Bayern nach der Wahl

Shownotes

Petra-Kelly-Stiftung: www.petrakellystiftung.de Videomitschnitt der Veranstaltung: https://www.youtube.com/live/V33w6-3xP_I?si=dDwmbOTvw-1X7YU5

Weitere Infos über die Landtagswahlen: https://www.petrakellystiftung.de/de/landtagswahlen-bayern

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00:00:00: Die Demokratie ist unter Druck.

00:00:01: Der politische Diskurs scheint vergiftet wie nie zuvor.

00:00:05: Und bei der Landtagswahl am achter Oktober in Bayern hat es einen Rechtsruck gegeben.

00:00:09: Die AfD ist in der achtzente Legislaturperiode stärkste Oppositionspartei im bayerischen Landtag.

00:00:15: Neben der AfD haben auch die freien Wähler zugelegte, während die Ampelparteien insgesamt einen Dämpfer erleben mussten.

00:00:22: Die SPD hat das schlechteste Ergebnis in ihrer bayerischen Geschichte angefahren, die FDP ist aus dem Landtag geflogen und auch die Grünen mussten Stimmen einbußen.

00:00:31: Nach der Wahl stehen nun die Koalitionsverhandlungen zwischen CSU und Freie Wähler an.

00:00:36: Markus Söder hat sich schon vor Wochen auf die Freien Wähler als Koalitionspartner festgelegte und entsprechen fordern können Hubarteivanger um seine Partei nun auftreten.

00:00:45: Wie werden sie sich einigen?

00:00:47: Und warum würde den Grünen im Wahlkampf mit so viel Hass begegnet?

00:00:50: Mit Katja Auer, so deutsche Zaltung, und Dr.

00:00:52: Michael Weigel, Universität Passau, haben wir über den aufgeheizten Wahlkampf und die Auswirkungen der Ampelregierung auf die Landespolitik gesprochen.

00:01:00: Was hat sich in unserer Partei-Landschaft verändert?

00:01:03: Wir müssen Parteien zukünftig die Talon-Analog auftreten.

00:01:07: Und wir können Lösungen für komplizierte Probleme einfacher, aber nicht vereinfach kommuniziert werden.

00:01:13: Hier können Sie die Aufzeichnung unserer Diskussion im Presseclub München am elfter Oktober XXIII anhören.

00:01:18: Moderiert wird das Gespräch von Birgit Frank, Reporterin, Moderatorin, Moderatorin von Bayerischer Rundfunk.

00:01:24: Wir sind das Team der Petrakelle-Stiftung und freuen uns auf ein Wiederhören.

00:01:29: Wir nochmal herzlich willkommen, ich freue mich sehr, dass Sie da sind, damit wir nochmal ein bisschen über die Wahl sprechen können, drei Tage danach.

00:01:38: Das heißt, die Ergebnisse sind so ein bisschen gesackt und gleichzeitig ist ja in diesen drei Tagen schon wahnsinnig viel passiert.

00:01:46: Also, die, die eigentlich zusammenarbeiten wollen, vor allem behackten sich gegenseitig, da werden von der einen Seite Demokratie-Geständnisse und Bekenntnisse gefordert.

00:01:59: Auf der anderen Seite fühlt man sich gedemütigt.

00:02:03: Es ist also viel los.

00:02:05: Und angefangen hat ja alles, als Hubert Aiwanger gesagt hat, die CSU sei mädchenhaft.

00:02:11: Woraus ich jetzt zwei Schlüsse gezogen habe.

00:02:14: Einmal das mit Hubert Aiwanger und der genderrechten Sprache.

00:02:20: Das dauert noch.

00:02:22: Und zweiter Schluss, das wird eine interessante Zusammenarbeit, glaube ich.

00:02:29: Das ist nur eines der vielen Themen, was wir heute Abend besprechen wollen.

00:02:32: Einmal eben mit Katja Auer, der Leiterin der Bayern Redaktion der Süddeutschen Zeitung und mit Michael Weigel, Politikwissenschaftler an der Uni Passau.

00:02:42: Und diese ganze Situation, wie wir sie jetzt mitbekommen zwischen CSU und Freien Wählern.

00:02:46: Frau Auer, was glauben Sie, ist es vor allem Show für uns?

00:02:50: Oder so ein bisschen Gepose vor den Koalitionsverhandlungen, die wir morgen starten?

00:02:54: Oder ist es ernst?

00:02:55: Das ist

00:02:55: ernst, glaube

00:02:55: ich.

00:02:56: Also ich glaube nicht, dass Sie für uns posen.

00:02:59: Das machen Sie schon auch mal.

00:03:00: Aber das ist schon ernst.

00:03:01: Die Stimmung zwischen CSU und Freien Wählern war, glaube ich, selten so schlecht.

00:03:08: Und die Koalitionsverwaltung, ich werde schon ganz gerne dabei, ich würde schon gern zuhören, aber ich glaube, das wird nicht lustig.

00:03:14: Aber es wird anstrengend.

00:03:15: Warum ist es so schlecht?

00:03:16: Ist es so schlecht, weil die Freien Wähler gewonnen haben oder liegt es an was

00:03:20: Anderem?

00:03:21: Also natürlich auch.

00:03:22: Die Freien Wähler sind natürlich, wie man in Bayern sagt, die können in verletter Kraftkommen laufen.

00:03:28: Das merkt man schon, die haben enorm hinzugewonnen und fühlen sich deswegen in einer sehr guten Ausgangssituation.

00:03:34: Aber die Stimmung war ja vorher schon schlecht, also schon während des ganzen Wahlkampfes.

00:03:37: Also Markus Söder hat sich ja zwar zurückgehalten im Wahlkampf, man hat aber schon gemerkt, dass eben dieses Auftreten von Hubert Eibanger schon sehr missfällt.

00:03:48: Also wie der durch die Bierzeltel gezogen ist, auch Wasser dann gesagt, das hat ihm nicht gefallen.

00:03:55: Und das geht im Prinzip seit Erding so spätestens.

00:03:58: Also seit dieser Erdinger Rede von Hubert Eibanger merkt man schon, dass die Stimmung angespannt ist.

00:04:02: Und natürlich Markus Söder hat so früh gesagt, er legt sich fest auf diese Koalition.

00:04:07: Damit hat er ihm natürlich maximale Beinfreiheit gewährt.

00:04:11: Er konnte einen Wahlkampf machen, was er will, weil er wusste, eigentlich soll die Koalition fortgeführt werden.

00:04:18: Aber

00:04:19: was heißt das jetzt für uns, Herr Weigel?

00:04:21: Was heißt das ab morgen?

00:04:22: Was denken Sie, wie wird es dann ablaufen in den Koalitionsverhandlungen?

00:04:25: Haben die sich bis jetzt behakt und ab morgen ist dann ruhiger?

00:04:29: Oder geht es jetzt erst richtig los?

00:04:30: Nein, ich glaube, dass die Koalitionsverhandlungen schwierig werden.

00:04:33: Also sie werden erfolgreich sein.

00:04:34: am Schluss, selbstverständlich.

00:04:35: Sie haben sich auch beide darauf verpflichtet, dass sie erfolgreich sind.

00:04:38: Sie müssen erfolgreich sein, aber sie werden schwierig werden.

00:04:40: Und wir werden überhaupt in der ganzen Legislaturperiode ein anderes Verhältnis von CSU und freien Wählern sehen.

00:04:44: Ich glaube, was noch ein kleiner Punkt zur Ergänzung zu dem, was gerade gesagt wurde, Politik vergisst nicht.

00:04:51: Und man hat diese komplette Strategie, sozusagen die Wahlkampfstrategie, darauf ausgelegt, sozusagen Regierung versus Opposition und wenn man so will, Mitte rechts geht versus Mitte links.

00:05:00: Das hat ja auch aus CSU-Sicht relativ gut funktioniert.

00:05:03: Man ist vor allem neun und dreißig, vierzig Prozent so stabil gewesen und so weiter.

00:05:07: Mit Erding, respektive Nach, spätestens dann natürlich mit der Flugblattgeschichte, hat aber Eivanger das aufgekündigt.

00:05:13: Der hat schlichtweg plötzlich angefangen, Wahlkampf gegen die CSU zu machen.

00:05:17: Das kommt natürlich gar nicht gut an.

00:05:19: Unsicherer Koalitionär sozusagen, mit dem brauchen wir nicht mehr weiterarbeiten, zusätzlich zu den ganzen Punkten.

00:05:24: Also insofern, das wird ganz schwierig.

00:05:25: Dazu kommt noch, dass die freien Wähler wirklich fast schon existenzielle Bedrohung für die CSU langsam werden.

00:05:30: Die CSU braucht ihre fünf Prozent bei Bundestagswahlen.

00:05:32: Jetzt lassen wir mal das Thema Wahlrecht weg und was dann auch kommt.

00:05:35: Aber dafür brauchen sie das Land.

00:05:37: Nur mit der Stadt kriegen sie keine fünf Prozent bundesweit.

00:05:39: Sie brauchen das Land.

00:05:41: Das heißt, wenn die freien Wähler bei der nächsten Bundestagswahl ähnlich oder vielleicht noch erfolgreicher werden, dann hat die CSU ein massives Problem.

00:05:47: Und insofern sind lauter so Spannungen, die zusammenkommen, die sicherlich die nächsten Jahre komplizierter werden lassen, spannender vielleicht auch werden lassen für uns als Beobachter, das mag sein, aber es wird auf alle Fälle in schwierigen Konstellationen.

00:05:59: Aber schauen wir uns doch mal dieses Land genauer an.

00:06:01: Weil da, wo die Freien Wähler am stärksten waren, Niederbayern, war auch gleichzeitig die AfD am stärksten.

00:06:09: Auch interessant können wir uns nachher nochmal genauer anschauen.

00:06:12: Aber was heißt denn das für die CSU, wenn die eben jetzt im ländlichen Raum punkten will?

00:06:16: Wie macht sie denn das gegen so massiven Stimmen und Ansammungen von freien Wählern

00:06:20: und AfD?

00:06:21: Also wir müssen sicherlich insofern differenzieren, weil es gibt verschiedene ländliche Räume sozusagen in Bayern.

00:06:26: Das ist schon noch mal was anderes.

