Prof. Dr. Monika Schwarz-Friesel - Antisemitismus
Shownotes
Weitere Informationen zur Tagung: https://www.petrakellystiftung.de/de/2016/11/23/nie-wieder-schon-wieder-niemals-weg-antisemitismus-deutschland
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00:00:00: Vielen Dank für die freundliche Einführung, meine Damen und Herren.
00:00:04: Ich begrüße Sie.
00:00:05: Mein Dank gilt natürlich auch den Organisatoren für die Einrichtung.
00:00:09: dieser wichtigen Tagung.
00:00:11: Ich werde in meinem Vortrag über das antisemitische Resentiment sprechen.
00:00:16: Ich werde kurz erläutern, was die Hauptcharakteristika, was konstitutiv ist für Antisemitismus.
00:00:22: Ich werde zeigen, dass trotz der Erfahrung der Shoah kontinuierlich antisemitische Stereotype in der Mitte der Gesellschaft produziert werden, reaktiviert werden.
00:00:35: Die Frage kam ja gerade schon auf, inwieweit die Mitte der Gesellschaft eine Die hat immer eine Rolle gespielt.
00:00:41: Antisemitismus oder Judenfeindschaft kam immer aus der gebildeten Mitte, nie von den Rändern.
00:00:45: Und es ist auch heute noch so.
00:00:46: Und es ist gerade die Mitte der Gesellschaft auch für die Zivilgesellschaft wesentlich brisanter als die Ränder, wobei ich gar nicht die Gefahr von rechten und linken Rändern marginalisieren will.
00:00:58: Dazu komme ich aber noch.
00:01:00: Ich fand die Themenwahl der Organisatoren so einschlägig, dass ich die einfach mal für meine Einleitung aufgegriffen habe, nie wieder, aber mit Ausrufezeichen.
00:01:10: Hier stoßen wir ja auf einen gern geglaubten Satz der Erinnerungskultur in Deutschland, die hat mit dem Post-Holocaust-Bewusstsein zu tun und geht von dem Glauben aus, dass Deutschland ein geläutertes Land ist, dass wir nur noch an den rechten Rändern Antisemitismus haben und ansonsten tatsächlich die Aufklärung viel gebracht hat und wir kein ernsthaftes Problem mehr hätten.
00:01:36: Dass dem nicht so ist, zeigen alle Fakten aus der Antisemitismusforschung.
00:01:41: Schon wieder, da muss man eben entgegenhalten, noch immer.
00:01:44: Denn der Holocaust bedeutete keine wirkliche Zäsur, wie alle Fakten und alle Daten zeigen.
00:01:51: Erstens fing die Aufklärung mit zwanzig Jahren Verspätung an, bis in die Adenauer-Ära hinein, saßen in allen hohen Posten, überzeugte Altnationalsozialisten und die Devise bis weit in die Sechzigerjahre war verdrängen, vergeben, vergessen, neu anfangen.
00:02:08: Also zwanzig Jahre vergingen eigentlich, bevor man mit den Auschwitzprozessen überhaupt anfing.
00:02:14: aufzuklären.
00:02:16: Und niemals weg, in der Tat, es war immer da, auch nach nix, wir hatten nie auch nur eine Minute antisemitismusfreie Phasen in der Bundesrepublik Deutschland.
00:02:29: Es ist nur so, dass durch die Sanktionierung des offenen Antisemitismus und durch den Paragraf der Volksverhetzung, der ja dann auch bald kam, Antisemitismus sich einfach andere Manifestationsformen gesucht hat.
00:02:42: Also ich sage immer Antisemitismus ist ein Chameleon.
00:02:44: Es hat ein ungeheuer großes Adoptionspotenzial.
00:02:48: Adaptationspotenzial.
00:02:52: In dem Sinne, dass es seine Struktur beibehält, aber seine Farben verändert.
00:02:58: Das sieht man im Laufe der Jahrhunderte.
00:03:00: Mal waren Juden die Bolschewicken, mal waren sie die Kapitalisten, mal waren sie zuangepasst, mal waren sie zu außen vor.
00:03:06: Und heute haben wir eben das Gewand des Israel-Hasses als die dominante Form von Antisemitismus.
00:03:13: Da ist sich auch die gesamte Antisemitismusforschung Einig, wenn es auch viele Kontroversen gibt, aber da ist sie sich einig.
00:03:20: Einige Fakten.
00:03:22: Wie sieht Antisemitismus heute in Deutschland aus?
00:03:24: Da sehen wir zum einen, dass wir einen massiven Anstieg haben.
00:03:28: Also vertrauen Sie nicht, das haben gerade die Wahlen in Amerika auch gezeigt.
00:03:32: Nicht zu sehr den Umfragen, die haben gravierende methodische Mängel.
00:03:38: vor allem einen großen Anstieg von Verbalantisemitismus, also alle Formen von sprachlichen Ausgrenzungen und Diffamierungen.
00:03:48: Und gleichzeitig, und das ist interessant, das hängt mit dem Post-Holocaust-Bewusstsein, vor allem in Deutschland zusammen, sehen wir auch eine steigende Tendenz, Judenfeindschaft zu leugnen, sie zu bagatellisieren, sie in die Ränder zu schieben, wo sie zwar sind, wo sie aber nicht so viel Schaden anrichten wie in der Mitte der Gesellschaft.
00:04:07: Der primäre Multiplikator ist mittlerweile ganz klar das Internet.
00:04:12: Das zeigt das neueste Forschungsprojekt von mir, das ja auch noch läuft.
00:04:16: Aber wir sehen eben auch, wie ich zeigen werde im öffentlichen Kommunikationsraum bis hin zu Presse, Texten,
00:04:23: etc.,
00:04:23: sehen wir auch die Artikulation von verbal Antisemitismen.
00:04:27: Was auf jeden Fall seit zehn, fünfzehn Jahren ganz klar im Fokus ist, das ich nenne, das Israelisierungssemantik, wir sehen, dass der Antisemitismus vor allem eingesicht hat in der Mitte der Gesellschaft, nämlich die Feindschaft gegen den jüdischen Staat Israel.
00:04:43: Wir sprechen hier auch allgemein in der Antisemitismusforschung von Israel bezogener Judenfeindschaft.
00:04:49: Das Problem mit dieser Israelisierungs-Semantik ist, dass sie mittlerweile so sehr in der Mitte schon etabliert ist, dass eigentlich kaum noch politisch oder zivilgesellschaftlich dagegen vorgegangen wird.
00:05:02: Deshalb kann man schon sagen, es besteht die Gefahr, dass über diese der Judenfeindschaft Antisemitismus ein Alltagsphänomen wird.
00:05:11: Ganz kurz, es wurde gerade erwähnt, wir hätten noch keine legale Definition von Antisemitismus, was natürlich eine Schande ist.
00:05:18: nach siebzig Jahren, das ist klar, das ist eine Randbemerkung, aber wir haben natürlich sehr, sehr, sehr gute wissenschaftliche Definition.
00:05:27: Seit vierzig, fünfzig Jahren international haben Antisemitismusforscher und Forscherinnen Bücher und Aufsätze geschrieben und ich stelle ihnen so die Quintessenz, also meine eigene Definition, aber die speist sich eben aus den Definitionen.
00:05:41: von ganz hervorragenden Wissenschaftlern aus den USA, aus Deutschland, aus Israel etc.
00:05:47: Zum einen ist Antisemitismus ja Judenfeindschaft, also es ist die moderne Form der alten Judenfeindschaft, einfach als Rasse Antisemitismus.
00:05:56: Im neunzehnten Jahrhundert wurde dieser Terminus eingeführt, im Grunde genommen basiert aber der Antisemitismus aufbauend auf den alten Stereotypen, wie ich gleich zeigen werde, die auch sehr präsent im Kommunikationsraum des XXI.
00:06:11: Jahrhunderts sind.
00:06:12: Was wir sehen, ist, dass Antisemitismus eine Differenzkonstruktion ist, eine ganz absolute, regile Differenzkonstruktion.
00:06:20: Ich kann jetzt leider nicht, das wäre ein eigener Vortrag, darauf eingehen, inwiefern die Abspaltung von frühen Christentum und Judentum maßgeblich dazu beigetragen hat.
00:06:29: Das ist die Basis eigentlich gewesen.
