sie gemacht als Person.
00:15:58: Damals gab es die Grünen ja noch gar nicht.
00:16:01: Sie war legitimiert als Person, weil sie sich mit Sachfragen in einer Tiefe und Radikalität auseinandergesetzt hatte, wie ich das sonst bei anderen nie wieder erlebt habe.
00:16:11: Petra wusste, wofan sie spricht, egal zu welchem Thema, ob das Renten waren, Sozialpolitik, Gesundheitspolitik, die Gefährlichkeit von Asbest in den Bremsen von Autos.
00:16:22: Das sind alles Themen.
00:16:23: Kinderkrebs.
00:16:25: verursacht durch Atomkraftwerke im Normalbetrieb, hatte sie eine Studie in Auftrag gegeben, Mitte der Siebzigerjahre.
00:16:31: Alles Fragen, die lebendig wurden durch ihre Persönlichkeit als Selbstlegitimation.
00:16:38: Jetzt kommt sie aber in den Bundestag und sie wird legitimiert.
00:16:42: Sie wurde gewählt und spricht jetzt nicht nur aus ihrem inneren Kern, sondern sie spricht als Gewählte.
00:16:51: Sie ist verpflichtet anderen gegenüber, die sie gewählt haben.
00:16:55: Sie muss in der Grünen Bundestagsfraktion dafür kämpfen, Mitglied im Auswärtigen Ausschuss sein zu dürfen und dafür zu sprechen.
00:17:02: Sie muss dafür kämpfen, ein Krebsregister zu fordern, was für sie selbstverständlich war, was von der Grünen radikal aus Datenschutzgründen abgedehnt wurde.
00:17:11: Das war nach der Studie, die sie gemacht hatte, wo nachgewiesen wurde, dass Krebs erkrankte.
00:17:17: Kinder in der Region des Atomkrautswerkslingen, das war damals das Atomkrautwerk, weil es als Zweites gebaut worden ist, dass die Krebskranken verteilt wurden auf die verschiedensten Krankenhäuser, damit nicht signifikant wird, wie sich das geografisch konzentriert hatte.
00:17:33: Das wusste sie alles.
00:17:34: Sie wollte das Ausweiten bezogen auf andere Regionen, wurde aber von den Grünen daran gehindert.
00:17:41: Dann spielte eine große Rolle, dass kaum jemand ... bei den Grünen damals diese Dimension von institutioneller Erfahrung hatte in Brüssel, aber schon gar nicht die Dimension von internationaler Erfahrung.
00:17:54: Die Grünen waren sehr national aufgestellt, bezogen auf die Atomkraftbewegung, bezogen auf die Dritte Weltbewegung und auch die Dritte Weltbewegung war, wo man ja im ersten Augenblick sagt, ja, das ist eine internationale Bewegung.
00:18:06: Sie hatte eine internationale Perspektive, ein internationales Problembewusstsein, aber die Aktionsformen waren sehr national.
00:18:14: ausgerichtet.
00:18:16: Bei der Frauenbewegung, würde ich sagen, war das etwas weniger.
00:18:19: Und sie hatte im Vorfeld der Gründung der Grünen, waren ja ihre Plattformen der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz, vor allen Dingen aber, und das ist oft untergegangen, die jungen europäischen Föderlisten.
00:18:32: Und die jungen europäischen Föderlisten hatten eine Zeitschrift, das Forum, und dort publizierte sie.
00:18:38: Dort war sie über mehrere Jahre Chefredakteurin.
00:18:40: Und dort konnte sie publizieren zu den verschiedensten Themen, also zu ökologischen Themen, zu Frauenfragen, zu internationalen Fragen.
00:18:48: Und das hat sie genutzt.
00:18:49: Und die Jeff, also die jungen europäischen Föderalisten, wo sie damals war, zusammen mit Roland Vogt und auch Joel Einen, das war ein Feld, was eine Teilöffentlichkeit herstellte für sie, die dann nachher sehr wichtig wurde in dem Gründungsprozess der Grünen.
00:19:10: Noch mal zurück zu den Grünen, also als sie zuletzt, ich glaube, vor neunzehnt neunzig für den Bundesvorstand der Grünen kandidiert hat, da hatte sie ja noch mehr irgendwie ein paar und dreißig Stimmen bekommen.
00:19:20: Wie konnte das passieren, dass sie sozusagen so von vom Zentrum an den Rand gerutscht ist?
00:19:28: Sie beschreibt ja in dem Film selbst mit welcher Skepsis sie letztlich auf Parteien, auf Parteistrukturen geschaut hat.
00:19:38: in dem Partei-Währungsprozess der Grünen.
00:19:41: Das Gleiche war ihr ja auch schon passiert bei der SPD.
00:19:44: Sie war ja vorher Mitglied bei der SPD und hatte die Hoffnung, dass über die sonstige politische Vereinigung, da waren wir ja noch nicht richtig in der Partei, sich Strukturen herausbilden, die den Blick nach innen entschärfen und den Blick nach außen in die Gesellschaft fokussieren.
00:20:02: Und sie hat dann die Erfahrung gemacht, dass die Grünen damit nur ein Stück weit weitergekommen sind.
00:20:09: Sie waren auf der einen Seite keine traditionelle Partei.
00:20:12: Sie hatten in dem Sinne keine Parteigeschichte.
00:20:15: Aber sie waren in der Herangehensweise des Politikmachens.
00:20:19: Also wie arbeitet man in Ausschüssen?
00:20:22: Wen bezieht man als gesellschaftliche Kräfte mit ein?