00:06:27: In welche Regionen wir schauen und so weiter.

00:06:28: Wenn wir jetzt mal nur auf Niederbayern schauen, ich glaube, da haben wir ein besonderes Phänomene, weil die Ironie ist ja daran, dass Niederbayern früher die Hochburg der CSU schlechthin war.

00:06:35: Und genau das wird ja jetzt zum Verhängnis.

00:06:37: Niederbayern war immer schon etwas konservativer, das war blöd gesagt.

00:06:41: Die EU hat sich, vielleicht nicht für alle von uns, merklich, aber sie hat sich sozusagen in die Mitte bewegt, selbstverständlich als Volkspartei.

00:06:47: Und natürlich ganz besonders seit Jahrzehnte, selbstverständlich.

00:06:50: Das heißt, in einem sehr, sehr konservativen Regionen bezirkt sowieso schon, werden dann viel mehr Potenziale frei, auch für die Freien Wähler, neben vielen anderen Punkten, unter anderem auch der Person eiwanger, natürlich die Niederbayern ganz anders wahrgenommen und mobilisieren kann.

00:07:03: Aber insofern finde ich es auf der einen Seite natürlich... Wir hatten sie ja schon bei der letzten Wahl auch gesehen.

00:07:09: Da hatten wir ja auch schon nie dabei mit AfD und Freivehler und so weiter.

00:07:12: Das war ja auch schon nur noch in anderen Prozenthöhen.

00:07:15: Ist das schon ein Phänomen sozusagen?

00:07:16: Das muss sich genauer anschauen muss.

00:07:17: Da kommen wir auch immer wieder auf die Frage, zum Beispiel die Nähe zu Tschechien, respektive die alten strukturschwachen Regionen und auch solche Fragen werden immer wieder aufgeworfen.

00:07:25: relativ schwierigen, sicherlich komplex zu beantworten.

00:07:27: Aber es ist schon interessant zu sehen, dass im Grunde dieses sehr schwarze, früher sehr, sehr schwarze Niederbayern jetzt eben auch entsprechend weiter sehr, sehr konservativen Sinne von AfD bzw.

00:07:38: bis weit weg von konservativ von Schwast AfD und dann auch eben Freien Wähler.

00:07:43: Hubert Einwanger hat heute gesagt, wir sind die Mitte und die CSU wie ins Lallum, rechts und links drum herum.

00:07:53: Was haben Sie sich gedacht, als Sie das gehört

00:07:54: haben?

00:07:55: Ja, das hat er wieder mal schön formuliert.

00:07:58: Also, es ist natürlich, muss man jetzt gar nicht im Detail bewerten, die Freien Wähler sind schon die Mitte.

00:08:06: Das Problem ist, glaube ich, aber das heißt Problem, wenn man mal das Wahlprogramm liest, der Freien Wähler und auch die Freien Wähler kennt, wo die herkommen, die sind total Mitte.

00:08:14: Also das ist klassische Mitte.

00:08:16: Nur Robert Eibern hat natürlich im Wahlkampf soweit immer nach rechts geguckt und sich auch so geäußert, dass er jetzt möglicherweise als rechter wahrgenommen wird, als die Partei eigentlich ist.

00:08:26: Also die Freien Wähler würde ich schon als Mitte rechts, konservativ, bürgerlich auf jeden Fall bezeichnen.

00:08:32: Dass die CSU drum herumkurft.

00:08:34: Nun ja, also Markus Lüter hat es ja mal ausprobiert, wie es ist, wenn ein bisschen grüner wird, hat dann doch nicht geklappt, hat seiner Partei nicht gefallen.

00:08:42: Das hat er ja nun wirklich in diesem Wahlkampf total widerlegt.

00:08:47: Von daher kann man ja... Da wird schon mal gewechselt, aber die CSU hatte immer schon viel Platz für viele Positionen.

00:08:55: Im

00:08:55: Landtag wird ja jetzt umgeräumt werden.

00:08:58: Die AfD hat sehr viel mehr Stimmen bekommen, auch sehr viel mehr Sitze, eben dann als Resultat.

00:09:04: Merken Sie denn jetzt schon an der Stimmung, dass was anders wird mit der AfD als stärkster Obstitionspartei?

00:09:11: Also, das wird ganz sicher anders.

00:09:12: Man hat schon gemerkt beim letzten Mal, als die AfD eingezogen ist, dass sich die Stimmung im Landtag etwas Sand verändert, finde ich.

00:09:17: Also auch für die Beobachter einfach... Weil da waren immer diese Leute jetzt.

00:09:22: Also die Stimmung im Landtag ist oft schon sehr gut.

00:09:24: Also auch bei aller, also so kommt mir das vor, bei aller politischen, bei allem Diskurs, dann hockt man trotzdem am Abend zusammen irgendwo und quatscht.

00:09:31: Und da waren nie eine AfDler dabei gesessen, also in meiner Beobachtung vielleicht einer oder andere.

00:09:35: Und jetzt werden es noch mehr.

00:09:37: und die haben ja auch schon angekündigt, sie wollen natürlich jetzt auch die Rolle der Oppositionsführerinnen voll ausfüllen.

00:09:42: Die werden Vizepräsidenten fordern, was sie... die ganze Zeit schon gemacht haben und mutmaßlich wieder keinen kriegen, die dürfen als Erste sprechen bei den Debatten, dürfen als Erste erwidern auf die Regierung und das wird man im Ton, der Ton wird sich massiv verschärfen, bin ich mir ganz sicher.

00:09:59: Jetzt

00:10:00: mal abgesehen von Inhalten, wenn man jetzt mal in die Arbeit der AfD im Landtag der letzten Jahre bewertet, die haben sich ja sehr zerstritten präsentiert.

00:10:08: Ja.

00:10:10: Und wenn wir jetzt immer darüber reden, dass die Landtagswahlen ja auch ein Abstrafen der Ampelkoalition in Berlin sind, weil die so zerstrippen sind, offensichtlich hat die zerstrittene AfD im Bayerischen Landtag niemanden gestellt.

00:10:22: Nein,

00:10:23: also es ist ganz offensichtlich so, dass die Arbeit, die innerliche Arbeit der AfD nicht bewertet wird.

00:10:27: Weil dann, also das hat interessiert niemanden, was die im Landtag tun offenbar, deren Anhängern ist das egal.

00:10:31: Das wurde ja auch immer wieder berichtet, kann man auch immer darüber diskutieren, wie viel man darüber berichten soll.

00:10:36: Aber es hat ganz offensichtlich Stürzen.

00:10:38: Die haben sich da aufgeführt, wie präsentiert, total zerstritten und immer nur komische Auftritte, Hetze.

00:10:46: Also da war überhaupt nichts Konstruktives dabei.

00:10:50: Ich glaube, das Grundproblem daran ist aber noch mal ein anderes, was sozusagen wirklich auch noch weiter darüber hinausgreift, nämlich schlichtweg fragen Sie mal, was die Leute überhaupt vom Land hatten mitkriegen.

00:10:58: Das ist das Grundproblem.

00:10:59: Also, ich würde wetten, wenn wir jetzt mal ins Detail gehen, die Wählerinnen und Wähler, die jetzt andere Parteien gewählt haben, die wissen auch nicht, was die Parteien wirklich genau im Landtag gemacht haben.

00:11:08: Das heißt, der Landtag kriegt generell zu viel zu wenig Aufmerksamkeit.

00:11:11: Und bei der AfD kommt natürlich noch dazu, dass das tatsächlich eine Partei ist, die praktisch komplett über Bundesstimmung oder irgendetwas läuft.

00:11:18: Da ist es völlig egal.

00:11:19: Die können auch aufstellen, wen sie wollen.

00:11:21: Also, man lernt ja auch ein sehr besonderes Spitzen, du kann man es mal so ausdrücken.

00:11:25: Auch das ist völlig egal, wen die aufstellen.

00:11:27: Weil es, man hat sie niemanden, haben Wander Volkreich, diesmal haben sie zwei.

00:11:30: Sehr besondere sind erfolgreich, das ist letztlich völlig egal.

00:11:33: Aber ich glaube schon, das ist ein Grundsatz herausfordernd, eigentlich mal wäre, den Landtag mal wieder stärker ins Bewusstsein zu bringen.

00:11:39: Das ist natürlich, wenn ich mir Süddeutsche oder Bayerische Rundfunk anschaue, jetzt nicht das Thema, aber in der großen Fläche, glaube ich, weiß kein Mensch, was da passiert.

00:11:45: Aber worum geht es denn dann, wenn es nicht um die konkrete Arbeit der Parteien geht?

00:11:49: Das heißt ja jetzt auch immer, die AfD ist nicht aus Protest gewählt worden.

00:11:52: Warum dann?

00:11:53: Ich glaube, bei der AfD kommen zwei Sachen zusammen.

00:11:55: Das eine ist, dass, ich glaube, es sollte man gar nicht unterschätzen, die AfD hat einen relativ hohen Stammhöhleanteil und zwar einen sehr hohen, relativ hohen Anteil von Personen, die schlichtweg loyal sind und die das gut finden, was die machen, ganz einfach.

00:12:07: Und dann kommt dazu eine Gruppe... Ja, ich habe ja mal so ein Problem, wenn die einfach nur pauschal als Protestwähler.

00:12:14: Das sind, ich würde eher die Unzufrieden in irgendeiner Art und Weise weisen.

00:12:18: Die sind aber über sehr, sehr unterschiedliche Dinge unzufrieden.

00:12:20: Also da gibt es Leute, die sind unzufrieden über soziale Gerechtigkeit, die eigentlich relativ nah, ich sage es mal eher, vielleicht SPD wären und plötzlich dann AfD wählen.

00:12:27: Die anderen sind unzufrieden über Migration und wählen AfD.

00:12:29: Die Dritten sind über noch ein ganz anderes Thema unzufrieden.

00:12:32: Also das ist so ein Pool, von, die die unzufrieden anzieht.

00:12:37: Und man muss natürlich auch sagen, Das ist, wenn man sich jetzt zum Beispiel Wahlprogramme angeschaut hat, wir sehen bei den demokratischen Parteien, Gott sei Dank, das meine ich jetzt, war ich überhaupt nicht kritisch, ein relativ großen Zielkonsens bei ganz vielen Fragen.