00:06:31: Tatsache ist, dass dann erst über die Kirchen gelehrten, vor allem Augustinus und die nachfolgenden Schriften, Diese Differenzkonstruktion tief in das abendländische Gedanken und Gefühlsgut eingesickert ist.
00:06:44: Und das grenzt auch Antisemitismus ganz klar ab von Vorurteilssystemen.
00:06:48: Darauf gehe ich gleich noch ein.
00:06:50: Das ist eines der Vorurteile gegenüber Antisemitismus.
00:06:53: Antisemitismus sei eine gruppenbezogene Menschenfreundlichkeit wie jede andere.
00:06:57: Das ist sie nicht.
00:06:58: Und solange das nicht in der Zivilgesellschaft ankommt, wird sich auch der Kampf gegen Antisemitismus nicht wesentlich verbessern.
00:07:04: Davon bin ich zumindest überzeugt.
00:07:07: Wir haben es also damit zu tun, dass Antisemitismus, dass Judenfeindenschaft quasi ein kulturhistorisches Fundament des Abendlandes ist.
00:07:15: Das klingt erst mal radikal und seltsam, aber alle großen Antisemitismusforscher der letzten sechziger, siebziger Jahre sind eigentlich zu dieser Schlussfolgerung gekommen.
00:07:25: Das heißt, es gespeichert in unserem kollektiven und kulturellen Gedächtnis und Bewusstsein ganz tief verankert.
00:07:31: Ich zeige Ihnen auch gleich Beispiele.
00:07:33: und dieses Diese abendländische Konstruktion basiert maßgeblich auf Stereotypen.
00:07:39: Und diese Stereotypen speisen bis heute den Antisemitismus.
00:07:43: Ich habe eine der wichtigsten hier aufgeführt.
00:07:45: Teilweise uralt, zweitausend Jahre alt, dann über das Mittelalter, die Neuzeit bis heute transportiert.
00:07:51: Gottesmörder, rachsüchtige Unruhestifter, Zersetzer, Macht- und Raftgierige, Weltverschwörer, etc.
00:07:59: Alles dies kommt zusammen zu einem Sinnsystem.
00:08:03: Es ist ein Warn-Sinn-System, das ist ja auch Titel meines Vortrags, und die Hauptkonzeptualisierung, also die Hauptmentale Repräsentation ist, nicht nur bei Rechtsradikalen, wie es im ersten Vortrag anklam, dass Juden das Welten übel sind, dass sie verantwortlich sind für alles, was schlecht ist in der Welt.
00:08:22: Das ist eine Konstante, die wir seit zweitausend Jahren sehen und die adaptiert immer wieder auftaucht.
00:08:30: Zu dem Sinnsystem.
00:08:32: In diesem System sind Juden ultimativ anders.
00:08:36: Sie sind nicht auf die eine oder andere Weise anders.
00:08:39: Sie haben nicht irgendein Merkmal, sondern ihre Existenz wird negiert und abgewertet.
00:08:45: Sie sind praktisch das Prinzip ex negativo.
00:08:47: So kann man das sagen.
00:08:48: Sie haben im Grunde genommen eine epistemische Kategorie.
00:08:51: Sie sind jenseits der eigenen Weltochnung.
00:08:54: Das zeige ich Ihnen gleich anhand von vielen Beispielen.
00:08:57: Und es ist ein Wahnsinn, weil alle diese Stereotype, die dieses System schließlich bilden, waar jeder Realität sind.
00:09:07: Jedes einzelne antisemitische oder judenfeindliche Stereotyp erweist sich beim Rückblick in die Geschichte als ein bloßes Fantasie-Konstrukt.
00:09:14: Nehmen wir die Blutkult-Legende, die zwischen dem XIII.
00:09:18: und XIV.
00:09:18: Jahrhundert für so viel Tod und Elend in den jüdischen Gemeinden beispielsweise geführt hat, wo gesagt wurde, Juden würden immer wieder kleine christliche Kinder stehlen und würden dann Blutrituale machen.
00:09:30: Es gibt nicht einen einzigen historischen Fall der so etwas.
00:09:34: belegt, nicht einen einzigen Fall.
00:09:36: Und ich könnte Ihnen jedes andere Stereotyp jetzt nennen, wo wir einfach keine Realität haben.
00:09:40: Also das ist auch entscheidender Unterschied zu Vorurteilssystemen.
00:09:44: Bei Vorurteilssystemen haben wir nämlich Übergeneralisierung.
00:09:47: Es gibt, sagen wir mal, die dumme Blondine.
00:09:49: Und dann wird aus einer Erfahrung mit einer dummen Blondine übergeneralisiert und plötzlich sind alle blonden Frauen dumm.
00:09:57: Oder bei den Muslimen.
00:09:58: Auch ein ganz anderes System als bei Antisemitismus sollte man auch auf keinen Fall gleichsetzen.
00:10:02: Das führt auch zu einer... Marginalisierung von Antisemitismus und vor allem zu einer Unmöglichkeit Antisemitismus zu bekämpfen.
00:10:10: Es gibt eben bestimmte islamistische Gruppierungen, die Frauen steinigen oder unter die Sharia stellen oder Terroranschläge.
00:10:17: und dann kommt die Übergeneralisierung zum Leidwesen aller Muslime.
00:10:21: Alle Muslime sind so.
00:10:22: Das ist typisch für Vorurteilssysteme, ist aber nicht typisch für Antisemitismus.
00:10:27: Ich zeige Ihnen hier mal so ein historisches Beispiel, an dem man das sehr deutlich sehen kann.
00:10:32: Also diese Derealisierung, bar jeder Realität.
00:10:35: Das ist aus der berühmten schädlichen Welt, Chronik.
00:10:38: Original hier irgendwo in München, würde ich mir sagen lassen.
00:10:41: Da wird die gesamte Geschichte, die Weltgeschichte niedergeschrieben und da gibt es eben auch diesen Fall.
00:10:47: Sie sehen, also die Juden bekommen den Feuer tot, den verdienten Feuer tot.
00:10:51: und dann kommt das Stereotyp.
00:10:52: Also mehrere Stereotypen.
00:10:53: hier.
00:10:54: in dieser Stelle wird ihnen der Hostien-Frevel vorgeworfen.
00:10:57: Das war gerade zwischen dem XIII.
00:10:59: und XV.
00:11:00: Jahrhundert ein beliebtes Stereotyp, so wie die Juden als Gottesmörder den Leib Christi malträtiert haben, so malträtieren.
00:11:07: wenn sie jetzt die Hostien.
00:11:09: Und die gerechte Strafe, so die schädelte Weltkronik, ist dann eben der Feuertod.
00:11:16: Wenn wir Antisemitismus, also ein kulturhistorisches Phänomen, verstehen wollen, dann müssen wir auch ganz kurz und anschauen, wie diese Konzeptualisierung tatsächlich über die Jahrhunderte permanent geblieben ist.
00:11:29: Und Adorno und Horkheimer haben das ja schon viel und vierzig in ihrer Schrift genau auf den Punkt gebracht, wenn sie sagen, sie verkörpern das Absolutböse.
00:11:38: Und auf eine ganz bizarre Art und Weise sind sie tatsächlich dann das auserwählte Volk.
00:11:46: Und wir müssen uns immer wieder klarmachen, dass bis nineteenhundertfünfundvierzig Judenfeindschaft völlig normal war.
00:11:53: Ja, das kam auch erst nicht mit den Nationalsozialisten.
00:11:56: Wir hatten über die Jahrhunderte hinweg, vor allem im neunzehnten Jahrhundert, Antisemiten liegen.
00:12:00: Wir hatten Clubs, die ganz offen sagten, wir sind Antisemiten.
00:12:05: Als Hitler hier im Hofbräuhaus neun zwanzig seine berühmte Rede gehalten hat, stundenlang, war der Titel der Rede, warum wir Antisemiten sind.
00:12:14: Also das war völlig normal, dass man sich bekannte, dass man judenfeindlich war.
00:12:19: Das wird oft vergessen, dass das zweitausend Jahre lang ein völlig normaler Kultur und gefühlswert war.
00:12:26: Und wir haben vor allem eine Denkkategorie, die wir in unseren Schriften bis heute auch immer wieder finden, in den historischen Schriften, aber auch in den aktuellen Schriften, nämlich diese Phrase, die Juden als die Feinde der Menschheit.