00:20:27: Das alles auch bezogen auf die machtpolitische Frage.
00:20:33: Was bedeutet eigentlich Macht?
00:20:35: Hat man sie nur in der Koalition?
00:20:37: oder hat man sie nicht auch wesentlich in der Opposition, was man heute sehr genau beobachten kann an der AfD leider.
00:20:44: Das waren die Fragen, mit denen sie sich beschäftigt hat und auch da war sie sehr stark geprägt von der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung, denn sie hatte unmittelbar die Erfahrung gemacht mit Frauen, die sich in einen Bus setzen als schwarze Frauen, der eigentlich nur für Weiße vorgesehen war.
00:21:02: Und die setzen sich da rein und stehen einfach nicht mehr auf.
00:21:05: Und diese Einfache, entschiedene, öffentlich wahrnehmbare Verhaltensweise hatte ihr den Einzug vermittelt, dass man eine unglaubliche Veränderungsmacht erzeugen kann.
00:21:19: Einfach mit Worten und mit Haltung.
00:21:21: Und dieses Politikverständnis hat sie auch in die Grünen hineingetragen.
00:21:25: Das hat sich, die Partei hat sich dann anders entwickelt.
00:21:29: Und das führte dann letztlich auch zu dieser Entfremdung, die in diesem Wahlergebnis in Nordmönster zum Ausdruck gekommen ist.
00:21:38: Du hast grad schon das Thema soziale Bewegung angesprochen, die Bedeutung.
00:21:44: Im Film ist ja in vielen Zitaten von Peter Kelly geht's immer wieder um den zivilen Ungehorsam.
00:21:49: Sie hat sich an einer Stelle auch auf ein höheres Gesetz berufen, was dann wichtiger ist als die staatlichen Gesetze.
00:21:58: Wenn ich das heute mir so anhöre, dann beschleicht nicht so ein gewisses Umbehagen dabei.
00:22:03: Weil heute kommen solche Begriffe von rechtsaußen, von den Rechtsextremisten, genauso wie die Parteien- und Eliten-Kritik, die Petra Kelly ja auch sehr stark gemacht hat.
00:22:13: Wie geht's dir damit?
00:22:15: Haben die Rechtsextremisten die Begriffe der Linken gekapert?
00:22:19: Und wie können wir damit umgehen?
00:22:22: Es gibt ja keine Besitzansprüche, was bestimmte Begriffe angeht.
00:22:27: sondern dass es Parteien versuchen, bestimmte Begriffe zu besetzen.
00:22:32: Die Grünen waren da denn nicht immer sehr klug.
00:22:35: Vor allen Dingen, was dem Begriff der Freiheit angeht.
00:22:37: Den haben sie zu lange anderen Parteien überlassen.
00:22:40: Das hat sich dann später Gott sei Dank geändert.
00:22:44: Man kann, wenn man auf die Begrifflichkeit von Peter Kelly heute schaut, kann man das nicht verstehen.
00:22:52: ohne die Zeit und den Zeitgeist damals mit einzubeziehen.
00:22:56: Also, wenn man jetzt sagt, sie hat damals von einem höheren Instanz gesprochen, sie bezog sich dann auf das Gewissen, das auf heute zu übertragen, wäre bezogen auf die Auseinandersetzung damals, die wir hatten falsch.
00:23:11: Trotzdem verstehe ich, dass sich das, sagen partiell, auch beunruhigt, weil da eine gewisse Unschärfe drin war.
00:23:19: Diese Begrifflichkeiten sind ja entstanden oder diese Formulierungen sind entstanden in einer Zeit, wo wir mit jährlich hunderttausenden auf der Straße waren, sowohl gegen Atomkraftwerke als dann auch einige Jahre später in der Friedensbewegung gegen die Stationierung von Pershing II und Crewsmessile in den Achtzehrjahren.
00:23:41: Trotzdem wurden wir nicht gehört.
00:23:44: Das heißt, wir hatten nicht die Möglichkeit aus ihrer Perspektive uns auf Demokratie zu berufen oder auf das Parlament.
00:23:53: Wir wollten da rein, wir wollten da Mitsprache, aber die Alltagserfahrung war ja, es gibt existenzielle Fakten und die werden von der Mehrheit des Parlaments einfach nicht ernst genommen.
00:24:07: Und es gibt hunderttausende Bürger und Bürgerinnen, die auf die Straße gehen und sie werden nicht gehört.
00:24:13: Und dann stellt sich natürlich die Frage, was ist eigentlich die Basis der Argumentation, also was legitimiert mich.
00:24:20: Und natürlich war Peter Kelly eine Persönlichkeit, die nicht davon ausgegangen ist, zu sagen, ich höre jetzt erstmal auf die gesamte Breite der Bevölkerung, um zu wissen, was ich im Parlament vertreten soll, sondern sie hatte ganz klare Ziele und fühlte sich diesen Zielen aber auch den Menschen verpflichtet, die diese Ziele vertreten haben.
00:24:41: Und so ist das zu verstehen, dass sie ihr Gewissen nicht sozusagen über die Verfassung stellen wollte, sondern darauf hinweisen wollte, dass Abgeordnete auch ein Gewissen haben und sich darüber im Klaren sein müssen, dass sie irgendwann mal zur Rechenschaft gezogen werden, wenn sie lebensgefährende Beschlüsse fassen.
00:25:02: Was mich in dem Film auch tief berührt hat, war das Ausmaß der Bedrohung, die sie erfahren hat.