00:12:49: Es geht eher um den Weg dahin.

00:12:52: Die AfD war fundamentaler Position.

00:12:54: Praktisch jedes Thema konnte sie einfach nehmen, sagen das Gegenteil, da konnte sie bei AfD nachschauen, wussten sie ja genau, da fordern sie das Gegenteil.

00:13:00: Der Punkt ist aber nur, wenn sie heute jetzt zum Beispiel gegen Europa sind oder es kritisch finden, wen wollen sie denn wählen?

00:13:05: Da sind sie ganz schnell bei der AfD.

00:13:07: Wenn sie gegen Migration sind, ich mach das pauschal gegen Migration, dann ist das Original in Anführungszeichen die AfD.

00:13:14: Wen wollen sie wählen?

00:13:15: Und wenn sie dann, und das ist ein gesellschaftliches Problem, einfach akzeptieren, dass es in dieser Partei auch extremistische und natürlich systemfreitlich rechtsradikal antisemitische Strömung gibt, völlig unsweifelhaft, dann stört es sie nicht.

00:13:28: Für die meisten Menschen oder für viele Menschen ist die AfD im Grunde noch eine normale Partei.

00:13:33: So, ganz einfach.

00:13:36: Also wenn wir darüber reden, wie antidemokratisch die sind, das ist, was ich sofort unterschreiben würde, gar keine Frage, dann ist das, das müssen wir schon sehen, eine Debatte eines gewissen Expertentums oder einer gewissen Interessierten oder einer gewissen Schicht oder Milieu in der Bevölkerung.

00:13:53: Für den Rest, für ganz viel, ist die eine relativ normale Partei.

00:13:57: Mein Gott, da gibt es auch extremistische Strömungen, die anderen Parteien sind auch nicht perfekt.

00:14:00: Um es jetzt mal ein bisschen salopp zu formulieren.

00:14:03: Und also insofern, wie gesagt, da kommen Überzeugungstäter bei der AfD zusammen mit sicherlich auch Protestwägern, die wirklich nur den anderen es zeigen wollen, bis hin eben solchen, die uns zufrieden sind aus völlig unterschiedlichen Gründen.

00:14:15: Ich glaube, das ist so eine Gemengenlage.

00:14:17: Aber was heißt das jetzt für uns gesellschaftlich?

00:14:19: Parteienpolitisch?

00:14:22: müssten solche Menschen, die eben zum Beispiel grundsätzlich etwas gegen Europa haben, müssten die mehr Auswahl haben?

00:14:28: Müssten wir tatsächlich mehr Einungsvielfalt präsentieren

00:14:30: im Parteienspartei?

00:14:31: Ja, im besten Fall natürlich, sozusagen würde man sagen, ja.

00:14:34: Also im besten Fall wäre es, wenn wir eine demokratische Partei hätten, die trotzdem gegen Europa ist.

00:14:37: Machen wir es mal so.

00:14:39: Aber da kommen wir natürlich, aber das ist jetzt natürlich ein theoretisches Konstrukt, was wir gerade machen.

00:14:43: Also es gibt ja gute Gründe, warum man Man kann ja für Europa ein bisschen mehr oder weniger Europa, aber das ist grundsätzlich für Europa ist.

00:14:49: Das hat ja auch viel mit, ich sage es mal, Rationalität und Verstand zu tun.

00:14:53: Also dann zu sagen, wir brauchen jetzt irgendwie zwingende Partei, die dagegen ist ja quatscht, das ist ja nur ein theoretisches Konstrukt, aber ich will damit nur sagen, dass die AfD mit ihrer Fundamental-Opposition tatsächlich eben auch ganz bei ganz vielen andocken kann.

00:15:06: Das ist der Punkt, weil sie eben, wenn sie sagen, wenn ihnen das demokratische Moment, das antidemokratische, nicht so stört, dann finden Sie ganz schnell eine Heimat bei der AfD.

00:15:15: Das ist so der Punkt und das ist ein Problem, glaube ich, was ich einfach sehe.

00:15:18: Frau Auer, die AfD wird in Bayern vom Verfassungsschutz beobachtet.

00:15:21: Da geht es um zum Beispiel Umsturzfantasien von einigen Mitgliedern, die tatsächlich, konkret den Umsturz so sicher bei fantasieren.

00:15:32: Wir reden von teilweise wirklich hartem rechtsradikalen Gedankengut.

00:15:36: Ist es den Wenal egal oder wählen Sie die Partei trotzdem?

00:15:42: Auch da gibt es, glaube ich, Unterschiede.

00:15:47: Ich weiß es nicht genau, ich würde mal vermuten, es gibt ungefähr ein Drittel, die finden das gut.

00:15:54: Und dann gibt es vielleicht ein Drittel, die nehmen es in Kauf und vielleicht noch ein Drittel, denen ist es egal.

00:16:02: Oder vielleicht verteilt sich es etwas anders, aber ich glaube tatsächlich, viele Leute in Kauf nehmen, weil sie sagen, ja gut, man ist es ja inzwischen auch, man sieht das ja auch in dem, wie man spricht wieder.

00:16:12: Also es hat sich ja etwas verschoben in unserer Gesellschaft, man spricht wieder anders.

00:16:17: Und dann sagt man, mein Gott, dann wenn die AfD, wenn die rechtsextrem heißt, dann heißt sie halt so, macht mir aber nichts.

00:16:25: Aber dieses, ich möchte, mir passen die Verhältnisse nicht.

00:16:29: Ich wähle dagegen, ich wähle die AfD.

00:16:32: Wo gegen sind die Menschen?

00:16:33: Was passt nicht?

00:16:34: Ist es, ist es wir gegen die?

00:16:36: Was ist das?

00:16:36: Das Dinge nicht für alle geil

00:16:38: sind?

00:16:39: Ja, auch das ist wieder unterschiedlich, glaube ich.

00:16:42: Das bin ich bei meinen Weinen.

00:16:44: Diese Unzufriedenheit, die sich gerade im ganzen Land ausbreitet, das ist ja auch so ein gefühltes, so eine Stimmungslage, dass die Leute ganz viel Angst haben vor unterschiedlichen Sorgen, vor Wohlstandsverlust, vor Fremden, ganz allgemein und vor Veränderung auch.

00:17:00: Also vielleicht ist es ja auch so, Ich glaube, man konnte in Bayern, also zum Beispiel in Niederbayern, auf dem Land konnte man ja sehr lange, sehr unbehelligt leben.

00:17:09: Und jetzt fühlt man sich zum Teil so, dass sich die Bundesregierung zum Beispiel jetzt einmischt.

00:17:13: Jetzt sagt auf einmal jemand, du sollst deine Heizung so und so gestalten.

00:17:17: Und lange Zeit war das nicht der Fall.

00:17:19: Und möglicherweise ist das aus diesem Ganzen und dann kommen da fremde Menschen von irgendwo her und dann soll ich jetzt meine Heizung haben.

00:17:26: Und überhaupt, das wollen die überhaupt alle von mir.

00:17:30: Es ist Krieg, es ist so viel Sorge und dann treibt es vielleicht manche Menschen zur AfD.

00:17:36: Was ja bei der Konsequenz heißen würde, wenn Politik nicht irgendwo ist, sondern konkret bei mir, dann wird es zum Problem.

00:17:47: Ja.

00:17:47: Ja, bis zum Grüßengrad stimmt das wahrscheinlich auch.

00:17:49: Natürlich, in dem Moment, wo man betroffen ist, sieht man die Dinge anders.

00:17:51: Aber das wissen wir natürlich schon lange.

00:17:52: Ich glaube, das war auch schon immer so.

00:17:53: Ich möchte vielleicht noch einen Punkt einfach auch wiederum nur ergänzen, noch hinzufügen, weil ich glaube, der ist ganz wichtig, ohne dass ich eine Lösung wüsste.

00:17:59: Ich glaube, das Problem ist, dass uns, ich sage immer, uns fehlen die Übersetzer.

00:18:03: Das heißt, Politik war immer schon, wie gesagt, eine Elitenveranstaltung mit einer eigenen Sprache.

00:18:07: Das ist so, als wenn Sie zum Arzt kennen, sagt Ihnen der Arzt auf Lateinisch, was Sie haben, dann wüssten Sie überhaupt nicht, was los ist.

00:18:12: Und dann fragen sie erst mal nach und dann sagt er, ach, sie haben eine Erkältung.

00:18:14: Ach Gott sei Dank so.

00:18:16: Also jeder Job, jedes Business hat sozusagen seine eigene Sprache, seine eigenen Rituale und so weiter und so fort.

00:18:22: Und die sind für viele, viele Menschen extrem fremd.

00:18:26: Die können damit nichts anfangen.

00:18:27: So wie wir nichts anfangen können mit diesem Ritualen, wie es gerade gesagt hat vom Ärzten oder so etwas.

00:18:32: Und was es mir jetzt geht, ist, das war immer schon so.

00:18:34: Nur früher hatten wir sozusagen Übersetzer in den Gemeinden und das waren vor allem die Wahlkreisabgeordneten.

00:18:39: Wir eben auch damals noch ganz andere Loyalitäten, Parteibindungen hatten, auch wirklich noch lokale Autoritäten waren.

00:18:45: Die sind dann ringrausgegangen, sind zum Stammtisch gegangen, haben denen das sozusagen in die Strafübersetze, die die Menschen verstehen.

00:18:50: Darf ich ganz kurz einhaken?

00:18:52: Aber sind diese Menschen nicht mehr da?

00:18:55: Diese Wahlkreisabgeordneten gibt es ja noch.

00:18:56: Sind die andere geworden oder sitzen die nicht mehr am Stammtisch?

00:18:59: Wir

00:19:00: haben dramatischen Wandel in dem Sinne, dass natürlich wir kaum... Die Parteibindung sind heute völlig andere als früher.

00:19:04: Wo gibt es noch die ganz harten Parteibindung?

00:19:06: Das sind ganz wenige.

00:19:07: Die Dorfgemeinschaften haben sich komplett verändert.

00:19:10: Wir haben kaum noch diese Milieus von damals.

00:19:12: Die gibt es so in der Form gar nicht mehr.