00:12:38: Das ist kein Zufall, wenn ich Ihnen gleich zeige, wie oft das im Internet und in den Zuschriften an den Zentralrat.
00:12:44: Paulus hat das als erster nachweislich festgehalten.
00:12:49: Er hat das natürlich nicht als Juden-Hass-Basis gemeint, aber er hat die Phrase benutzt.
00:12:53: Über Luther, über Hitler.
00:12:55: bis heute findet sich das und Sie sehen hier gleich aktuelle Beispiele.
00:12:59: Das ist aus einem Internet-Corpus, E-Mail- und Internet-Corpus der letzten vier Jahre.
00:13:04: und da sehen Sie genau diese Konzeptualisierung.
00:13:07: Weltenübel, abgrundtief böses Pack, Abschaum der Erde, Teufel in Menschengestalt, störenden Weltfrieden.
00:13:13: Ohne Juden ist die Welt ein besserer Ort.
00:13:15: und dann Dieser Transfer heute, Zionismus ist die Wurzel aller Übel in der Welt, Israel ist das Böse in der Welt, Sündenfall Staatsgründung, Israelis sind die Menschenfeinde.
00:13:26: Also das folgt einer langen Tradition und im Sommer war eben auch wieder eine der anti-israelischen Demonstrationen in Berlin und dann sieht man ganz offen solche Plakate, die eben dieses alte antisemitische Résentiment hier verbreiten.
00:13:41: Ich weiß nicht, ob Sie es gut lesen können.
00:13:42: Also in der Mitte unter Israel steht Menschenfeind und unter der Ware steht nochmal Menschenfeind.
00:13:49: Also da haben Sie genau diese Phrase und daneben ist der obligatorische Boykottaufruf.
00:13:55: Im öffentlichen Kommunikationsraum ist es aber auch für jede Mal einsehbar, zum Beispiel bei Amazon.
00:14:00: Es gibt ein verschwörungsfantastisches Buch über die Rothschilds und da steht schon im klappen Text diese Phrase gesteuert aus Jerusalem, die Warenfeinde der Menschheit.
00:14:11: Also das ist eine lange, lange Tradition, die ungebrochen bis heute zu finden ist.
00:14:19: Ganz kurz, ich lese sie nicht alle vor, weil ich gehört habe, ich habe etwas weniger Zeit als ursprünglich gesagt wurde.
00:14:26: Sie sehen hier, das sind alles gebildete Menschen gewesen, alles Akademiker, alles Geistliche mit einer großen humanistischen Bildung.
00:14:33: Unsere berühmtesten Philosophen sind darunter beliebte Schriftsteller, die sich alle auf die eine oder andere Art und Weise extrem hasserfüllt und judenfeindlich artikuliert haben.
00:14:46: Und wenn wir uns dann das neunzehnte Jahrhundert anschauen, ganz einfach, weil wir da die meisten Texte... haben, also zum Beispiel aus dem dreizehnten oder fünftzehnten Jahrhundert haben wir ja viel weniger Texte überliefert.
00:14:57: Dann sieht man im neunzehnten Jahrhundert, dass Judenfeindschaft tatsächlich eben eine Normalität war, dass sie auf allen Ebenen war, gleich ob in der Philosophie.
00:15:08: Hegel sei es die Bäder antisemitischen Schilder Usedom prallte, damit das es Judenfrei sei, Skarpostkarten mit antisemitischen Karikaturen, Fichte der berühmte Idi- Schrieb, man müsste ihnen schon die Köpfe über Nacht abschneiden, damit kein einziger jüdischer Gedanke mehr darin sei.
00:15:28: Wagner ist klar, Maar, der den Termen aus Antisemitismus geprägt hat, ein Journalist, der mit solchen Übertreibungen, wie sie heute auch kommen, niederschrieb, die Juden würden die Presse massiv beeinflussen.
00:15:40: Es gäbe ein Meinungsdiktat.
00:15:42: Im zehnten Jahrhundert waren die Juden gerade zwei Prozent der Bevölkerung und so stigmatisiert, dass sie mit Sicherheit nirgendwo... ihre Meinung durchsetzen konnten.
00:15:53: Fontane, Rabe, Freitag, eigentlich liberale Schreiber von Treitschke natürlich, die Juden sind unser Unglück.
00:16:00: Wir haben im zehnten Jahrhundert nicht ein einziges Parteiprogramm gefunden bei unseren Recherchen, kein einziges, egal ob links oder rechts, das nicht irgendwo so etwas schreibt, wie sie hier aus der konservativen Partei Preußens sehen.
00:16:14: Die Juden als Juden in jedem europäischen Volke sind ein schweres Unglück.
00:16:18: und dass man also Judentum beiseite drängen muss und das Christentum stärker machen muss.
00:16:25: Die Kinder haben das gelesen, bis nineteenfünfvierzig in Grims Märchen, das berühmteste antisemitische Märchen ist der Jude im Dorn, wo der betrügerische Jude, der nicht mal einen Namen bekommt, also er ist nur anonym erwähnt, am Ende aufgehängt wird und die gerechte Strafe bekommt.
00:16:40: Wir finden es in den Spottgesängen von Wilhelm Busch.
00:16:43: Wir finden es aber auch beispielsweise, was manchen überraschen wird bei Rudolf Steiner, der in einer Rede zum Beispiel geschrieben hat, dass Judentum sei ein Fehler der Weltgeschichte und die Juden sollten ihr Judentum ganz schnell überwinden und zum Christentum kommen.
00:16:59: Also das völlig normal und habitualisiert.
00:17:02: Deshalb wundert es auch überhaupt nicht, es ist nicht eine Sondererscheinung gewesen, sondern im Grunde genommen nur Das Ende einer langen Entwicklung, wenn wir uns die NS-Zeit angucken, das ist wichtig, dass ich auf dieses historische eingehe, damit Sie gleich sehen, dass sich nichts verändert hat in Bezug auf Erlösungsglaube und Rechtfertigungsideologie, wenn es um die Zerstörung von Judentum geht.
00:17:23: Die berühmtesten Zitate, ohne Erlösung der Judenfrage, keine Erlösung der Welt.
00:17:28: Oder die berühmte Posener Rede, die Ausrottung des jüdischen Volkes, ein Ruhmesblatt der deutschen Geschichte.
00:17:36: Wir hatten das moralische Recht, ja wir hatten die Pflicht, dieses Volk umzubringen.
00:17:40: Und genau solche Äußerungen finden wir heute ungebrochen im Internet, im öffentlichen Kommunikationsraum bezogen auf Israel.
00:17:50: Also Judenfeinschaft ist kein normales... Vorurteilssystem, Judenfeinschaft ist eine kulturelle Konstante.
00:17:57: Ob uns das jetzt gefällt oder nicht, man muss sich einfach kritisch dazu stellen.
00:18:00: Das Abendland hatte eben auch eine extreme schwarze Seite und das ist diese schwarze Seite.
00:18:06: Und für die Forschung ist eben besonders relevant, dass einerseits bis heute im kollektiven Bewusstsein geistige Repräsentationen, das heißt die Stereotypen, gespeichert sind.
00:18:17: Und, und das ist ja einer meiner Schwerpunkte, im kommunikativen Gedächtnis haben wir die Sprachgebrauchsmuster, die ungebrochen auch im Alltagsdiskurs auftauchen.
00:18:27: Jetzt fragen Sie sich vielleicht, die erzählt uns hier, dass sich nichts verändert hat, aber was ist mit Holocaust und Aufklärung und Erinnerungskultur?
00:18:35: Hat nicht der Holocaust, hat nicht die Shoah doch eine gewisse Zäsur gebracht?
00:18:39: Natürlich hat sie eine gewisse Zäsur gebracht in Bezug auf die Politik.
00:18:44: Es hat nach fünfundvierzig keine Regierung mehr gegeben, keine Bundesregierung mehr, die offiziell Antisemitismus vertreten hat.
00:18:52: Jede Bundesregierung versucht offiziell gegen Antisemitismus anzugehen.
00:18:56: Aber in der Zivilgesellschaft hat sich bis auf bestimmte Teile, die wir hier auch treffen, engagierte Menschen und Gruppen nicht so viel verändert, wie man sich das vorstellt.