00:25:10: Nicht nur Beleidigungen, sondern tatsächlich Psychoterror, auch tägliche Angriffe.
00:25:15: In dem Film wird auf die Linden-LaRouche-Gruppe verwiesen, die damals hauptsächlich in den USA aktiver, aber auch hier bei uns.
00:25:25: Was war das eigentlich für eine Gruppe und wie bedrohlich war das tatsächlich?
00:25:30: Das war eine rechtsradikale Gruppe, die zu jeder Landtagswahl, Bundesratswahl ... und Europawahl angetreten ist hier in Deutschland mit dem Konterfeuil von Helga Zepp LaRouche, die ja Frau von LaRouche, der sozusagen in den USA lebte.
00:25:46: Das Ziel dieser Gruppe war Zersetzung.
00:25:49: Der Geschäftsführer von der EAP, also der Europäischen Arbeiterpartei, so genannten sie sich ja, der Geschäftsführer davon war der Schwager vom Chef des Deutschen Verfassungsschutzes in Köln.
00:26:04: Wir haben uns oft gewundert, warum die eigentlich immer alles wissen, wo wir sind, was wir machen, wo wir gerade auftauchen und so.
00:26:12: Und hatten irgendwann mal den Eindruck, ohne das wirklich beweisen zu können, dass das vielleicht damit zu tun hat.
00:26:18: Weil wir ja auch bezogen auf konkrete Bedrohungssituationen von der Polizei geschützt wurden.
00:26:25: Aber nach Untersuchung, was so Drohbriefer angeht, haben wir nie eine Unterstützung erfahren vom Verfassungsschutz.
00:26:33: Peter Kelly wurde immer, wenn sie ohne die USA flog, egal ob sie in New York, in Washington oder auch in der Westküste gelandet ist in Kalifornien, sie wurde immer von einer Truppe auf dem Flughafen mit transparenten Empfang beschimpft, wurde körperlich angegriffen und das gehört dazu.
00:26:51: und die haben dann, die hatten dann ihre Bilder, ihre Medienaufnahmen und haben damit intern in rechten, rechtsradikalen Kreisen Werbung gemacht.
00:26:59: Das Ziel war Zersetzung, die hatten kein eigenes politisches Ziel.
00:27:04: Ich meine, das ist uns ja heute auch nicht so ganz fremd.
00:27:07: Gerade politisch starke, engagierte Frauen werden ja sozusagen ganz bewusst in der Öffentlichkeit niedergemacht, werden angegriffen, werden beleidigt, sollen eingeschüchtert werden, dass sie sich aus der Öffentlichkeit zurückziehen.
00:27:19: Hat sich da tatsächlich so wenige verändert in den vierzig Jahren?
00:27:24: Geändert hat sich vor allen Dingen die Qualität der Kommunikation dadurch, dass sie digitaler geworden ist.
00:27:32: Das ist einfach eine andere Kategorie.
00:27:35: Petra Kelly hatte damit zu tun im Analogenzeitalter.
00:27:38: Das heißt, sie war damit entweder durch Briefe, handschriftliche Briefe oder maschinengeschriebene Briefe oder aber unmittelbar physisch berührt.
00:27:47: Es gab öfter Situationen, auch bei Veranstaltung von mir.
00:27:50: Da bekam man einen Zettel aufs Podium geschoben.
00:27:54: Du musst sofort auf der Intensivstation anrufen.
00:27:56: Deine Freundin hatte einen schweren Unfall.
00:27:58: Oder man hat die Radmuttern von einem Auto gelöst und ist aus der nächsten Kurve rausgeflogen.
00:28:03: Das war eine Erfahrung, die wir damals gemacht haben.
00:28:06: Und bei Peter kam einfach hinzu, dass der Grad der Bedrohung auch durch Anrufe, durch Beschimpfungen, durch Pakete mit blutiger Wäsche, Pakete mit Totentieren, das war zum Teil für sie schwer auszuhalten.
00:28:28: Denn es gibt ja vom Bundeskriminalamt immer so eine gefährdeten Liste, so ein Ranking.
00:28:33: Sie war in Bonn viele Jahre die gefährdete Person auf Platz eins, also vor Willy Brandt und anderen.
00:28:40: Aber sie wollte keinen Polizeischutz.
00:28:43: Sie wollte sich dem stellen.
00:28:45: Ich habe sie auf Veranstaltung mehrmals ohne ihr Wissen schützen lassen und sagen hinter der Bühne, sodass sie das gar nicht mitbekommen hat, weil es einfach nicht mehr vertretbar war, weil die Gefahr zu groß war.
00:28:56: Aber sie selbst hatte den Anspruch, jedenfalls über lange Zeit, das hat sich dann später als sich das Zuspitz auch ein bisschen geändert, aber über lange Zeit hatte sie den Anspruch, das in der direkten Konzentration mit den Menschen, die sie angreifen, zu regeln.
00:29:10: Und irgendwann war das aber nicht mehr möglich.
00:29:13: Und es hat sie beschäftigt, es hat sie psychisch und physisch beschäftigt und hat sie ja auch eine enorme Energie gekostet.
00:29:21: Ich finde die Bedeutung des Films von Doris Metz liegt in erster Linie darin, dass sie die Leistung, die Lebensleistung von Petra Kelly in den Mittelpunkt stellt und wieder in Erinnerung ruft, weil sonst, wenn man sozusagen mit Petra Kelly sich beschäftigt, dann ist eigentlich immer sofort ihr Todthema, ihr gewaltsamer Tod.