00:19:14: Das sind diese berühmte Stichwörter von fragmentierter und individualisierter Gesellschaft und so weiter und so.

00:19:18: Aber man erreicht sie halt einfach nicht mehr.

00:19:20: Heute gehen sie raus, machen eine Parteivanstaltung vor Ort.

00:19:22: Da kommen zwanzig Leute.

00:19:22: Früher sind achtzig gekommen.

00:19:24: Also ganz einfach.

00:19:25: Früher haben sie im Sportverein über Politik gesprochen, heute redet kein Mensch mehr im Sportverein über Politik.

00:19:29: Das sind so diese Dinge.

00:19:31: Das heißt, die Menschen sind konfrontiert, im Grunde genommen jetzt mit einer Politik, mit dieser Sprache, mit diesen Ritualen von Politik können sie aber selber sozusagen nicht für sich übersetzen.

00:19:41: Das meine ich wirklich nicht kritisch, sondern das ist so wie ich es vorher gemeint habe.

00:19:44: Wir könnten in vielen anderen Sphären das auch nicht.

00:19:47: Es fehlen aber die Übersetzer und so.

00:19:49: Wer kommt jetzt da rein?

00:19:50: Radikale, weil die können nämlich genau die Sprache sprechen.

00:19:53: Social Media.

00:19:54: Da brauchen sie gar nicht die Superradikalen, sondern da brauchen sie einfach nur Leute, die – ich mache es mal sehr polimisch, das weiß ich auch – Leute, die keine Ahnung von Politik haben, übersetzen Politik für Leute, die auch keine Ahnung haben.

00:20:03: So, und so weiter und so fort.

00:20:05: Das heißt, wir haben ein Kommunikationsproblem auch, ein Vermittlungsproblem.

00:20:09: Und was die Folge ist, dass wir eine unglaubliche Unzufriedenheit in der Bevölkerung genereller Art haben.

00:20:15: Wir haben ein unglaubliches Misstrauen gegen die politischen Institutionen.

00:20:18: Das ist bei uns sogar noch ein bisschen besser als in manchen anderen Staaten.

00:20:20: Es ändert aber nichts daran, dass es auch bei uns immer schlechter wird.

00:20:23: Und das ist natürlich dann auch ein Mehrboden wiederum für solche Sachen.

00:20:25: Da können Sie eben diese Unzufriedenheit und die Problemlösungskompetenz des Systems, dass man dir das zuschreibt.

00:20:33: Das hat doch das Heizungsgesetz sogenannte am besten gezeigt.

00:20:36: Also viel schlechter kann man ja kein Gesetz kommunizieren, als das passiert ist.

00:20:42: Es hat, glaube ich, keiner gelesen zu dem Zeitpunkt jetzt wahrscheinlich auch nicht viele mehr, aber das war ja ein Debakel und auch ein Kommunikationsdebakel.

00:20:49: Aber was lernen wir draus?

00:20:50: Also klar, Social Media wissen wir, Extreme werden belohnt, deswegen natürlich Menschen mit extremen Botschaften kriegen da viel Gehör, aber was müssten denn die Parteien für Schlüssel draus ziehen?

00:21:03: Also müssten die tatsächlich mehr Social Media technisch kommunizieren?

00:21:07: Was,

00:21:08: diese Botschaftsvermittlung, wie kann die besser ankommen?

00:21:10: Also das glaube ich tatsächlich, also wir Man kommt ja nicht mehr drum herum, um das Social Media, ob man das nur gut heißt oder nicht.

00:21:16: Das machen die ja auch.

00:21:17: Ja, aber noch nicht so.

00:21:19: Also die AfD ist da sehr gut.

00:21:21: Sehr gut.

00:21:22: Und das hat ja auch, ich glaube, hat es nicht Söder jetzt auch schon angekündigt, dass er das noch verstärken will.

00:21:27: Also er selber macht es ja ohnehin sehr stark.

00:21:28: Aber ich glaube schon, dass das für die demokratischen Parteien noch Potenzial ist, auch um... gerade auf dem Jüngeren vielleicht zu daheim und auch um mehr zu erklären.

00:21:37: Aber gibt es da nicht eine natürliche Grenze?

00:21:38: Weil wenn ich komplexe Botschaften habe, dann ist natürlich Social Media eine schwierige Plattform.

00:21:42: Ja, aber vielleicht muss man auch versuchen, komplexe Botschaften einfacher zu übersetzen.

00:21:47: Man kann ja nicht einfach sagen, es ist kompliziert, dann bemühte ich jetzt bitte.

00:21:50: Das ist ja nicht die Lösung.

00:21:51: Also ich sehe das Dilemma natürlich genauso und ich sehe aber die Antwort auch genauso, die müssen sich mehr bemühen.

00:21:56: Ich glaube aber, was noch dazukommen müsste, das ist so ein bisschen meine Sorge bei dieser ganzen Geschichte.

00:22:00: Wir sind davon natürlich sowieso sehr, sehr schwer.

00:22:02: Also das ist einfach mal, das ist ja nicht so einfach, machen wir ein bisschen mehr, ein paar mehr Tweets am Tag und dann läuft alles wieder.

00:22:08: Aber ich glaube, der Punkt ist, dass wenn wir anfangen, die Komplexität von Politik wirklich in diese Sprache zu übersetzen, die die Menschen vor Ort dann auch wirklich verstehen.

00:22:16: dann brauchen wir eigentlich ein Konsens zwischen den Parteien, das auch nicht sofort jeder Satz komplett auf die Waage gelegen wird und zerlegt wird.

00:22:23: Und das würde natürlich genau passieren, weil sie dann plötzlich eine Sprache finden müssen, die eben nicht mehr differenziert ist.

00:22:28: Die eben vielleicht nicht mehr immer so ganz, also sobald ich da rangehen könnte ich sagen, oh, so ganz korrekt ist das aber vielleicht nicht mehr.

00:22:34: Also ich glaube, dass man dann anfangen müsste, im Grunde ein Konsens zu sein in der Politik zwischen den Parteien natürlich auch bei den Medien, in der Berichterstattung, dass man sagt, okay, Hier geht es gerade um was anderes.

00:22:44: Und da müssen wir vielleicht nicht so ganz genau hinschauen.

00:22:46: Ist natürlich auch ein ganz schwieriges Feld, auch ein Dilemma.

00:22:49: Aber ich glaube, solange wir den Konsens nicht haben, würde jeder Satz ausgeschlachtet werden von der Gegend.

00:22:53: Ja, und ich sehe auch nicht, dass sich das ändert.

00:22:55: Also Stichwort Heizungsgesetze.

00:22:56: Also das war ja gefundenes Fressen für, also selbst innerhalb der Regierungskoalitionskoalitionskoalitionskoalitionskoalitionskoalitionskoalitionskoalitionskoalitionskoalitionskoalitionskoalitionskoalitionskoalitionskoalitionskoalitionskoalitionskoalitionskoalitionskoalitionskoalitionskoalitionskoalitionskoalitionskoalitionskoalitionskoalitionskoalitionskoalitionskoalitionskoalitionskoalitionskoalitionskoalitionskoalitionskoalitionskoalitionskoalitionskoalitionsko.

00:23:11: Also, wenn das nicht irgendein Lösungsansatz sein kann, dass man sagt, okay, wir machen es jetzt irgendwie alle gemeinsam, Deutschland packt.

00:23:20: Wo kann denn zum Beispiel jetzt sagen, wir einfach nur Regierungskoalition?

00:23:24: Und jetzt werden wir nicht mehr ärger als die mit Regierung und Opposition.

00:23:28: Wo könnte zum Beispiel die Regierung ansetzen und sagen, okay, vielleicht innerhalb machen wir einen Burgfrieden?

00:23:36: Ist das eine mögliche Garnat?

00:23:39: Ich weiß nicht, ob Burgfrieden, also ich mein zur Politik gehört auch Streit und Auseinandersetzung dazu, was wir zurzeit immer wieder in der Bundesregierung natürlich sehen, ist natürlich fatal.

00:23:45: Also wenn man im Grunde genommen das Gefühl hat, dass es da überhaupt keine Sachpolitik mehr gibt, sondern nur noch Streit.

00:23:50: Also das Gefühl muss man, ich glaube, dass im besten Fall gibt es Auseinandersetzungen, aber A vielleicht nicht in dieser Schärfe, vielleicht auch nicht in dieser Regelmäßigkeit und B natürlich gehören viele Probleme einfach auch intern gelöst.

00:24:01: Also muss nicht alles immer extern und in der Öffentlichkeit diskutieren.

00:24:05: Also wir wissen, dass Jetzt ja nicht nur, was die Regierungen angeht, auch früher, was weiß ich, wenn es da immer CSU-legendäre Geschlossenheit, die haben sich da aber hinter den Kulissen, haben die sich zum Teil halb zehn Kopf eingeschlagen, und dann sind sie alle nachher zehn Minuten später vor der Presse geschlagen, und wir sind alle einig.

00:24:19: Also, da kann man jetzt auch kritisieren.

00:24:22: Und es

00:24:22: hat lange funktioniert.

00:24:23: Genau, es hat auch funktioniert, aber damit kriegt man natürlich ein ganz anderes Bild nach außen, von Geschlossenheit, auch von Überzeugungskraft.

00:24:28: Wenn Sie selbst nicht von Ihrer Sache überzeugt sind, dann werden Sie auch niemand davon überzeugen.

00:24:31: jetzt mal blöd gesagt.

00:24:33: Und ich glaube, dass man da schon, aber ich würde jetzt nicht von Burgfrieden unbedingt sprechen.

00:24:35: Das klingt so, als wenn die sich nicht streiten oder nicht auseinandersetzen dürfen.

00:24:38: Also so sehe ich das nicht.

00:24:39: Aber man muss sich schon überlegen, wie man nach außen kommuniziert und auftritt.

00:24:42: Ja, und gleichzeitig wird ja immer Herbert Wiener, ach, und die Debatten früher.

00:24:47: Und früher war ja alles besser.

00:24:48: Und da waren die auseinandersetzungen so heftig, aber eben auch konstruktiv.

00:24:54: Ist das eine Mehr?

00:24:55: Ach, nie gestimmt hat.