00:19:07: Zum einen haben wir schon nach nineteen fünf vierzig sehr schnell festzustellen, dass eine Umwegkommunikation sich entwickelte, so eine Verschleierungstechnik.
00:19:16: Ich zeige Ihnen mal, wie das aussieht.
00:19:18: Wir nennen das indirekte Sprechakte in der Wissenschaft.
00:19:21: Das sind Substitutionen und Paraphrasen und.
00:19:24: Das ist für Gerichte, die immer hinterher hinken, also hinter der Forschung, oft sehr schwierig zu verstehen, dass das Wort Jude oder Judentum in einer verbal antisemitischen Äußerung überhaupt nicht auftauchen muss.
00:19:36: Es ist mittlerweile so normal und so habitualisiert, dass man sagt, die Israel-Lobby oder die Ostküsten-Lobby, ich zeige Ihnen jetzt ein paar konkrete Beispiele.
00:19:46: Also statt Juden und Judentum wird gesagt, die Zionisten oder Israel oder das internationale Finanztum oder jene Einflussreich Kreise oder es werden rhetorische Fragen gestellt.
00:19:56: Wer verhindert denn in Deutschland Kritik an Israel oder eben der Transfer auf Israel?
00:20:02: Dann die alten Topoi, das alttestamentarische Gesetz der Rache.
00:20:07: Das sind alles authentische Beispiele.
00:20:10: Noch ein wichtiger Aspekt, Sie hatten gerade angesprochen, also in dem einen Buch habe ich ja mit der Huda Reinhard über vierzehntausend E-Mails, die an den Zentralrat und an die israelische Botschaft unauffordert geschickt wurden.
00:20:24: Und hier sehen Sie etwas, was die meisten Leute immer sehr erschüttert, die reiben sich dann sehr unglaublich die Augen und können es eigentlich gar nicht fassen.
00:20:31: Von diesen vierzehntausend E-Mails Sehen Sie, ist nur ein kleiner Prozentsatz rechts und rechtsextrem, fast genauso viel links und links extrem.
00:20:41: Und ja, wir haben einen starken linken Antisemitismus, tief verankert in der linken Politik und Ideologie, aber die überwiegende Mehrheit, nämlich sixty-fünf Prozent dieser Menschen, die ihren Namen angeben, ihre Adresse in Stichproben haben wir das überprüft, ob das stimmt, die ihren Beruf angeben, die viel über sich erzählen.
00:21:02: Fünfundsechzig Prozent der verbal antisemitischen E-Mails und Briefe kommen aus der sogenannten Mitte.
00:21:07: Das heißt, gut situierte, ökonomisch, nicht an den Rändern, sitzende Menschen mit Berufen, mit Ausbildung, Bildung etc.
00:21:14: etc.
00:21:16: Ich zeige Ihnen dazu auch gleich einige typische Beispiele.
00:21:19: Wenn wir uns Sprache und Judenfeindschaft anschauen, dann sehen wir hier seit zweitausend Jahren eine ganz, ganz enge Relation.
00:21:26: Einerseits erhält die Sprache massiv judiophobes Gedankengut.
00:21:31: Das kann man sehen bei solchen Floskeln wie, das ist ja Wucher wie beim Juden, das hört man immer noch ab und zu.
00:21:39: oder aber auch an so unschuldig klingenden, additiven Phrasen wie Juden und Deutsche.
00:21:44: Hier diese Phrase ist vor allem im zehnten Jahrhundert im Rahmen des Rasseantisemitismus, des völkischen Antisemitismus, in das kollektive und kommunikative Gedächtnis besonders stark hinein produziert worden, weil man eben versucht hat, die Juden zu diffamieren, sie seien keine echten Deutschen.
00:22:02: Und hier spiegelt sich also eine Differenzkonstruktion.
00:22:06: Ganz normal wäre ja einfach zu sagen, jüdische Deutsche oder deutsche Juden.
00:22:10: Nein, Juden und Deutsche.
00:22:12: Und jetzt sehen Sie im Kontrast, Sie haben mit Sicherheit noch nie ... gesehen, gelesen oder gehört Katholiken und Deutsche oder Protestanten und Deutsche.
00:22:21: Diese Differenzkonstruktion existiert ganz einfach nicht.
00:22:24: Und das ist so ein ganz simples, einfaches banales Beispiel, an der man zeigen kann, wie bestimmte habitualisierte Sprachgebrauchsmuster judiophobes Gedankengut auch transportieren, über Jahrhunderte hinweg.
00:22:37: Viel wichtiger aber ist, dass Sprache nicht nur abbildet, sondern sie konstruiert eben auch.
00:22:42: Sie konstruiert eigene Realitäten, die in der Wirklichkeit überhaupt nicht existieren.
00:22:47: Das sehen wir bei den Verschwörungsfantasien, dazu haben wir ja auch noch eine ganze Arbeitsgruppe, da will ich gar nicht viel zu sagen.
00:22:55: Verschwörungsfantasien sind komplexe Derealisierung, also Jenseits der Realität werden bestimmte Aussagen getroffen, aber wir haben das natürlich auch schon bei kleineren Ausdrücken, zum Beispiel wenn NS-Vergleiche auf Juden oder Israelis angewendet werden, dann ist das auch eine Derealisierung.
00:23:12: Nichts, aber auch gar nichts im Nah-Ost-Konflikt kommt in irgendeiner Weise dessen, was in der NS-Zeit passiert ist.
00:23:20: Wie sieht nun eine Stereotipkodierung im XXI.
00:23:24: Jahrhundert aus?
00:23:25: Ich habe einige typische Beispiele vor allem aus der Mitte genommen und wir sehen hier drei Prozesse.
00:23:30: Zum einen das uralte Stereotypen aktiviert werden, das gleichzeitig aber die Verfasser versuchen, das modern zu adaptieren, indem sie zum Beispiel auch ihren eigenen Antisemitismus leugnen, indem sie kontextuell einbetten, indem sie kausale Ursachen versuchen zu finden.
00:23:48: Und wir sehen die Projektion auf Israel.
00:23:50: Das sind drei der Hauptcharakteristika.
00:23:53: Jetzt verstehe ich, warum Juden als miesbrotal, verlogen, gierig und rücksichtslos gelten.
00:23:59: Viele meiner Mitschüler und Freunde sehen das ganz genauso.
00:24:01: Das ist niemand aus der rechts- oder linksextremen Ecke.
00:24:04: Das ist eine achtzehnjährige Abiturientin mit Namen, Adresse, etc.
00:24:08: Engagiertes Mitglied bei Amnesty International.
00:24:11: Sie lehnt jede Form von Rassismus ab,
00:24:13: etc.,
00:24:13: etc.
00:24:14: Das ist ganz typisch für die Klientele aus der Mitte der gebildeten Antisemiten.
00:24:21: Wenn wir uns jetzt angucken, das haben wir fünfzehn Jahre gemacht, gibt es eigentlich noch gravierende Unterschiede zwischen rechten, linken und mittigen, sehr gebildeten Antisemiten.
00:24:32: Dann muss man auch erschreckenderweise sagen, nein, die sind mittlerweile sich so ähnlich, dass wir kaum noch, wenn wir nicht sehr explizite Angaben haben, sagen können, aus was für einer politischen Ecke es kommt.
00:24:46: Einziger Unterschied Die rechtsradikalen und Neonazis bekennen sich zu ihrem Antisemitismus, so wie vor fünfundvierzig.
00:24:53: Die sagen, ja, ich bin ein Antisemit, ja, ich hasse Juden, ja, ich habe etwas gegen Juden.
00:24:57: Alle anderen versuchen den Antisemitismus nach der politischen Korrektheit der Post-Holocaust-Gesellschaft zu verschleiern, um zu deuten, zu marginalisieren.
00:25:05: Und die Rechten haben noch eine Besonderheit, sie sind einfach in ihrer Sprache viel vulgärer.
00:25:11: Aber das ist auch das Einzige.
00:25:12: Viele Rechte übrigens leugnen auch gar nicht mehr den Holocaust, den Gegenteil in unserem Corpus, bejubeln viele Neonazis und Rechtsradikale, dass die Shoah stattgefunden hat, bedauern aber, dass sie nicht zum Ende gebracht wurde.
00:25:26: Das haben wir häufiger als die Holocaust-Leugnung.