00:29:41: Und das macht dieser Film ja zum Glück nicht, aber natürlich kommt er nicht umhin auch ihren gewaltsamen Tod zu thematisieren.
00:29:48: Und Otto Schiele spricht in dem Film genauso wie du, davon, dass es Mord war, dass Peter Kelly von Gerd Bastjan ermordet wurde.
00:29:57: Und das ist ja nun also unglaublich tragisch und dramatisch auch für eine Frau, die sich Zeit ihres Lebens für Gewaltfreiheit und gegen Männergewalt eingesetzt hat, das ausgerechnet sie zum Opfer eines Femizids wird.
00:30:11: Und lange Zeit gab es bei den Grünen, aber auch in der Öffentlichkeit die These, es sei ein Doppelsuizid gewesen.
00:30:18: Es hätte ihre Zustimmung zum Tod vorgelegen.
00:30:22: Und es gab ja dann auch eine gemeinsame Trauerfeier für Petra Kelly und Gerd Bastjan.
00:30:27: Ihre Bilder waren dann beide auf der Bühne.
00:30:31: Sieht man auch sehr gut in dem Film.
00:30:32: Und du sagst dann auch in dem Film, dass das falsch war, dass das ein Fehler war.
00:30:37: Das finde ich sehr ... Mutig und gut, dass du das auch so ausdrückst.
00:30:42: Aber wie kam es eigentlich zu dieser Einschätzung, zu dieser Wahrnehmung, dass es ein Doppelsuizid war?
00:30:47: Warum hat sich das so lange gehalten?
00:30:49: Und worauf fußt eigentlich heute diese Erkenntnis?
00:30:53: Es war Mord.
00:30:54: Die Polizei hat im Grunde genommen einen Tag, nachdem sie in der Nacht gefunden wurden, tot in ihrer Wohnung, eine entsprechende Erklärung rausgegeben.
00:31:06: Das ist ein Doppelselbstmordfahrer.
00:31:08: Diese Interpretation kam nicht von uns aus dem Freundeskreis, kam auch nicht von der Familie Kelly.
00:31:14: Die kam von der anderen Seite.
00:31:17: Und die Polizei hat das aufgegriffen.
00:31:20: Sie hatte dafür keine Beweise.
00:31:25: Es läuft ja so, es gibt dann normalerweise einen Ermittlungsverfahren.
00:31:30: Dann sagt die Polizei, gegen Tote ermitteln wir nicht, denn wir haben keinen Zweifel daran, dass Bastian zunächst Petra Kelly erschossen hat und dann sich selbst und insofern gibt es da nichts zu ermitteln.
00:31:44: Es gab im Freundeskreis von Petra Kelly, insbesondere also Lef Koppelev aus Köln oder auch Bebel Boley aus Ostberlin, die beide eng mit Petra Kelly befreundet waren.
00:31:54: Die konnten und die auch Gerd Bastian kannten, natürlich, die konnten sich das nicht vorstellen.
00:32:00: Die konnten sich absolut nicht vorstellen, dass er sie erschossen hat und sind davon ausgegangen, dass Dritte beteiligt waren.
00:32:10: Also, dass es eine Atommafia war oder was auch immer auf jeden Fall Menschen, die selbst oder aber im Auftrag von anderen die Politik der beiden, die Friedenspolitik, die Antiatompolitik sozusagen nicht mehr ertragen haben.
00:32:26: Abgeschlossen wurden die Untersuchungen fünf, sechs Monate später.
00:32:31: Also, sie wurde am zwanzigsten Oktober gefunden.
00:32:34: Dann gab's die Botschaft, Doppelselbsmord von der Polizei.
00:32:37: Und im April kam dann der Abschlussbericht.
00:32:40: Und in diesem Abschlussbericht hat die Polizei auch in einem Schreiben an die Familie noch mal ausdrücklich darauf hingewiesen, dass sie keinerlei Beleg dafür haben, dass Petra Kelly aus dem Leben scheiden wollte.
00:32:54: Wir wissen das natürlich aus den Gesetzmäßigkeiten der Medien, wenn man dann ... Ein halbes Jahr später so etwas veröffentlicht und auch dazu eine Despresserklärung gegeben und einzelne Zeitungsartikel gegeben, wo das dann kollegiert wurde.
00:33:08: Aber weltweit war die Botschaft eine von der Presseesmord.
00:33:14: Dass es zu dieser Veranstaltung, zu dieser gemeinsamen Trauerfeier kam, das hing mit diesen Zweifeln zusammen.
00:33:21: Das hing damit zusammen, dass es eine größere Gruppe gab, von aus dem Freundeskreis der beiden, das war ja auch in New York, in New York gab es auch diese gemeinsame Feier, die sich das einfach nicht vorstellen konnten.
00:33:34: Nach dem Motto, das kann doch nicht sein, zwei Personen, die eine setzt sich für Gewaltfreiheit an, der andere kehrt den Militär rücken, geht zur Friedensbewegung und die enden dann so.
00:33:47: Das ging schwer in die Köpfe.
00:33:51: Das hat letztlich zu der Entscheidung geführt, zu der, also an der ich ganz wesentlich die Mitverantwortung trage, diese Trauerfeile für die beiden gemeinsam zu machen.
00:34:02: Aber es war ein Riesenfehler, weil dadurch im Grunde genommen dieses falsche Bild noch mal verstärkt wurde.
00:34:09: Und man sozusagen gleichzeitig das Opfersgedachte und das Tätersen.