00:24:56: Das

00:24:56: erklärt man doch immer im Blick, oder?

00:24:57: Also, ich möchte nicht mehr, die Reden von Zwanzigstaus möchte ich heute nicht mehr im Landtag.

00:25:02: Das mag in der Zeit passen gewesen sein.

00:25:03: Ich möchte das nicht mehr hören.

00:25:05: Deswegen glaube ich schon, dass da kommt natürlich ein bisschen Verklärung dazu.

00:25:09: Das ist aber, glaube ich, normal.

00:25:11: Ja, ja, das ist völlig normal.

00:25:12: Aber nochmal die Frage wäre Franz Josef Straussi heute im Landtag.

00:25:17: Was heute passiert?

00:25:18: Ich glaube nicht.

00:25:19: Wahrscheinlich wird er heute auch anders reden, schätze ich.

00:25:22: Weil nicht denn?

00:25:23: Ein bisschen weniger drastisch.

00:25:31: Mir fällt jetzt nicht das passende Wort an, aber manche Ausdrucksweisen würde man heute nicht mehr verwenden und ist auch gut so.

00:25:36: Aber gleichzeitig eben Hubert Einwanger, der eine deutliche Sprache spricht, fall der genau damit erfolge.

00:25:42: Ja,

00:25:42: aber

00:25:44: dafür muss man ihn ja nicht loben.

00:25:49: Er spricht die Leute sehr an mit dieser Art und Weise, aber ich finde das schon auch bedenklich, dass er auf diese Art und Weise natürlich Er vereinfacht halt wieder zu sehr.

00:25:59: Genau, weil wir gerade eben über deutliche Botschaften, vereinfachte Botschaften geredet haben, wo ist die Grenze?

00:26:06: Wenn wir das wüssten, dann werden wir hoch bezahlte Politik

00:26:09: beraten.

00:26:12: Die ist schwer zu finden, auf jeden Fall.

00:26:13: Und ich finde momentan wieder, jetzt in diesem Wahlkampf, also jetzt habe ich schon einige erlebt und der war schon sehr, sehr, sehr polemisch und populistisch.

00:26:24: Also das war kein schöner Wahlkampf, finde ich.

00:26:26: Und der Trend ist nicht gut, dass die Ausdrucksweise wieder so halt wird.

00:26:31: Man wird ganz abgesehen davon, also wenn dann schon Steine fliegen auf die Gründenspitzen und dann ohnehin eine Grenze verstrücken, aber auch in der Ausdrucksweise.

00:26:42: Liegt dieser sehr drastische Wahlkampf auf vielen Seiten auch eben daran, dass Die Zeiten, die sie sind oder eben an diesen Regierungsentscheidungen, die in den eigenen Heizungskeller hineinragen, also woher kommt diese Emotionalisierung?

00:26:59: Das ist schon die Gemengenlage, also die Bundesregierung hat es tatsächlich, also die Ampelparteien in Bayern hatten überhaupt keine Chance, behauptet jetzt mal etwas zugespitzt, die hätten glaube ich thematisch machen können, was sie wollten, weil die Stimmung und die CSU und die Freien Welle haben das so geschürt, die Stimmung gegen die Bundesregierung, dass da wenig Platz geblieben ist für eine inhaltliche Auseinandersetzung mit bayerischen Themen.

00:27:21: Das hat zumindest dazu beigetragen und natürlich dann auch die Konkurrenz zwischen CSU und Freien Wählern.

00:27:26: Also das ist schon, die Gemengelange war diesmal schon ein sehr guter Nährboden für solche, für diese Art der Auseinandersetzung.

00:27:34: Sowohl die CSU als auch die Freien Wähler präsentieren sich ja jetzt als Bollwerk gegen rechts.

00:27:39: Was erwarten?

00:27:41: Sie, Herr Weigel, was wird da von deren Seite in den nächsten Monaten kommen?

00:27:49: Ja, gut.

00:27:49: Also, vollwertig recht haben Sie jetzt schon viele in den letzten Monaten sozusagen tituliert.

00:27:53: Da wäre ich mal ein bisschen vorsichtig.

00:27:55: Ganz grundsätzlich ist es natürlich so, und ich glaube, da werden wir auch keine Abstriche erst mal sehen.

00:28:01: Wir sind in Bayern auch in einer Situation, wo Sie nicht bedarf, die sozusagen kooperieren müssen.

00:28:05: Ganz einfach.

00:28:07: Auch wenn sie die stärkste Oppositionskraft ist, hat sie letztlich... Jetzt mal rein, formal am Schluss nichts zu sagen.

00:28:12: Das heißt, sie müssen mit denen natürlich umgehen.

00:28:15: Sie müssen sich überlegen, wie sie im Landtag mit denen umgehen.

00:28:16: Das ist auch eine Herausforderung gerade auch für die Grünen sicherlich.

00:28:19: Also wirklich als Oppositionskraft auch damit um.

00:28:22: Aber als Regierung müssen sie aktuell oder als CSU oder als Freie Wähler sind wir im Moment noch nicht so weit, dass wir mit denen kooperieren müssen.

00:28:29: Langfristig schaut das anders aus.

00:28:31: Auch kommunal schaut das irgendwann mal anders aus.

00:28:33: Gar keine Frage.

00:28:35: Also wir sehen es ja jetzt schon.

00:28:36: In Ostdeutschland muss zum Teil kooperiert werden.

00:28:38: Und zwar alle Parteien müssen kooperieren mit dem.

00:28:40: Das hat ja nichts mit dem Problem der Union.

00:28:41: Das ist auch ein Problem von der SPD und CO.

00:28:43: Wenn sie auf einer kommunalen Ebene Kraft haben.

00:28:44: mit dreißig Prozent, können sie die eigentlich nicht mehr ausblenden.

00:28:46: Da müssen sie mit der kooperieren.

00:28:48: Also langfristig könnte das passieren.

00:28:49: Und ich finde zum Beispiel sehr spannend, wenn sich die Ergebnisse angeschaut haben.

00:28:52: Nicht nur die zwei Stimmen, auch die ersten Stimmen sind hervorragend zum Teil.

00:28:55: Und das deutet schon darauf hin, dass die auch wahrscheinlich kommunale, also wir hatten sie ja auch schon im letzten Mal schon gesehen, aber da wird noch einiges, oder könnte einiges auf uns zukommen.

00:29:03: Das sind Spekulationen, wir reden jetzt von ein paar Jahren.

00:29:05: Und dann schaut die Situation anders aus.

00:29:06: Aber ich glaube tatsächlich, was heißt Bollwerk?

00:29:08: Man wird einfach dieses in Anführungszeichen Kooperationsverbot erstmal was mit der AfD aufbilden.

00:29:13: Das wird, das wird fortgesetzt.

00:29:14: Ich glaube, da wird auch nicht dran gerüttelt.

00:29:16: Im Gegenteil, die Wahl hat ja de facto, wenn ich mal langfristig denke, schwarz-grün gestärkt die Option für Bayern und nicht alles andere.

00:29:22: Also insofern, da wird er das Gegenteil kommen.

00:29:25: Interessanter wird er die Frage sein für mich tatsächlich, wie sich die freien Wähler weiterentwickeln, weil die natürlich, also ich stimme zu hundert Prozent so, die freien Wähler sind keine Rechtspartei oder rechtspopulistische Partei.

00:29:34: Und der Vorsitzende und seine Art Wahlkampf zu führen, rücken das in ein falsches Licht bis zum Gewissengrad.

00:29:39: Das ändert aber natürlich nichts daran, dass diese Partei massiv durch ihren Vorsitzenden dominiert wird und dass der Vorsitzende natürlich Lehren zieht und der sieht natürlich okay, je populistischer umso mehr Stimmen hole ich mir.

00:29:50: Also insofern finde ich interessant, wenn man abwarten wie es wird, aber ich könnte mir schon vorstellen und das Problem, was wir ja vorher skizziert haben, die CSU, die in die Mitte rückt, das wird sich eher verstärken.

00:29:59: Das heißt, dieser wertkonservative Bereich, das ist schon sehr, sehr verlockend, dass die freien Wähler tatsächlich sozusagen stärker in diese Richtung intendieren.

00:30:07: ob jetzt als Partei oder als Vorsitzender ja in diese Richtung reden werden.

00:30:10: Also das finde ich fast spannend, da noch in Zukunft zu sehen, ob Paul Wettling rechts weiß jetzt nicht, aber sozusagen, das finde ich eine spannende Entwicklung.

00:30:17: Schauen wir mal, was da wird.

00:30:18: Weiß ich jetzt nicht, aber ich glaube, es wird keine Kooperation mit AfD oder so was geben.

00:30:21: Aber bei der Positionierung von Hubert Aiwanger, die Sie erwarten, wird es ja spannend vor allem auch, weil ja Markus Söder betont, dass Bayern einen starken Ministerpräsidenten braucht.

00:30:34: Also erstmal muss man natürlich sagen, Eivanger ist ja niemand, der permanent populistisch in dieser Art auftritt.

00:30:38: Sondern der hat dann Monate, wo er in der Anfangszeichenlampe und in der Mitte ist.

00:30:42: Aber er weiß, und dafür hat er ein Gespür auch.

00:30:44: Der weiß, in welchem Moment er was setzen muss.

00:30:47: Und dann kommt das halt wieder.

00:30:48: Dann riegt sich wieder jeder auf und sagt, komm, bitte, legt euch doch nicht auf.

00:30:51: Und dann kommt wieder monatelang nichts.

00:30:53: Im Wahlkampf ist es eine andere Situation.

00:30:55: Aber es ist ja nicht so, dass wir jetzt erwarten können, dass so mehr oder weniger jede Woche irgendwie so ein Zeug kommt von Aiwanger.

00:31:00: Und insofern, also allein deswegen ist es natürlich schon mal eine andere Geschichte.

00:31:03: Das zweite wird natürlich interessant sein, wie wird das Verhältnis zwischen Ministerpräsident und sein Vizewerden.

00:31:07: Also ich meine, wir hatten das vorher schon gesprochen, das wird spannungsreicher

00:31:10: werden.

00:31:10: Falls es

00:31:11: noch mal Vizewirrt?