00:25:30: Also wir sehen eine sehr, sehr starke Äquivalenz von Argumenten und von semanischen Aspekten.
00:25:36: Und das verbindende Element ist immer die Projektion klassischer antisemitischer Stereotype und Verschwörungsfantasien auf Israel.
00:25:45: Das eint alle Gruppierungen, egal ob rechts, links, Mitte, liberal, jung, alt, Dorfstadt.
00:25:55: Was noch interessant ist, man liest und hört ab und zu, dass die alten, die klassischen Stereotypen, die wir durchweg im Mittelalter schon hatten, ja, Brunnenvergifter und Blutkult, Legende, Kindermörder
00:26:08: etc.,
00:26:08: die wären eigentlich nicht mehr so virulent und auch nicht mehr präsent, können wir überhaupt nicht bestätigen.
00:26:13: Also wir haben einmal einem umfangreiche Analyse gemacht, das ist ein Subkorpus von Online-Kommentaren, Qualitätsmedien, Süddeutsche Welt, Zeit etc.
00:26:23: und haben wir uns da die Kommentare angeschaut.
00:26:28: Ich habe aber auch gerade von der ARD freundlicherweise viertausend Kommentare bekommen, die sie gelöscht hat, die voller verbal Antisemitismen sind, die zeigen das auch und die zeigen zum einen, also wie stark der Israel bezogene Antisemitismus in diesen Kommentaren ist.
00:26:44: Sie zeigen aber auch Das und der unteren Linie ist hier besonders wichtig, dass die Kombination von klassischen und israel-bezogenen Stereotypen doppelt so hoch ist wie die von Post Holocaust und Israel.
00:26:58: Kurz zur Erklärung, ich verwahre mich ja gegen die Termini primär und sekundär.
00:27:03: Ich plädiere dafür, dass die nicht benutzt werden, weil sie semantisch irreführend sind.
00:27:07: Also die klassischen Stereotypen wären das, was andere primären Antisemitismus nennen.
00:27:11: Und Post-Holocaust oder Entlastungsantisemitismus würden manche leider immer noch sekundären Antisemitismus nennen.
00:27:19: Aber wie gesagt, ich hoffe, das setzt sich durch, dass das nicht mehr benutzt wird, weil das führt einfach zu falschen Assoziationen und Infarenzen bei vielen Menschen.
00:27:27: Ja, die Israelisierung der antisemitischen Semantik, ich habe die Uhr im Blick, die zeichnet sich in den Schriften durch vier Charakteristiker aus.
00:27:40: Und die Derellisierung ist eigentlich so ein übergeordnetes Charakteristikum, also die Realitätsentfernung.
00:27:47: Was über Israel ausgesagt wird, hat mit der Realität de facto nichts zu tun.
00:27:51: Und dann haben wir die Unterkategorien, nämlich einmal die Dehumanisierung, zum Beispiel der jüdische Staat ist ein Krebsgeschwür.
00:27:59: solche Metaphern tauchen tausendfach auf, die Dämonisierung gleichzeitig mit der Delegitimierung, ich bestreite ein Existenzrecht Israels und ein Lebensrecht der jüdischen Pestilenz.
00:28:11: und von einem Professor, der sich Humanist und Friedenskämpfer nennt, die sanfte Variante Israel muss friedlich aufgelöst werden.
00:28:20: Das haben wir sehr, sehr viel bei Akademikern.
00:28:24: Anti-Israelismus als Antisemitismus lässt sich sehr, sehr sehr klar abgrenzen von legitimer politischer Kritik.
00:28:34: Es kommt leider immer wieder auch begünstigt durch Politik und Medien dieser Vorschub, also eigentlich die Hilfeleistung für Antisemiten, die sich solche Sätze bedienen.
00:28:44: Das ist sei doch sehr schwer oder geradezu unmöglich, diese beiden Sprechakte abzugrenzen.
00:28:50: Nein, das ist es keineswegs.
00:28:51: Also Sie hatten gerade das Buch von Jehuda und mir erwähnt, das auf vierhundert Seiten haben wir nahezu alle einschlägigen Expliziten und Impliziten, verbal Antisemitismen beschrieben, erklärt, erläutert.
00:29:04: Wir haben in einem großen Kapitel gezeigt, wann ist ein Sprechakt politisch legitime Kritik und wann geht er über in eine anti-israelische Defamierung und Delegitimierung.
00:29:15: Und die Hauptkennzeichen nochmal kurz jetzt ohne Beispiele.
00:29:19: Also wir erkennen das sehr schnell, wenn wir sehen, dass ein schwarz-weiß Bild manikeistischer Natur Gezogen wird, wir haben nur Bugut und Böse, und Böse ist eben immer nur Israel.
00:29:31: Das ist absolut negative, es gibt keine Grautöne, es gibt keine Zwischentöne, das ist ganz typisch.
00:29:38: Antisemiten, die auf Israel ihren Hass projizieren, sind absolut Faktenresistent.
00:29:43: Es ist geradezu unmöglich, ihnen mit Argumenten oder Daten beizukommen.
00:29:47: Es ist auch sehr, sehr schwer, mit ihnen eine gewisse Kommunikationskultur aufrechtzuerhalten.
00:29:54: Und sie sind obsessiv.
00:29:55: Das heißt, sie sind fixiert auf Israel als das Übel in der Welt.
00:30:00: Es gibt so viel Übel in der Welt, auf das man sich tatsächlich vielleicht mal stürzen könnte.
00:30:05: Ich könnte Ihnen jetzt einige Länder nennen.
00:30:07: immer das kleine demokratische bunte Israel, also eine Derealisierung pur.
00:30:14: Wir haben zwei Formen beim anti-israelischen Antisemitismus der Existenzberechtigung.
00:30:20: Einmal eine Radikale, dann wird tatsächlich gesagt und geschrieben, der Staat soll verschwinden oder die, sagen wir mal, Soft-Variante dass die Leute sagen, der jüdische Nationalstaat soll verschwinden.
00:30:33: Da zeigt sich die Intoleranz.
00:30:34: Warum soll es kein jüdischen Nationalstaat geben?
00:30:37: Es wird alles Mögliche akzeptiert, aber in Bezug auf Israel eine unglaubliche Intoleranz, die unikal ist.
00:30:47: Man sieht des Weiteren natürlich ganz klar es auch an der Sprache, an den sprachlichen Strukturen.
00:30:53: Wir sehen ein diffamierendes Brachialvokabular.
00:30:57: Wir haben dann solche Sätze oder Äußerungen wie Israel, wir haben ein Partheid-Staat oder wir hätten eine ethnische Säuberung oder die SS-Methoden.
00:31:06: Heute sind die ehemaligen Opferlitäter, wir hätten einen zweiten Holocaust an den Palästinensern und dann eben gekoppelt an die Boykottaufrufe.
00:31:15: Alles das, wie gesagt, ist derrealisierend.
00:31:18: Warum Israel?
00:31:20: Ich denke, das muss man auch... immer wieder noch mal sagen, denn eine der Hauptargumente von anti-israelischen Antisemiten ist ja, dass Israel das mit gutem Grund eben an den Pranger gestellt wird.
00:31:33: Diese Gründe gibt es zwar nur in den Köpfen von diesen Menschen, aber man muss den anderen in der Zivilgesellschaft und Politik klarmachen, warum Israel eben unikal hier so aufgegriffen wird von rechts, links, Mitte etc.
00:31:46: Zum einen ist Israel das Symbol des jüdischen Überlebens nach der.
00:31:52: zweitens ist es als Nationalstaat aber eben auch Symbol des gelebten Judentums und in diesem Sinne ist es natürlich für Antisemiten, metaphorisch gesprochen, der Stachel im Fleisch, also eine ungeheure Provokation, die einfach nicht auszuhalten ist.
00:32:08: und dann kommen diese Brachialeusserungen.
00:32:10: Und dieser Wahnsinn verlangt dann eben entweder die Beseitigung oder die Veränderung des jüdischen Staates.
00:32:16: Das sieht dann von einem rechtsradikalen so aus.
00:32:19: Ich kürze schon ein bisschen, weil ich merke mit der Zeit.
00:32:22: Also Ausrottung, Heil Hitler, er war Humanist, er wollte die Welt für euch retten, die Israelis oder aber ein linker Akademiker.