00:34:14: Also, wenn man heute gefestigt davon ausgeht, es war ... Und in dem Film spricht sowohl Otto Schiele als auch du über die Vermutung, dass es an Gerd Bastians Geheimdienstlichen Verstrickungen nach Moskau gelegen haben könnte.
00:34:38: Das wird ja da nochmal deutlich gemacht.
00:34:40: Es ging um die Öffnung der Stasiakten, im Einblick in die Stasiakten.
00:34:43: Petra Kelly wollte das.
00:34:44: Gerd Bastion hat es immer wieder herausgezögert, wollte das verhindern.
00:34:48: Und es wird sozusagen vermutet, dass Gerd Bastion mit dem sowjetischen Geheimdienst irgendwelche Verbindungen hatte.
00:34:57: Gibt es irgendwelche Belege dafür, oder auch Hinweise dafür, dass das so gewesen sein könnte.
00:35:05: Also, mir sind keine Dokumente bekannt, die das belegen.
00:35:10: Es gibt dazu, bei einem Stasiunterlagen gibt es dazu nichts, was erstmal wenig bedeutet, weil wir hatten ja einen bezahlten Agenten des DDR-Auslandsgeheimdienstes bei uns in der Bundestagsfraktion aus Berlin, der Schneider.
00:35:27: Der war Anfang der Neunzigerjahre, wurde der ins Abgeordnetenhaus in Berlin gewählt, musste sich dann prüfen lassen nach dem Steiseunterlagengesetz und auch über ihn wurde nichts gefunden.
00:35:38: Das heißt, die Staatssicherheit hatte lange genug Zeit, um in den Bereichen, wo es brenzlig war und besonders wichtig war und besonders hoch angebunden war, genug Zeit, um Akten zu vernichten.
00:35:51: Das ist aber auch kein Beweis.
00:35:54: dafür, dass auch Akten über Gerd Bastian vernichtet wurden.
00:35:58: Dass er Kontakte in die DDR hatte, und zwar intensiver und auch enger als andere, das ist so.
00:36:07: Es war einfach so, also der Palerogensteinverlag hat einen Film gedreht über die Generäle für den Frieden.
00:36:14: Und dieser Film wurde, und das ist auch dokumentiert, in Ostberlin begleitet.
00:36:21: Der wurde besprochen unter Beteiligung.
00:36:23: von Gerd Bastjan.
00:36:25: In diesem Film spielt er auch selbst natürlich eine Rolle, so wie andere Generäle auch.
00:36:30: Das ist aber noch kein Beweis dafür, dass er eine, sozusagen im Auftrage von jemandem gearbeitet hat.
00:36:39: Wir haben uns drei Wochen vor dem Tod der beiden oder vier Wochen vor dem Tod Anfang September bei mir zu Hause getroffen.
00:36:48: Also Gerd Bastjan, Petra Keddi, dann vier, fünf Leute aus unserer Ostwest-Arbeitsgruppe.
00:36:54: einige Bürgerrechtlerinnen aus Berlin.
00:36:57: Und da ging es um die Frage, wie können wir als Westler eine Akteneinsicht beantragen bei der Stasiunterlagenbehörde, ohne dass wir jetzt den Betrieb da völlig stören und dass die ostdeutschen Linien uns zum Teil zehn Jahre im Gefängnis gesetzt hatten, da jetzt warten, weil die Wessis ihre Akten sehen wollen.
00:37:18: Und wir haben uns dann in Zusammenarbeit mit dem Schalck Grotkowski Untersuchungsausschuss und Jochen Gauk als Leiter der Behörde und darauf verständigt, dass wir uns zwei, drei Personen ausgucken, die einen solchen Antrag stellen und das deshalb dann alle anderen sich erst mal zurückhalten, um nicht den ganzen Betrieb darauf zu halten.
00:37:41: Und das Ergebnis dieser Vereinbarung war, dass wir für Petra Cady, für mich und für Geltbastian eine beschleunigte Akteneinsicht beantragen.
00:37:50: Und das stand an.
00:37:51: Und nun fehlte aber dazu, das wurde über eine Abgeordnete, Bundestagsabgeordnete von Bündnis Nr.
00:37:59: T. Grün, also in der Ostdeutsche, wurde das dann auf den Weg gebracht, die auch in einem Scheig-Untersuchungsausschuss war.
00:38:05: Sie hat das auf den Weg gebracht und brauchte dann auch die schriftliche Zustimmung von Getbassern und Peter Kelly.
00:38:11: Und aus diesem Grunde hatte ich um einen Rückruf gebeten, ich habe die beiden in den USA vermutet, zu dem Zeitpunkt weil ich ihre Kalender in etwa kannte und auch wusste, die sind erst in Wien, dann in Berlin und dann sind sie drei Wochen in den USA.
00:38:29: Diesen Plan hatten sie zwischenzeitlich geändert.
00:38:32: Aber ich hatte um Rückruf gebeten, um das zu klären und auf die Notwendigkeit aufmerksam zu machen, weil die Ingrid Köppe unsere Abgeordnete darum gebeten hatte.
00:38:41: Und dann rief Bastian mich an.
00:38:44: Und das war mittags an dem Tag, wo er sie abends erschossen hat.
00:38:47: Und natürlich, wenn man die Nachricht hört, in der Wohnung von Peter Kelly wurden zwei Tote gefunden.
00:38:56: Und auch weiß, dass jemand, ich hatte immer einen Schlüssel von der Wohnung, aber es gab nur sehr wenige, die einen Schlüssel hatten.