00:31:12: Ja, okay, falls es noch mal Vizewirrt, aber ansonsten ist das natürlich spannungsreicher, selbstverständlich.

00:31:16: Zumal ja der Wahlkampf weitergeht.

00:31:17: Jetzt kommt Europa, jetzt kommt die Europawahl, dann kommt die Bundestagswahl und Aiwanger will unbedingt in den Bundestag, also auch selber.

00:31:24: und Europa auch.

00:31:26: Und das wird schon, also er wird aus diesem Modus zu schnell, ich rass für ihn, glaube ich.

00:31:29: Das wird jetzt erst mal weitergehen.

00:31:32: Also zumindest Europa, weil wir alle Fälle.

00:31:34: Apropos, weil Sie es gesagt haben, Robert Einwanger und seinen Zeug, Sie haben für die Süddeutsche Zeitung zusammen mit Kollegen die Flugbladaffäre publik gemacht.

00:31:44: Da würde ich gerne nochmal drauf eingehen, weil ja... Bei der Wahl ist sehr viele Solidarisierungsstimmen offenkundig gab für Hubert Eiberger für die Freien Wähler.

00:31:54: Sehen Sie vor diesem Hintergrund Ihre Berichterstattung aus dem anderen Licht?

00:32:00: Sehr schöne Überleitung übrigens, Hubert Eiberger ist ein Zeug.

00:32:05: Also diesen Solidarisierungseffekt enthalte ich für relativ nachvollziehbar und den habe ich beinahe auch erwartet.

00:32:12: Ob er so, dass er so groß ausfällt vielleicht nicht, aber er hätte glaube ich ohnehin zugelegt bei der Wahl.

00:32:18: und vielleicht hat er jetzt noch zwei Prozentpunkte mehr zugelegt, das will ich nicht ausschließen.

00:32:21: Das hat aber keinen Einfluss darauf, wie ich diese Flugladerfälle beurteile, weil wir ja eben keine Kampagne gefahren haben, wie er es immer so gerne sagt, sondern die Recherche zu diesem Zeitpunkt fertig war nach drei, vier sehr intensiven Wochen und dann haben wir sie veröffentlicht, unabhängig vom Zeitpunkt.

00:32:40: Ich möchte mal die Stimmen hören, die gekommen werden, wenn wir sie nach der Wahl veröffentlicht hätten.

00:32:43: Ja, ja klar, aber war das bei Ihnen ein Thema, dieses okay wann veröffentlicht?

00:32:46: Nein, das darf kein Thema sein, weil wir eben nicht mit Absicht in irgendwas eingreifen.

00:32:52: Wir hatten am zweiten August von diesem Flugplatz im ersten Mal gehört und dann haben wir intensiv recherchiert und dann war es drei Wochen später ungefähr, waren wir der Meinung, es ist jetzt so weit und dann ist eben der Zeitpunkt.

00:33:05: Man darf sich dann nicht, ich hielt das für ein Fehler, wenn man sich davon von solchen Terminen beeinflussen ist.

00:33:12: Und Sie sagen, diesen Solidarisierungseffekt haben Sie fast erwartet.

00:33:16: Also, dass wirklich so viele Menschen in Bayern sagen, ach komm, vor über dreißig Jahren frag mal mich, was ich da gemacht habe.

00:33:23: Also, zumindest in... Es ist sehr unterschiedlich, wenn man mit Niederbayern spricht und wenn man zum Beispiel mit Oberfranken spricht.

00:33:29: Es ist tatsächlich ein regionales Jahr unter sich.

00:33:32: Also, die Niederbayern haben sich offenbar alle solidarisiert.

00:33:34: Also, die Ergebnisse sind ja... unglaublich und auch das Gesamtstimmenergebnis von Hubert Eibanger ist grandios.

00:33:40: Also er hat nach Ilze eigene die meisten Stimmen und sie hat viel mehr Leute da, also das ist schon bemerkenswert.

00:33:50: Ja, es ist offenbar ganz vielen Leuten egal, weil Hubert Eibanger der ist jetzt zurzeit am besten den den Geist und die Sorgen der Menschen in der Gegend offenbar benennt.

00:34:02: Und dann ist es offenbar so, dass man sagt, ach komm, das ist schon so lange her.

00:34:07: Und stimmt's überhaupt?

00:34:07: Und was weiß ich?

00:34:08: Also das nehmen die Leute offenbar hin.

00:34:13: Hubert Alwanger sagt ja auch immer wieder, dass er vermutet, dass das eine lange Kampagne war, um ihn abzuschießen und so weiter.

00:34:22: Sie haben sich da ja als Medium immer dagegen gewährt.

00:34:25: Würden Sie jetzt quasi im Nachhinein beurteilt nach der Wahl, würden Sie jetzt was anderes machen?

00:34:32: Ach, man kann immer manose Kritik machen, das machen wir natürlich auch.

00:34:34: Man kann immer überlegen, ob der ein oder andere ob der Tonfall in manchem Stück hätte vielleicht nüchterner sein müssen, ob man irgendein Kommentar einen anderen Mal schreibt, also über journalistische Dinge.

00:34:47: Ja, da kann man drüber sprechen.

00:34:49: Die Geschichte an sich, nein.

00:34:53: Jetzt gar nicht, ob man es publik macht oder nicht, aber es ist ja schon, also diese Geschichte hatte ja offenbar einen Effekt bei der Wahl.

00:35:04: Man macht was publik, bekommt damit einen... Effekt und auch dieses, die da unten, die da oben, wir da unten.

00:35:12: Das ist ja auch was, was bei dieser Geschichte so ein bisschen mitschwingt.

00:35:16: Ja, also das ist, das ist besonders lustig, weil unsere Bayern-Redaktion überwiegend aus Leuten besteht, die vom Land kommen.

00:35:22: Ich komme zum Beispiel aus dem Dorf in der Oberpfalz und es ist ja immer die Erzählung, die bei der süddeutschen Tier aus der Staat, die ziehen jetzt wieder zu Felde gegen die auf dem Land, das ist Quatsch.

00:35:30: Ich glaube, dass wir als Redaktion sehr gut das Land erkennen und auch sehr gut verstehen, deswegen... Klappt die Erzählung nicht, aber die gibt es natürlich.

00:35:38: Was eine Lehre daran ist und aus vielen anderen Berichterstattungen, dass wir viel mehr erklären müssen, was wir tun, das stelle ich fest immer wieder.

00:35:45: Dass es nicht mehr so normal ist, dass das Journalismus ist nicht mehr so allgegenwärtig.

00:35:53: Seit der Lügenpresse Begriff Gefallen ist, wird der sehr oft verwendet.

00:35:57: Und ich glaube, unser Auftrag muss sein, dass wir viel öfter erklären, was wir eigentlich tun und warum wir das tun und wie wir es tun.

00:36:04: Also das hat man auch gemerkt.

00:36:05: Wir haben zum Beispiel auch in der Sache dann so ein FAQ veröffentlicht und Dinge erklärt.

00:36:09: Da gab es sehr, sehr positive Resonanz, weil die Leute gegangen sind, ach so, ja dann.

00:36:14: Also das haben wir auf dem Unterschätzen.

00:36:16: Also unterschätzen wir, glaube ich, oft.

00:36:17: Wir setzen viel zu sehr noch voraus, dass eine Tagesfaltung zum Beispiel bei den Leuten am Frühstück zu schlägt.

00:36:23: Das tut sie aber nicht.

00:36:26: Wie haben Sie das extern

00:36:28: beobachtet,

00:36:29: das Ganze?

00:36:34: Ich fand, es war relativ klar sehr frühzeitig, dass es Solidarisierungseffekte geben würde, und zwar massive.

00:36:38: Dass sie so stark sind, hätte ich jetzt auch nicht erwartet, aber es ist welche geben wird.

00:36:43: Ich würde die Berichterstatt ein bisschen kritischer sehen, aber grundsätzlich, um was es geht, ist, wenn ich so etwas im Wahlkampf bringe, dann muss ich erklären können, was es für eine Relevanz für heute hat.

00:36:52: Und das wurde bis zum Schluss unklar, für die viele, viele Menschen unklar, was ist die Relevanz dieser Berichterstattung?

00:37:00: Also anders ausgedrückt.

00:37:01: Die Medien haben den Auftrag, natürlich, das ist ein ganz, ganz wichtiger Auftrag, nicht nur kritisch zu begleiten, sondern eben auch die Bürgerinnen und Bürger bestmöglich zu informieren, damit sie wirklich in voller Souveränität dann auch ihre Entscheidung am Wahltag treffen können.

00:37:15: So, wenn ich der Meinung bin, diese Geschehnisse von vor dreißig Jahren, oder was das war, thirty-fünf Jahre, haben eine Relevanz für die Bewertung der heutigen Person Aiwanger.

00:37:26: Dann ist, finde ich, völlig legitim.

00:37:27: Ich finde diese Debatte um dieses Kampagnending so ein bisschen, das ist jetzt völlig wurscht.

00:37:30: dann ist es völlig legitim, dass das gebracht wird.

00:37:35: Wenn das nicht klar ist, dann ist man natürlich auch ganz schnell im Vorwurf der Kampagne etc.

00:37:39: drin.

00:37:39: Jetzt völlig wurscht, ob man schon acht Monate kennt oder so etwas, sondern dann heißt einfach, warum bringt ihr etwas, was eine Person natürlich auch in ein schlechtes Licht rückt, zu einem Zeitpunkt, vier Wochen vor der Wahl, obwohl es keine Relevanz hat, dann ist man natürlich ganz schnell in diesem Kampagne im Vorwurf drin.

00:37:54: Und mein Problem mit der ganzen Geschichte war, dass beziehungsweise die Süddeutsche hat da vieles gemacht, auch da kam ja dann auch nochmal nach eigener Sache und und und was da alles kam.

00:38:03: Aber nichtsdestotrotz bis zum Schluss hat man es zumindest nicht geschafft, viele Menschen in der Bevölkerung zu erklären, was ist eigentlich die Relevanz von diesem Ding für heute.

00:38:12: Und auch die Obesitonsparteien haben es nicht geschafft.

00:38:14: Ich muss mal auch sagen, die haben es ja auch bemüht, aber auch die haben es nicht ganz geschafft.