00:32:29: Nur durch die vollständige Auflösung des Unrechtsgebildes Israel kommt Frieden in die Welt.
00:32:35: Und wir haben immer häufige Lösungsvorschläge zum Guten des Menschen und der Welt, also die moralische Verpflichtung, auch ein linker Akademiker, ein BDS-Anhänger, nennt sich Humanist und Europäer.
00:32:49: Aus Sicht eines realpolitischen Deutschlands Aller Merkel muss man sagen, dass sieben Millionen tote Juden, also er meint die in Israel lebenden Juden, so schlimm das auch wäre, aber nüchtern betrachtet besser wären als sieben Milliarden tote Menschen wegen der jüdischen brutalen Weltherrschaft.
00:33:05: Gewalt taucht dann sehr, sehr oft auf.
00:33:09: Ich lese die jetzt nicht alle vor.
00:33:12: Hoffentlich sterben noch viele Judenkinder, so lernt ihr Täter.
00:33:16: Eines der häufigsten Gewalt- und Leuterungsmittel ist, dass der Iran doch die Atombombe werfen möge.
00:33:23: Wenn wir uns jetzt den öffentlichen Kommunikationsraum ansehen, dann sehen wir zum einen dort im Journalismus auch die Projektion von uralten Stereotypen.
00:33:33: Bekannt ist Augstein, aber bei der SZ haben wir es auch ab und zu.
00:33:37: Und durch eine Analogie kann man sich sehr, sehr schnell klarmachen, wie unverhältnismäßig das ist.
00:33:42: Stellen Sie sich mal vor, ich würde den Pressetext loslassen und da würde drin stehen, die GSG IX folgte dem Gesetz der Rache.
00:33:49: Sie würden sich an den Kopf greifen.
00:33:51: Hier greifen sich Menschen auch an den Kopf.
00:33:53: Oder die EU im Kampf gegen islamistischen Terrorismus leidet an Kreislauf der Rache.
00:33:59: würde jeder sagen bitte ist das nicht irgendwie in der Wortwahl vergriffen.
00:34:03: bei Israel ist das mittlerweile völlig habitualisiert.
00:34:07: oder solche Dehistorisierung Oder aber eine Tatsschlagzeile.
00:34:13: Es muss in einem freien Land möglich sein, straflos das Existenzrecht Israels infrage zu stellen.
00:34:18: Ich habe mit meiner Gruppe mal überprüft, wir haben bislang keine einzige equivalente Schlagzeile der Art gefunden.
00:34:24: Es muss in einem freien Land möglich sein, straflos das Existenzrecht der Türkei infrage zu stellen.
00:34:29: Oder nach Trump könnte man auch das Existenzrecht der USA infrage stellen.
00:34:33: Das macht aber niemand.
00:34:34: Es wird immer nur Israels Existenzrecht infrage gestellt.
00:34:38: Wir sehen die Omnipresenz, aber vor allem auch die Akzeptanz tatsächlich von uralten Verbal-Antisemitismen mittlerweile auch in politischen Kommunikationsräumen, ging ja durch die Presse, das uralte Brunnenvergifterstereotyp im EU-Parlament.
00:34:55: Und wie das dann aufgegriffen wird, zeigt hier eine E-Mail aus von einer Schriftstellerin aus dem Deutschen Schriftstellerverband.
00:35:02: Es wurde vorhin schon gesagt, Adorno hat gesagt, Antisemitismus ist das Gerücht über die Juden.
00:35:07: Und die Dame schreibt, ich habe das selbst nicht recherchiert.
00:35:10: Ich erhielt die Information aber von einem vertrauenswürdigen Kollegen.
00:35:14: Das ist auch sehr weit verbreitet.
00:35:15: Also man recherchiert gar nicht mehr selber, man glaubt es einfach.
00:35:19: Und dann kommt es eben vor allem bei Kindern und Jugendlichen zu Konvergenzen, die greifen auf, was sie hören und lesen.
00:35:27: Und dann schreibt dann auf Facebook ein vierzehnjähriger Schüler, Augstein hat Recht, Juden sind voller Rache und macht Lust.
00:35:34: Oder das, was sie oben muss sein.
00:35:38: Was wir sehr oft sehen und hier ist so ein Beispiel von einem sehr gebildeten Male, sein Juraprofessor an einer deutschen Universität, der sich selbst auch als links, als kein Antisemit bezeichnet, der sich Sorgen um den Weltfrieden macht.
00:35:51: und er schreibt an den Zentralrat der Juden.
00:35:53: Wie gesagt, nicht an die israelische Botschaft, an den Zentralrat der Juden.
00:35:57: Die Legitimationsbasis aller ihrer Verbrechen ist wohl die zionistische Idee ein außerwähltes Volk zu sein.
00:36:04: Sie sehen hier, also wir haben die Differenzkonstruktion.
00:36:07: Deutsche Juden sind Israelis und keine Deutschen.
00:36:09: Sie haben die kollektive Schuldzuweisung.
00:36:11: Der Zentralrat und die deutschen Juden sind verantwortlich für das, was im Nordostkonflikt geschieht.
00:36:16: Und Sie haben die Übergeneralisierung.
00:36:18: Alle Juden weltweit sind eigentlich doch nichts anderes als Israelis.
00:36:23: Wir sehen hier die Derealisierung.
00:36:26: Also jemand schreibt massiv antisemitische Äußerungen, Schande über alle Juden, alles jüdische wird boykottiert.
00:36:32: und dann ich bin nicht antisemitisch.
00:36:35: Das ist ganz, ganz typisch.
00:36:36: Und das ist ein wichtiger Punkt, nämlich wie gehen die ja zum Teil sehr gebildeten Menschen mit ihrem Wahnsinn eigentlich in der Gesellschaft und auch vor ihrem eigenen Selbstkonzept um.
00:36:48: Und da sehen wir eben das Phänomen, was ich am Anfang angesprochen habe.
00:36:51: Wir haben eine enorme Form von Antisemitismus, Leugnung und Bagatellisierung.
00:36:57: Und dann haben wir im öffentlichen Kommunikationsraum die folgenden Argumente, die mittlerweile ja irgendwie top euch schon sind, weil sie einfach immer vorgebracht werden.
00:37:06: Es wäre nur ein angeblicher Antisemitismus, es wäre ein Hysteriker am Ball, es wäre eine übertriebene Palikmache, wir hätten eine Tabuisierung, es gäbe ein Kritiktabu, es gäbe ein Meinungsdiktat in Bezug auf Israel.
00:37:19: Und wir sehen hier wiederum diese Faktenabwehr und die Ausblendung von Realität.
00:37:25: Ich habe zwölf Jahre lang mit verschiedenen Forschungsgruppen die Presseberichterstattung und den öffentlichen Diskurs zu Israel untersucht in Stichproben.
00:37:33: Es wird kaum ein anderes Land in der Welt so scharf, so offen und so hart kritisiert wie Israel.
00:37:38: Also auch hier sehen Sie weder die, dass es bar jeder Realität ist.
00:37:43: Und Robert Bayer hat eine gerade, also Anfang des Jahres, eine Sechs-Hundertseiten-Doktorarbeit veröffentlicht bei Lyme.
00:37:50: das Israel in den deutschen Medien, wo er das auch nochmal sehr datenreich zeigt.
00:37:58: Wir kommen hier zu einem Punkt, den kürzt sich auch ein bisschen ab, dass gerade die gebildeten Mitteantisimiten das immer verankern wollen, also das ist ihre Pflicht und sie müssen das sagen.
00:38:08: und lange bevor Günter Gras eben seinen Pamphlet geschrieben hat, haben die Schreiber an den Zentralrad auch geschrieben, das musste jetzt mal gesagt werden.
00:38:16: Das ist auch eine der Floskeln, die wir immer wieder haben.
00:38:20: Die häufigsten Strategien sind, wie gesagt, Leugnung.
00:38:23: Ich bin kein Antisemit, aber und dann werden antisemitisch Stereotypen produziert.
00:38:27: Ganz stark Legitimierung.
00:38:29: Ich bin ein Freigeist.
00:38:30: Ich bin ein kritischer Denker.
00:38:31: Ich bin ein guter Mensch.
00:38:32: Als Christ kann ich kein Antisemit sein und so weiter.