00:39:03: Und Peter Kelly hat immer sehr genau darauf geachtet, dass Politische und das Persönliche bezogen auf ihre vier Wände, sehr klar zu trennen.
00:39:14: Und sie hat dann ... dann war natürlich sofort ... Der erste Gedanke, Moment mal, also, wann hab ich die eigentlich das letzte Mal gesprochen?
00:39:25: Und worum ging's da eigentlich?
00:39:27: Und das verstärkt natürlich den Gedanken, dass es dafür einen Zusammenhang geben kann.
00:39:33: Aber das ist kein Beweis.
00:39:35: Ich kann das nicht mit wässlicher Sicherheit sagen.
00:39:38: Also für mich bleiben diese Fragen offen.
00:39:40: Ich hab auch irgendwann aufgehört, mich damit länger zu beschäftigen.
00:39:45: Das ist dann ... Das sind dann Fragen, mit denen müssen sich Historiker und Journalisten beschäftigen.
00:39:51: Und ich kann dazu nicht sagen.
00:39:54: Ich vermute, dass, wenn es überhaupt eine Antwort gibt, dann wird es hier geben, an dem Tag, wo sich die Archive des KGB öffnen.
00:40:03: Aber vorher nicht.
00:40:05: Also die Antwort, die Historiker erinnern ... zu Petra Kelly jetzt schon geben, ist, dass sie sagen, sie war eine der großen Frauen des zwanzigsten Jahrhunderts.
00:40:16: Und wenn man aber heute, du hast es auch schon erwähnt, junge Leute fragt, kennt ihr Petra Kelly?
00:40:22: Habt ihr den Namen schon mal gehört?
00:40:23: Dann zucken die meisten mit den Achseln.
00:40:26: Wie konnte es denn eigentlich passieren, dass Petra Kelly so in Vergessenheit geraten ist?
00:40:33: Das ist nicht leicht zu beantworten und ich habe darauf auch nur Teile antworten.
00:40:38: Also ein Grund liegt darin, dass sie eine Frau war.
00:40:42: Ich glaube, dass das bei einem Mann mit einer vergleichbaren Biografie so nicht gewesen wäre.
00:40:49: Und das geht ja bis in die heutige Zeit.
00:40:51: Also Frauenmorde werden oft sehr viel einfacher abgehakt nach dem Motto, naja, wer weiß, was da war.
00:40:58: Beziehungs-Tat.
00:41:00: Genau.
00:41:01: Und wir erleben das also gerade in Berlin ja in den letzten Jahrzehnten immer wieder, aber auch in anderen Städten, aber in Berlin in besonderer Weise, dass auf diese Weise reagiert wird, übersehen wird, die notwendige Sensibilität nicht da ist.
00:41:15: Und das hat sicherlich auch in diesem Fall eine Rolle gespielt.
00:41:20: Dann hat eine Rolle gespielt, dass sie sich selbst ein Stück weit aus den Grünen rausgezogen hatte.
00:41:28: Also sie wurde dann ja Im Dezember, in der sie nicht gewählt wurde, sie war auch nicht aufgestellt worden, hat dann einige Monate später ihr Büro im Bundestag räumen müssen.
00:41:40: Wir haben ihr dann vonseiten der Bundestagsgruppe ein Büroraum zur Verfügung gestellt mit Telefon, Faxgerät, Kopierer und so weiter, wo sie einen eigenen Raum hatte mit einem Schlüssel, wo sie Tag und Nacht ... rein konnte, sie wollte darüber, sie wollte da auch im Taxiüber nicht arbeiten, also sie wollte sich nicht in die Situation begeben, dass sie dann Taxiüber da ist und den alten Kolleginnen und Kollegen aus in einer Fraktion wieder begegnet, also diese Hämme wollte sie sich ersparen.
00:42:07: Und da sie ohnehin eine Nachtarbeit drin war, kam mir das da auch entgegen.
00:42:12: Also dieser äußerliche, aber auch innere, Rückzug hat eine Rolle gespielt, dann hat eine Rolle gespielt, dass sie ja Erst mal versucht hat andere berufliche Wege zu gehen.
00:42:22: Also sie hatte einen Vertrag mit Sat.Eins, hat dann Fernsehsendungen gemacht, Umweltsendungen.
00:42:27: Hatte ein Weimgespräch mit Channel Five in Großbritannien, um eine ähnliche Sendung auch dort zu machen.
00:42:33: Das heißt, die wechselseitige Aufmerksamkeit bewegte sich, zumindest was den politischen Raum anging, weg.
00:42:41: Die war so nicht mehr da.
00:42:43: Im persönlichen hatte sich da gar nicht so viel... geändert, aber was die politischen Kontakte anging schon.
00:42:50: Dann hat sich eine erhebliche Rolle gespielt, dass die parteipolitische Entwicklung der Grünen eine Richtung genommen hat, die nicht dekungsgleichbar mit dem, was Peter Kelly sich von dieser Partei erhofft hatte.
00:43:06: Es war eher ein traditionelles Bild von Machtpolitik, ein traditionelles Bild von... gesellschaftlichen Veränderungen.
00:43:13: Und das war ja nicht ihre Sache.
00:43:14: Und das hat sicherlich ganz wesentlich zu einem Entfremdungsprozess beigetragen.
00:43:19: Was zu dem Wahlergebnis in Neumünster, in NRW, sicherlich auch beigetragen hat, war, dass wir als Partei insgesamt schwer krank waren.
00:43:32: Also, so würde ich das beschreiben.
00:43:35: Denn wir haben ja, in den letzten Jahren, insgesamt drei Parteitage durchgeführt.