00:38:18: Und dann kriegt man, darf man sich natürlich nicht wundern, wenn man auch kritisch angegangen wird.

00:38:21: Ich glaube, da darf man sich auch als Süddeutsche Zeitung nicht kritisch wundern.

00:38:25: Also da war so Schwierigkeiten drin.

00:38:27: Herr Deininger, den ich sehr schätze, hat dann auch mal so, es wird kein direkter Weg vom Flugblatt zu, Erdingen und so weiter, aber das hat schon alles so ein bisschen konstruiert gewirkt.

00:38:39: Noch einmal, ich halte diese Berichterstattung für völlig legitim, wenn man diesen Nutzen sieht, und das für die Leute, es gab ja auch Leute, die das gesehen haben, das war völlig in Ordnung, aber ich glaube, das hätte viel besser kommuniziert werden.

00:38:48: Man hätte von Anfang an viel besser kommunizieren müssen.

00:38:50: Was ist denn die Relevanz dieser Geschichte?

00:38:52: Und deswegen bin ich da auch so ein bisschen kritischer, was diese Berichterstattung angeht, weil sie natürlich einfach... Also ich hege überhaupt keine Zweifel an, dass ihr hervorragend recherchiert ist, etc.

00:39:02: Da wollen wir gar nicht darüber reden.

00:39:05: Aber am Schluss steht halt dann plötzlich ein Bruder, der sagt und so weiter.

00:39:08: Ja, am Eiter steht halt dann Aussage gegen Aussage und so was, was solls.

00:39:11: Aber ich glaube, man hätte von Anfang an klarmachen müssen, wenn ich so eine Geschichte im Wahlkampf bringe, muss ich klarmachen, was die Relevanz ist.

00:39:19: Ich glaube, da ist für mich der eigentliche, also nicht nur dieses Erklären, sondern auch diese Relevanzbegründung dieser Geschichte, weil wenn ich das nicht begründen kann, dann ist es halt eine Kampagne in Anführungszeichen.

00:39:28: Ich glaube, da ist da ein Defizite da.

00:39:31: Also ich sehe die Relevanz schon ganz eindeutig darin, dass einfach der stellvertretende Ministerpräsident Bayerns, also ein Mann mit einem sehr hohen Staatsamt, wenn der in seiner Jugend Zitat Mitschüler ein Nazi durch und durch war, halte ich das schon für relevant.

00:39:47: dass jemand, der dann auch eben in Erdings sich wieder hinstellt und diese Demokratie zumindest infrage stellt.

00:39:56: Also ich sage ja nicht gar nicht, dass ich es nicht relevant bin.

00:39:58: Ich sage nur, das hätte man erklären müssen.

00:39:59: Das ist glaube ich mein Punkt.

00:40:00: Weil damit hat man Tür und Tor geöffnet.

00:40:03: dass einmal eine ganze Zeit sagen könnte, was soll das, was soll das, das ist nur eine Schmutzkampagne gegen mich.

00:40:06: Die wollen mich nur fertig machen, hat ja überhaupt keine Relevanz.

00:40:08: Und wenn man die Leute vor Ort fragt, sagen ihnen ganz viele, ja, ich verstehe bis heute nicht, was die Relevanz ist.

00:40:12: Das Interessante ist es auch, glaube ich, ganz viele nicht gelesen.

00:40:15: Die Debatte auch im Netz, die ging ja schon los nach der ersten, nach der ersten Titelzeile und da konnte es noch gar keiner gelesen haben.

00:40:21: und das, also das merke ich immer wieder, dass natürlich, es wurde, war natürlich auch viel und dass einfach Leute da nur noch irgendwelche Zeilen gelesen haben und da wurde sehr viel debattiert ohne... ohne Kenntnis.

00:40:34: Aber klar, man muss natürlich versuchen, das Ding zu den Menschen zu bringen und das ist, das sind wir wieder beim Erklären, was wir eigentlich tun.

00:40:40: Also das ist, es wird immer wichtiger in allen, also in allen Dingen.

00:40:45: Aber eben, Stichwort erklären und sagen, so ein bisschen seine Schlüsse ziehen, weil jetzt auch immer gesagt wird, diese Wahl war eine Wahl gegen die Regierungskoalition in Berlin.

00:40:58: Und dort geben Sie sicher mehr oder weniger einsichtig.

00:41:03: Jetzt gab es diese Erklärung, wie viel schon umgesetzt wurde aus dem Koalitionsvertrag und so.

00:41:09: Wenn ich jetzt vielleicht Sie interpretieren darf, würden Sie sagen, naja, das bringt uns jetzt auch nicht weiter oder die nicht weiter, wenn Sie jetzt irgendwie aufziehen, wie viele Prozentpunkte und so.

00:41:17: Was würden denn Sie tun, wenn Sie die SPD wären in Bayern?

00:41:23: Also, ich glaube, es gibt im Moment kaum einen undankbaren Job und einen Job, der am schwierigsten waschig zu besetzen ist als Parater der SPD.

00:41:29: Die SPD hat im Grunde genommen, glaube ich, jetzt in Anführungszeichen noch eine allerletzte Chance bekommen.

00:41:36: Diese Partei steht tatsächlich in Bayern kurz vor der fünf Prozenthürde.

00:41:38: Das muss man einfach so sehen.

00:41:41: Sie haben es ja auch alleine im Wahlkampf erlebt.

00:41:43: Ich habe in irgendeiner Diskussionsveranstaltung, in irgendeinem Interview einmal die SPD erwähnt, nein, weil sie völlig irrelevant war.

00:41:49: So, das ist der Punkt.

00:41:50: Ich sage nicht, dass sie keine relevanten Themen hat.

00:41:53: Es ist ein durchaus ein spannendes Wahlprogramm auch, ein interessantes Wahlprogramm, weil eigentlich in jedem zweiten Satz Gewerkschaft drin steht.

00:41:58: Da sieht man, wie man versucht, sozusagen auf die alte Klinik, wieder zu mobilisieren.

00:42:01: Aber nichtsdestotrotz, das sind ja relevante Themen, Wohnungsmarkt, etc.

00:42:05: Das sind ja auch gerade die nächste.

00:42:05: Ja, im Wohnungsmarkt und in Zukunftsängste.

00:42:08: Man

00:42:09: wird als überhaupt nicht mehr relevant eingestuft.

00:42:11: Und diese Partei muss sich, glaube ich, und das ist wirklich die letzte Chance fast schon erfasst, so.

00:42:16: Das sieht dann übrigens auch bei der CSU, bei der SPD auch intern.

00:42:18: Die wissen auch ganz genau, dass das wirklich extrem existenziell bedrohene Situation ist, in der sie sind.

00:42:25: Die müssen im Grunde um wirklich sich überlegen, wie sie zum Beispiel in Anführungszeichen Reste der alten Volkspartei ablegen und anfangen als Kleinstparteikampagnen zu fahren.

00:42:34: Also ich kann, es macht keinen Sinn darüber zu jammern, dass ich nicht mehr in die Fläche gehe.

00:42:38: Ja natürlich kann ich das nicht mehr, wenn ich so wenige Mitglieder noch habe und auch noch aktive Mitglieder habe.

00:42:42: Die allermeisten, übrigens das Problem haben sie bei der CSU, bis zum Gissengrad natürlich auch, das muss deutlich zu sagen, aber die viele der Ortsverbände der SPD existieren eigentlich nur noch auf dem Papier.

00:42:50: Die gibt es nicht mehr vor Ort.

00:42:51: Ja, dann macht es aber keinen Sinn zu sagen, oh, wie schade, wir erreichen die Leute nicht mehr, sondern muss sie mit einer anderen Kampagne überlegen.

00:42:56: Wenn sich anscheinend früher die Grünen in ihrer Anfangszeit, oder ich heiße das Anfangszeit, denke ich jetzt sozusagen schon zwanzig Jahre nach ihren Gründungen, aber jetzt nicht in den letzten fünf Jahren.

00:43:04: Die hatten wenig Mitglieder, die hatten relativ wenig Fläche sozusagen, aber haben trotzdem dann eben ihre eigenen Strategien entwickelt, wie sie auch als Kleinpartei dann mobilisieren können.

00:43:12: Grünen sind dann definitiv in einer viel besseren Position gewesen.

00:43:15: Das ändert aber nichts daran, dass die Partei sich überlegen muss, wie sie rauskommen, weil nach jeder Wahl hören wir das Gleiche.

00:43:19: Wir müssen es besser kommunizieren, wir müssen wieder die Leute erreichen, wir müssen wieder und es passiert überhaupt nichts.

00:43:24: Sie bräuchten auch dringend einen Personal mit einer anderen Ausstrahlungskraft.

00:43:28: Auch das muss man sagen, woher die nehmen.

00:43:32: Sie kriegen sie nicht so einfach.

00:43:34: Aber ja, von Brun ist natürlich sicherlich jetzt nicht der ganz große, in Anführungszeichen, Burner gewesen, muss man auch sagen.

00:43:41: Das ist niemand, der massiv zieht, auch viel zu unbekannt.

00:43:44: Aber das sind alles Probleme, wo man wirklich sagt, ja, das kennen wir, das weiß wahrscheinlich die Partei auch.

00:43:49: Ich habe mal mit der SPD eine Diskussionsveranstaltung gehabt, ach so war es zehn Jahre oder sowas her, da haben wir gemohnt um genau diese Themen gesprochen.

00:43:55: Also genau die, die wir jetzt auch wieder reden.

00:43:58: Und danach kam dann, okay, jetzt gehen wir zur Tagesordnung über.

00:44:00: Verstehe ich auch, weil keiner weiß auch in der Partei nicht, wie man es lösen soll.

00:44:04: Aber insofern, also ich möchte nicht betrater der SPD sein.

00:44:07: Aber es ist doch schon ein Phänomen in einer Zeit, wo die Leute Angst haben um das Geld, was sie am Ende des Monats noch haben und so weiter und so fort.

00:44:14: Eine Partei, deren Kampagne darauf basiert, wie wir das Wohnen bezahlen, die für den Mindestlohn steht und so weiter und so weiter.

00:44:21: Dass das

00:44:21: nicht punktet.