00:38:36: Dann immer die Kausalität zur Rückführung.
00:38:38: Israel provoziert das, wobei man sagen muss, Israel hat einen Konflikt.
00:38:44: Darüber besteht überhaupt kein Zweifel.
00:38:47: Aber jedes andere Land, das wir uns angucken, hat natürlich auch Konflikte.
00:38:50: Und selbst wenn Israel einen Bruchteil dessen tun würde, was ihm vorgeworfen wird, wäre das natürlich keine Rechtfertigung für Antisemitismus und Übergeneralisierung auf alle Juden.
00:39:02: Das muss man auch ganz klar sagen.
00:39:04: Dann immer wieder Umdeutung.
00:39:06: Es werden verbal antisemitische Äußerungen produziert.
00:39:09: Es wird aber als politische Kritik klassifiziert.
00:39:13: Und in den letzten Jahren ganz ähnlich zu diesen Strategien des Verbal-Antisemitismus eine enorme Delegitimierung der Wissenschaft.
00:39:22: Ich kenne das auch von einigen Kollegen.
00:39:24: Ich habe mittlerweile hunderte oder tausende sogar von E-Mails, Beschimpfungen, Drohungen und so weiter, wo dann unter anderem eben auch verbreitet wird.
00:39:34: Meine Daten wären gefälscht oder ich würde mit unsauberen Methoden arbeiten.
00:39:38: oder manche schreiben, was schluckt die Frau morgens, dass sie zu solchen Erkenntnissen kommt.
00:39:43: Also auf eine sehr persönliche Ebene.
00:39:45: Das zeigt natürlich alles, meine Damen und Herren, eine ungeheure Hilflosigkeit auf der Seite dieser Leute.
00:39:51: Das ist eine kognitive Hilflosigkeit.
00:39:53: Warum?
00:39:54: Sie sind keine Wissenschaftler.
00:39:56: Sie haben keine Daten.
00:39:57: Sie haben keine Position, das eigentlich seriös zu vertreten.
00:40:03: Sie haben eigentlich keine Fakten, Argumente.
00:40:05: Und dann gehen Sie auf der subkutanen persönlichen Ebene gegen die Wissenschaft vor.
00:40:12: Was wir auch haben, ist, dass sich diese Antisemiten immer wieder in Paradoxien und Widersprüche, Sie sehen das hier, kein Antisemit, aber ihr Juden seid menschlicher Müll oder ein Menschenfreund, der die Juden abgrundtief hast.
00:40:27: Oder aber eben im ZDF furchtbarer Bericht über ihre Gräueltaten, aber bei uns ist ja jede Kritik an Israel verboten.
00:40:33: Also innerhalb von wenigen Wörtern merkt der Schreiber gar nicht, dass er sich da selber widerspricht oder will es vielleicht auch nicht merken.
00:40:41: Die sind immer, also es ist X und zugleich nicht X, eine Münchner Geschichtslehrerin zum Beispiel.
00:40:46: Ich bin weit davon entfernt, die Selbstmordattentate zu rechtfertigen, aber die Selbstmordattentate sind ja nun mal die verzweifelte Reaktion.
00:40:53: Das ist ganz typisch.
00:40:55: Und, und hier ist ein berühmtes Beispiel von Horst Mahler, wo Sie mal sehen, also ich habe gesagt, es ist ein Wahnsinn und die Antisemiten versuchen, Realität, die Ihnen nicht passt und die nicht in Ihr Weltsystem hineinpasst, durch Adaption, also durch eine Weltmodellanpassung eben anzugleichen.
00:41:13: Und hier haben wir also eben dieses prototypische Beispiel von Horst Mahler, der gesagt hat, Sie arbeiten bewusst an der Zersetzung der Volksgeister und erstreben die Herrschaft über die Völker.
00:41:22: Und jetzt kommt es.
00:41:23: Deshalb sind auch die Protokolle der Weisen von Zieren, auch wenn es sich dabei um eine Fälschung handelt, authentische Zeugnisse des jüdischen Geistes.
00:41:34: Das ist der fast schon verzweifelte Versuch von Antisemiten, etwas, was wieder ihr Weltbild ginge, doch noch so hinein zu bekommen in dieses Wahnsystem.
00:41:46: Und das haben wir im Internet.
00:41:49: Egal was passiert in der Welt, ich habe nur einige wenige Beispiele.
00:41:54: Die Welt wird erklärt über Judiophobeinferenzen, das haben wir aber nicht nur bei irgendwelchen mehr Schugenden im Internet.
00:41:59: Wir haben das aber auch, also auch in der Politik, nehmen wir mal die Flüchtlingskrise.
00:42:04: Da hat der Oberbürgermeister von Schröter gesagt, Deutschland bla bla bla bla, es muss aus seiner Vornehmung, Zurückhaltung gegenüber Israel als Besatzerstatter heraustreten.
00:42:14: Er hat nicht verraten, was die Flüchtlingskrise mit Israel zu tun hat, aber es wird eben die Derealisierung und Kausalitätsfantasie zum Ausdruck gebracht und wir haben natürlich die Unterstellung, es gäbe ein Meinungsdiktat oder es gäbe eine Tabuisierung gegenüber Israel, da ist er einfach auch eben schlecht informiert.
00:42:35: Alles in allem sehen wir, dass Juden und Judentum abstrakte Konstrukte sind, jenseits der Realität.
00:42:42: Das sind ganz typische Äußerungen.
00:42:43: Ich kenne persönlich keinen einzigen Menschen aus Israel oder jüdischen Glaubens, aber ich hasse sie, weil sie so grausam mit den Palästinensen umgehen.
00:42:51: Oder aber ich brauche nicht selbst nach Israel zu fliegen.
00:42:54: Ich weiß schon alles über dieses miserable Land und seine grausamen Bewohner.
00:42:58: Augstein weigert sich ja auch bis heute, also er schreibt eine Kolume nach der anderen, in der Israel massiv angreift, aber er hat seinen Fuß noch nie auf dieses Land gesetzt und denkt auch, dass er das nicht nötig hat, weil er schon alles weiß.
00:43:12: Also nochmal, Antisemitismus ist ein Wahnsinn.
00:43:14: Es ist ein konzeptuell geschlossenes Weltdeutungssystem.
00:43:17: Die Stereotype haben den Status Tatsachen.
00:43:22: Die haben den Status, dass sie epistämisch autoritär sind.
00:43:25: Das heißt, man muss an ihnen festhalten.
00:43:27: Es ist für Antisemiten eine gefühlte Wahrheit.
00:43:30: Und deshalb adaptieren sie die ganze Zeit und wären sich eben gegen Fakten.
00:43:36: Was dazu gehört, das ist der letzte Punkt zu dieser Weltmodellanpassung, ist auf der Konzeptualisierung.
00:43:42: Juden sind immer schlecht.
00:43:43: Die wird eben projiziert ganz massiv auf Israel.
00:43:46: Zwei Beispiele dazu, was wir im Internet gefunden haben.
00:43:50: Also Israel hat ja ganz, ganz viele syrische Flüchtlinge aufgenommen und in den Krankenhäusern gepflegt.
00:43:57: Und dann haben wir solche Einträge wie.
00:43:59: das ist reine PR.
00:44:00: Wenn die Kamera weg ist, schmeißen sie die Flüchtlinge aus den Betten.
00:44:04: Genau das Gleiche.
00:44:05: Tel Aviv ist im gesamten östlichen Raum eine Hochburg, eine sehr, sehr tolerante Stadt insgesamt, wo alle Schwulen und Lesben aus Nord-Ost sich treffen können, wo sie begrüßt werden, auch von der Politik.
00:44:17: Vorwurf, das ist reines Pinkwashing.
00:44:19: Man macht das nur, um abzulenken.
00:44:21: Und hier sehen Sie sehr deutlich, also Israel könnte machen, was ist Wollte, wenn es jetzt käme und würde sagen, wir öffnen die Grenze, würde ein überzeugter Israel-hassender Antisemit sagen, die wollen jetzt nur ganz viele erschießen.
00:44:34: Würde Israel sagen, wir geben jetzt mal kostenlos Butterwecken an die und die aus, würden überzeugte Antisemiten sagen, vorsichtig, die sind vergiftet.
00:44:43: Also das ist ganz typisch, egal was Israel tut.