00:43:42: zu der Frage, mit wem, wer sind eigentlich unsere Bündnispartner in der DDR?
00:43:47: Das war ja noch, diese Frage stellte sich ja schon vor der deutschen Einheit.
00:43:51: Und es gab immer etwa ein Drittel, die waren fest überzeugt, dass die PDS unsere Bündnispartner sind und eben nicht die Bürgerrechtsbewegung.
00:44:01: Das heißt, das Themenfeld beziehungsweise die Befindlichkeit der Partei zu diesem Zeitpunkt war alles andere als hoffnungsvoll?
00:44:11: Es sind dann ja auch ein Teil unserer Mitglieder, ein Teil der Grundströmung in unserer Partei auf der linken Seite, die sind dann auch rausgegangen, was notwendig war, um überhaupt als Partei zu überleben.
00:44:26: Auch das Wahlergebnis der Grünen im Westen, war existenziell um zu überleben.
00:44:35: Wir hätten es als Speer gehabt, als Grüne weiterhin mit bundesweiter Präsenz zu existieren, jedenfalls in den ersten Jahren, weil wir, ja, wie soll ich das sagen, weil wir, wenn wir in den Bundestag gekommen wären, dann hätten wir eine Mischung gehabt von politischen Strömungen innerhalb der Partei, die ein Bündnis mit der Bürgerrechtsbewegung in der DDR völlig unmöglich gemacht hätte.
00:45:01: Also eine Zusammenarbeit von Persönlichkeiten wie Dr.
00:45:06: Wolfgang Ullmann Werner Schulz.
00:45:09: Gerd Poppe.
00:45:10: Mit Menschen wie Thomas Ebermann vom Kommunistischen Bund in Hamburg oder Jutta Ditford, wäre völlig undenkbar gewesen.
00:45:20: Dann hätte das zu der Frage geführt, besteht die Notwendigkeit, sich neu zu sortieren, auch parteipolitisch.
00:45:29: Ja, ich erinnere mich gut an diese Diskussionen damals.
00:45:32: Man hat den Eindruck, dass auch jetzt durch diesen Film Petra Kelly gerade wieder entdeckt wird.
00:45:39: Und im Film ist ja auch ganz viel, es ist Fridays for Future, die Demonstrationen dort sind aufgegriffen und Luisa Neubauer spricht im Film davon, dass sie am Anfang mit dem Namen nichts anfangen konnte und dass sie aber das Gefühl hat, dass Petra Samen gelegt hat, die heute ihre Wirkung entfalten.
00:46:01: Was glaubst du, was Petra Kelly heute für die junge Generation geben kann, bedeuten kann?
00:46:08: Das Wichtigste ist, glaube ich, die Erfahrung zu machen, dass man als einzelner Mensch wahnsinnig viel bewegen kann.
00:46:16: Wenn man eine Empathie hat und für eine Sache wirklich einsteht und die Menschen gern hat.
00:46:23: Das ist auch eine ganz wichtige Bedingung und das konnte man von Peter Kelly lernen.
00:46:29: Peter Kelly hatte eine Liebe zu den Menschen und das haben Menschen gespürt.
00:46:34: Die nimmt uns ernst und Sie hatten ein tiefes Vertrauen zu ihr, auch bei aller Zartheit und Gebrechlichkeit, die sie dann zum Teil ausgestrahlt hat, die Menschen haben ihr vertraut.
00:46:46: Und das fehlt heute.
00:46:49: dieses Grundvertrauen in der Demokratie, ist aber gleichzeitig unverzichtbar.
00:46:54: Und für eine Bewegung wie Fridays for Future spielt dieser Aspekt eine ganz große Rolle, weil es da ja nicht darum geht, wie werde ich was, sondern wie erreiche ich was.
00:47:06: Und leider spielt diese Frage in den Parteien, CDU, CSU, FDP, SPD, Grüne, Linke, eine zu geringe Rolle, auch die ganze Rekrutierung von neuen Leuten, von Jüngeren in die Politik hinein.
00:47:24: Ist ja schon sehr früh geprägt davon, wie habe ich überhaupt eine Chance auf dieser Karriereleiter entweder eine Funktion, in einem Landesvorstand, Bundesvorstand, Landtag oder Bundestag zu bekommen.
00:47:38: Also sehr stark geprägt von der Frage, was bedeutet das eigentlich für mich persönlich?
00:47:43: Und weniger von der Frage, wie verändern wir diese Welt?
00:47:47: Das wird dann die Frage, wie verändern wir diese Welt, wird aufgegriffen als Marktlücke, aber nicht immer als Frage, die ein innerlich antreibt und das spüren Menschen.
00:48:01: Meinen die es ernst?
00:48:02: oder nicht.
00:48:04: Und die Anzahl der Politiker, Gott sei Dank, haben wir bei den Grünen viele, die innerlich getrieben sind, was nicht immer bedeutet, dass sie damit auch erfolgreich sind.
00:48:14: Aber sie haben sozusagen diesen genuinen, erinnernden Antrieb.
00:48:18: Und das ist für Menschen, aber für die Demokratie, ganz unverzichtbar.
00:48:23: Zum Schluss würde ich dir gerne noch eine Frage stellen, weil das uns als Petra Kelly-Stiftung immer wieder begegnet.
00:48:29: Wir kriegen gerade seit dem Krieg Russlands gegen die Ukraine ganz viele Zuschriften, wo Menschen empört sind über die Haltung der Grünen in diesem Krieg, über die Zustimmung zu Waffenlieferungen an die Ukraine, über die militärische Unterstützung.
00:48:46: Und die Leute schreiben dann immer, also Petra Kelly würde sich angesichts dieser grünen Politik im Grabe umdrehen.
00:48:52: Jetzt ist es natürlich interessant, dass Menschen wissen, was Petra Kelly heute denken oder machen würde.
00:48:58: Aber was würdest du auf so eine Frage antworten?
00:49:02: Kann man das überhaupt?
00:49:03: Wie würde Petra Kelly angesichts sozusagen der Tatsache, dass Krieg offenbar wieder zum Mittel der Politik geworden ist?
00:49:11: Und wie man sozusagen mit Angriffskriegen umgehen kann?
00:49:16: Was glaubst du, wie Petra Kelly heute sich dazu positionieren würde?
00:49:21: Natürlich kann ich nicht sagen, was Petra heute dazu sagen würde, weil das hätte sie weitergelebt, hätte auch sie sich verändert, so wie wir uns alle verändert haben, hoffe ich jedenfalls.
00:49:34: Und in welche Richtung?
00:49:36: Das ist nicht so ganz einfach zu sagen.
00:49:40: Ich kann verstehen, dass Menschen so reagieren, dass sie sagen, was ist jetzt mit den Grünen los?
00:49:47: Das hat aber weniger mit den Grünen und mit Petra Kelly zu tun, sondern das hat einfach damit zu tun, dass man oft ein völlig falsches Verständnis hat von Parteien.
00:49:56: Parteien sind keine Glaubensgemeinschaften.
00:49:58: Parteien sind keine Kirchen.
00:50:00: Da geht es nicht darum, an einen bestimmten Glaubenssatz festzuhalten, sondern es geht darum, Ziele zu beschreiben und sich in der Verwirklichung dieser Ziele den Widerständen und den Wirklichkeiten zu stellen.
00:50:13: Und das hat Petra gemacht.
00:50:15: Sie war Pazifistin, sie war gegen die NATO-Nachrüstung, sie war dafür Konflikte, soweit es geht durch zivilen Ungehorsamen und mit nicht militärischen Mitteln und nicht mit Gewalt zu lösen.
00:50:29: Aber Peter Kelly war auch eine Persönlichkeit mit einem Machtanspruch, die was verändern will.
00:50:36: Und sie war nicht nur, wie Sie sich sagen, sie war ja nicht nur Friedenspolitikerin, sondern sie war auch eine Freiheitspolitikerin.
00:50:45: Und gerade ihr Engagement für Oppositionsbewegungen in Osteuropa hat deutlich gemacht, dass es ihr eben nicht nur um den Abzug von Raketen ging oder um das Verbot von Atomwaffen, sondern dass es ihr auch um Freiheit ging.
00:51:01: Und Menschenrechte.
00:51:01: In
00:51:02: sehr, sehr sozusagen unmittelbarer Erfahrung aus der amerikanischen Friedensbewegung, wo sie natürlich auch gesehen hat, wo sich da überall Gewalt durchgesetzt hat.
00:51:14: Und man muss das, was die Grünen und das ist auch ein wesentliches Verdienst von Peter Kelly.
00:51:20: Frieden und Menschenrechte lassen sich nicht teilen.
00:51:25: Es gibt keinen Frieden ohne die Einhaltung von Menschenrechte, ohne dass Menschen frei leben können.
00:51:32: Und dies gehört dazu, wenn man Peter Kelly verstehen will.
00:51:36: Peter Kelly war gewaltfrei, aber sie war nicht gewaltlos.
00:51:40: Und sie wusste sehr wohl, dass auch Gandhi sich nicht hat vorstellen können, den deutschen Faschismus mit den Aktionen des Zivilen Ungehorsams, die er in Indien gemacht hat.
00:51:49: Und wofür er von Großbritannien als Kolonialmacht das Einverständnis hatte, so agieren zu können?
00:51:55: Das war ihm sehr wohl bewusst.
00:51:56: Und es ist für mich schwer vorstellbar, dass Petra Kelly als jemand, die geprägt war von der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung, die sich weltweit für Menschenrechte eingesetzt hat, nachdem diplomatische Möglichkeiten ausgeschöpft sind, gesagt hätte, dann soll die Ukraine sich ergeben.
00:52:17: Das ist für mich undenkbar.
00:52:19: Aber es ist meine Antwort, es ist nicht ihre Antwort.
00:52:22: Das können wir alle nicht wissen.
00:52:24: Vielen Dank, lieber Lukas, du hast gerade gesagt, Petra Kelly besser zu verstehen.
00:52:28: Und ich, für mich zumindest, hat unser Gespräch dazu beigetragen, Petra Kelly auch heute besser zu verstehen.
00:52:35: Vielen Dank.
00:52:35: Ich danke auch.
00:52:37: Das war's für dieses Gespräch zwischen Lukas Beckmann und Margarete Bause über Petra Kelly.
00:52:42: Wer noch mehr über Petra erfahren möchte, findet in den Show notes viele Links zu Publikationen, Interviews und weiteren Podcasts, die vor zwei Jahren anlässlich ihrer seventy-fünfzehnte Geburtstags erschienen sind.
00:52:53: Folgt die Petra Kelly-Stiftung auf Instagram, TikTok, LinkedIn, Facebook oder abonniert unser Kanal Petra Kelly-Stiftung in aller Podcast-Apps eure Wahl.
00:53:06: Untertitel im Auftrag des ZDF.
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