00:44:47: In der Weltsicht von Antisemiten ist es immer per se schlecht.
00:44:52: Ich komme zum Fazit.
00:44:53: Wir haben eine sehr, sehr starke empirische Evidenz, dass der israel-bezogenen Judenhass Alltagsphänomen fast schon ist.
00:45:02: Wir haben gleichzeitig die Abwehr, die Tendenz der Bagatellisierung.
00:45:06: Wir haben aber auch eben, was ganz, ganz schlimm ist für die Zivilgesellschaft und die Politik und die Aufklärung, einen Doppelstandard und eine Zweileibewertung.
00:45:14: Nach wie vor wenden sich die meisten Menschen mit Abschau davon, wenn Rechtsradikale also mit ihren Sprüchen kommen, wenn aber linke Antisemiten oder gebildete Antisemiten oder Journalisten die antisemitische Stereotype in ihren Texten einbauen, dann haben wir eine andere Bewertung, dann sagt man ja, das ist doch eigentlich mehr Kritik oder das kann man nicht so abgrenzen.
00:45:37: und solange das besteht, diese Haltung werden wir auch Antisemitismus nicht vehement bekämpfen können.
00:45:43: Und zu diesen Formen von Antisemitismus haben wir eben auch mittlerweile kaum eine Form der Skandalisierung.
00:45:50: Und dadurch natürlich die Gefahr, dass sich das Ganze immer weiter normalisiert und wir irgendwann wesentlich höhere Prozentzahlen von Antisemitismus haben, als wir ohnehin schon haben.
00:46:00: Wir können jetzt so vorgehen, ich habe noch etwas, warum noch immer und immer mehr so ein paar Vorschläge, was könnte man eigentlich machen?
00:46:07: Das kann ich aber auch zurückstellen und erst mal fragen, wie Sie möchten.
00:46:15: Okay, gut.
00:46:17: Also, was steht aus empirischer und theoretischer Antisemitismusforschung eigentlich der Aufklärungsarbeit am meisten im Weg?
00:46:24: Warum müssen wir immer wieder frustriert und traurig und entsetzt feststellen?
00:46:29: Warum ist der Antisemitismus trotz der Schuarerfahrung trotz Auschwitz noch immer da und nimmt sogar wieder zu?
00:46:35: Und da müssen wir eben einfach ein bisschen aufräumen.
00:46:38: Wir müssen falsche Konzeptualisierung, an die wir uns einfach über Jahrzehnte hinweg gewöhnt haben, über Bucht werfen und erkennen, dass wir mit solchen alten Konzeptualisierungen einfach nicht weitergekommen sind.
00:46:51: Das ist einmal und das sieht man gerade bei Richtern sehr häufig, das Elsässer-Urtal hat das gezeigt, wenn Antisemitismus auf die NS-Zeit fixiert, betrachtet wird.
00:47:01: Wenn es als ein Randgruppenphänomen gesehen wird, es ist kein Randgruppenphänomen.
00:47:06: Wenn man festhält, an diesem Prototyp Antisemitismus ist Rassismus, es gibt Ganz, ganz viele Antisemiten, die keine Rassisten sind, vor allem auch viele linke Antisemiten, die sich überall engagieren und gegen Xenophobie und Fremdenfeindlichkeit angehen etc.
00:47:22: Und wir dürfen, müssen eigentlich auch abrücken, dass auch wenn es schwer fällt, dass Antisemitismus ein Vorurteilssystem unter vielen sei.
00:47:30: Das ist es nicht.
00:47:32: Ich könnte jetzt noch einen ganzen Vortrag darüber halten.
00:47:35: Ich hoffe aber, dass ich am Anfang vielleicht mit einigen Argumenten das schon klarmachen konnte.
00:47:40: Das ist kein Minoritätenproblem.
00:47:42: Und es sollte deshalb eigentlich auch nicht, das widerspricht nicht, dass man das miteinander vergleicht, aber es sollte nicht subsumiert werden unter Vorurteilssystemen oder gruppenbezogene Menschen.
00:47:52: Das hat uns in den letzten Jahrzehnten, wie wir jetzt alle sehen, nicht so sehr weit gebracht.
00:47:57: Vor allem müssen wir in der Politik und in der Zivilgesellschaft lernen, dass wir zweierlei Maß von Antisemitismus haben, was überhaupt nicht geht.
00:48:05: Es kann nicht sein, dass der brutale, vulgäre, rechtsradikale Antisemitismus an den Pranger gestellt wird und der mit samt Handschuhen daherkommende Israel-Hass bagatellisiert oder marginalisiert oder umgedeutet wird.
00:48:23: Also wie lange noch muss man wirklich sagen, wir müssen habitualisierte Denkmuster und Vorurteile aufgeben.
00:48:29: Dazu gehören beispielsweise auch wirklich gut gemeinte Schlagzeilen, die so oft in der Presse zu lesen sind, die aber falsch sind aus Forschungssicht.
00:48:40: Gegen Antisemitismus und Rassismus.
00:48:43: Gegen Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit.
00:48:45: Es gibt aber nun auch einen nicht rassistischen Antisemitismus.
00:48:49: Und Antisemitismus hat mit Fremdenfeindlichkeit überhaupt nichts zu tun, wenn wir das in einem Land bekämpfen wollen.
00:48:55: Weil jüdische Deutsche sind Deutsche, das sind keine Fremden.
00:48:59: Und das ist irgendwo in der Presse noch nicht angekommen.
00:49:02: Also auch hier müsste man tatsächlich mal Kurse vielleicht machen für Journalisten.
00:49:07: Das sind jetzt ganz konkrete Überlegungen.
00:49:11: Das heißt, wir müssen einfach liebgewordene Diskursrituale durchbrechen und das Bewusstsein für die tatsächliche Lage schaffen.
00:49:18: Und dazu gehört eben auch diese Diskursfloskeln, die ich Sie gerade an die Wand geworfen habe, energisch zu widersprechen.
00:49:25: Ja, wenn es eben heißt, wir haben Problem bei der Kritik mit Israel, stimmt überhaupt nicht.
00:49:30: Wir haben überhaupt kein Problem damit.
00:49:31: Im Gegenteil, Israel wird so massiv und scharf angegangen wie kaum ein anderes Land.
00:49:36: Und da muss man einfach energischer widersprechen und die Daten und die Fakten auf dem Tisch legen.
00:49:42: viele andere Aspekte eben entsprechend.
00:49:44: Und was natürlich aus meiner Sicht ein besonders wichtiger Punkt ist, da ich ja Forscherin und Wissenschaftlerin bin, man sollte eben auch mehr dazu übergehen, sei es jetzt die NGOs, sei es die Politik, also wir hatten ja jetzt im März auch erfreulicherweise die Bundestagskonferenz, wo tatsächlich dann wenn auch nur zwei, also einen Amerikaner und ich für Deutschland eingeladen wurden, dass wir die wissenschaftlichen Erkenntnisse mehr in die Gesellschaft, in die Medien und in die Politik tragen.
00:50:11: Denn sonst haben wir tatsächlich immer wieder solche falschen Schlagzeilen, wie der Antisemitismus hat die Mitte erreicht.
00:50:17: Das ist historisch betrachtet total plamm plamm, mal so ein Lob ausgedrückt.
00:50:22: Der Antisemitismus war immer in der Mitte und er hat diese Mitte auch nie verlassen.
00:50:26: Trotzdem, er hat sie erreicht.
00:50:29: gerade gesagt habe, zu Fremdenfeindlichkeit.
00:50:32: Unten ganz wichtiger Punkt, das heißt ja immer, es sei eben auch so schwierig politische Kritik an Israel abzugrenzen von anti-israelischen Antisemitismus.
00:50:42: Und wie gesagt, nein, das ist möglich.
00:50:45: und es ist dann schon sehr ärgerlich und bedrückend, wenn man immer wieder Journalisten begegnet, die einem das Mikrofon unter die Nase halten und sagen, Könnten Sie vielleicht mal etwas dazu sagen, warum es so schwer oder unmöglich ist, diese beiden Formen voneinander abzugrenzen?
00:51:02: Und dann muss ich richtig so Tiefluft erstmal holen und sage, ja, wenn Sie sich ein bisschen besser informiert hätten, dann wüssten Sie, dass das sehr wohl möglich ist.
00:51:12: Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.
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