00:44:23: Die Menschen in Bayern weißen, da SPD keine Kompetenzen mehr

00:44:26: zu.

00:44:26: Man sieht es ja auch, man sieht es im Bayern-Trend vom BR, was wieder so ist.

00:44:30: Es ist ja verheerend, was die noch zugeschrieben bekommen, dass man ihnen ein Zutra-Probleme zu lösen.

00:44:37: Und dann gehen als solche Menschen zum Teil zur AfD, sind ja erhebliche SPD-Wähler zur AfD gewechselt.

00:44:46: Ich möchte auch nicht berater sein, weil wie man das wieder umkennen soll, das wird ganz schwierig.

00:44:50: Aber man traut ihnen einfach zu wenig zu.

00:44:54: Keine Kompetenz und keine Glaubwürdigkeit.

00:44:56: Das kommt auch dazu.

00:44:57: Und selbst das Spitzenpersonal, auch mit Christian Ude hat es ja auch nicht geklappt.

00:45:01: Der war nur der prominenteste zu der Zeit, den sie hatten, glaube ich, hat nicht funktioniert.

00:45:07: Ja, wobei man natürlich mehr München gar nicht machen konnte, das muss man mal aussagen.

00:45:10: Also Ude ist außerhalb von München einfach überhaupt nicht angekommen.

00:45:12: Aber es ändert ja auch nichts daran.

00:45:14: Aber es ist völlig richtig.

00:45:14: Da hatte man mal eine Persönlichkeit, die wirklich auch die allermeisten kannten.

00:45:18: Die Persönlichkeit von Formaten, es hat trotzdem nicht funktioniert.

00:45:19: Also wo soll ich jetzt noch eine Persönlichkeit herkriegen?

00:45:22: Die Stadt und Land und so weiter, alles noch vereint.

00:45:25: Keine Ahnung.

00:45:27: Aber es ist eine dramatische Situation bei der SBB.

00:45:29: Keine Frage.

00:45:30: Wie sehen Sie die FDP?

00:45:32: Ach, die FDP ganz ehrlich.

00:45:33: Wir haben uns gefragt, wir würden in den letzten Jahrzehnten, dass sie eigentlich leere Ausleihen vom Landtag war als im Landtag.

00:45:39: Das meine ich jetzt gar nicht gehässig.

00:45:41: Also auch bei der FDP kann man ja durchaus natürlich sachliche Argumente finden und sagen, es wäre gut, wenn sie drin ist, wenn sie entsprechend auch als liberales Korrektiv im Landtag drin ist und so war da gar keine Frage.

00:45:50: Aber die FDP hat früher mal in den fünftiger, sechster Jahr, auch gerade noch so Anfang der sechster Jahre Hochburgen gehabt und seitdem die weg sind, ist die komplett zurückgeworfen auf eine extrem kleine Stammwählerschaft in Bayern.

00:46:01: Das heißt, sie müssen immer dazumobilisieren und dieses muss dazumobilisieren, hängt komplett vom Bund ab.

00:46:07: Wenn es da hoch geht, hätten jetzt im Bund gerade eine gute Phase mit zehn Prozent, wären die hundertprozentig im Landtag jetzt drin.

00:46:12: Wenn es halt im Bund gerade schlecht läuft, sind es hundertprozentig auch draußen.

00:46:16: Und das ist natürlich ein Riesenproblem.

00:46:18: Und insofern, ja, wie gesagt, man kann es natürlich bedauern, dass sie nicht drin sind, dass man sagt, es fehlt nochmal so eine liberale, bürgerliche Kraft auch im Parlament als Opposition, weil die fehlt natürlich tatsächlich.

00:46:29: Gar keine Frage.

00:46:32: Aber... Ich glaube, es wird den meisten gar nicht auffallen, dass es die nicht mehr drin sind.

00:46:38: Da wird gerade

00:46:39: die FDP nicht viel falsch gemacht, also die bayerische FDP an Strategie und so weiter, die haben auch einen guten Spitzenkandidaten gehabt, Martin Hagener war auch ein guter Landtagsredner, also die können das nicht aus eigener Kraft, das ist völlig abhängig vom Bund.

00:46:55: Und vielleicht sind es in fünf Jahren wieder drin, letztes Mal waren sie auch eine per Runde drin, dann waren sie wieder raus, dann kamen sie wieder rein.

00:47:06: Sie haben nicht viel falsch gemacht.

00:47:11: Vorher schon an diesem Punkt, dass die tatsächliche Arbeit im Landtag nicht so entscheidend ist für die Wahlergebnisse, die dann tatsächlich rauskommen.

00:47:21: Um bei den Leuten tatsächlich anzukommen, geht es da?

00:47:24: Wir haben schon gesagt, um eine andere Kommunikation.

00:47:28: Ich würde fast noch weitergehen wollen.

00:47:29: Geht es um eine andere Grundhaltung, die die Parteien vielleicht ausbilden sollten?

00:47:34: Was jetzt besonders deutlich wird in der Regierungskoalition in Berlin, der wird ja immer vorgeworfen, sie würde den Menschen was überstülken wollen.

00:47:42: Diese Grundhaltung, die Grundansprache wäre falsch.

00:47:46: Sehen Sie das ähnlich?

00:47:48: Ich glaube, das ist eine sehr schwierige Frage.

00:47:49: Aber ich weiß in Grundhaltung, ich würde jetzt vielleicht im Begriff Image sagen, das ist unfassbar wichtig geworden, das Image einer Partei.

00:48:00: Also so nach dem Motto, wir sind in einer Zeit, darüber können wir wahrscheinlich auch lange diskutieren, vielleicht auch ein bisschen streiken, wir sind schon in einer Zeit, die deutlich moralisierender ist als in vielen Jahren.

00:48:12: Also wir sind auch so in einer Statementgesellschaft.

00:48:15: Gut, schlecht, etc.

00:48:16: Es wird ganz schnell in diese Sachen eingeteilt.

00:48:18: Und das Image ist enorm wichtig geworden für die Parteien.

00:48:21: Wir leben auch in so einer Stimmungsdemokratie.

00:48:24: Also das Schönste war ja, wenn ich vor der Bundestagswahl, hätten sie im März gewählt, hätten wir CDU-Kandidat gehabt und so.

00:48:29: Danach hätten sie den Grünen gehabt und am Schluss hatten wir SPD.

00:48:31: Das war purer Zufall, wann der Wahlort stattfindet.

00:48:33: So, das ist so eine Stimmungsdemokratie und wo eben die Image entscheidend ist.

00:48:37: und ein Image, das auch... Ja, das klingt so blöd, aber so ein bisschen Shitstormresilient ist.

00:48:43: sozusagen, weil sie heute, weil immer irgendeine Kleinigkeit kommen kann, die irgendwie hoch gespielt wird und die plötzlich so eine Stimmungswelle gegen sie erzeugen kann.

00:48:49: Da können sie machen, was sie wollen, so was drin sind.

00:48:51: Da können sie den besten Wahlkampf machen, sie kommen nicht raus, wenn so eine Stimmungswelle gegen sie ist.

00:48:56: Insofern, sie brauchen ein Image.

00:48:58: Und das ist natürlich unglaublich schwierig, weil ein Image aufzubauen bzw.

00:49:03: zu verändern ist dramatisch schwierig.

00:49:07: da können sie sich noch so sehr bemühen.

00:49:09: Es ist dramatisch schwierig jetzt nicht nur von der Kommunikation her, weil natürlich auch die alten Bilder im Kopf hat, sondern es ist natürlich auch die Fakto.

00:49:14: Schwierig schauen sich die CSU an, modisieren der CSU das Image.

00:49:17: Ja, es ist ein Tick besser als vielleicht zehn Jahren, aber auch nur ein Tick.

00:49:23: Das ist halt wahnsinnig schwierig.

00:49:24: Aber wenn Sie das richtige Image haben, sind Sie viel krisenfester.

00:49:29: Da können Sie mehr aushalten.

00:49:31: Wenn Sie das falsche Image haben, dann sind Sie viel anfälliger für solche Stimmungsmelden.

00:49:37: Aber das ist jetzt sehr schwammig, das ist mir auch

00:49:39: klar.

00:49:39: Was hat sich denn konkret geändert im Vergleich zu früher?

00:49:42: Also weil die Krisen quasi oder diese Stimmungsgeschichten schneller geworden sind, schneller

00:49:49: Fahrtaufnehmen?

00:49:49: Schneller, unberechenbarer.

00:49:51: Also früher hatten sie ja, also ich glaube da sind wir zum Teil schon mal wieder bei Journalismus oder so etwas, früher hatten sie einfach die Leitmedien, die Qualitätmedien.

00:49:59: Da war auch geprüft und da ging auch nicht alles von heute auf morgen, von einer Sekunde auf die nächste.

00:50:04: Heute haben sie Social Media.

00:50:06: und was sie jetzt gerade erzählt haben, der Bericht ist noch gar nicht richtig draußen, da wird da auch schon diskutiert und das Gleiche gilt ja für die Politik auch.

00:50:12: Also die Politik ist eigentlich noch gar nicht passiert, da ist schon das Mikrofon da und sie sollen bitte was sagen.

00:50:16: Wir machen Live-Ticker zu den absurdesten Dingen inzwischen.

00:50:18: Das ist unfassbar, was alles für Live-Ticker gibt.

00:50:21: Also das ist unkontrollierbarer.

00:50:24: Also früher hatten sie eine gewisse Erwartungssicherheit.

00:50:26: Sie wussten, wie die Medien ticken.

00:50:28: Sie wissen, wie die Leitmedien recherchieren und so weiter und dann können sie auch entsprechend sich darauf einstellen.

00:50:31: Heute passiert irgendwo irgendwas.

00:50:34: Und wenn man sieht, wie das Netz zum Teil reagiert, das Netz kann jetzt sicherlich noch nicht gewahlen, exakt gewinnen oder so.

00:50:41: Das wollen wir jetzt immer noch nicht haben, Sie können natürlich schon Stimmungswälder zeigen.

00:50:45: Das ist, weshalb auch immer, plötzlich taucht da irgendwas auf und plötzlich geht das viral.

00:50:50: Also das beste Beispiel, obwohl es jetzt schon ziemlich alt ist, ist ja immer noch die Hauptbahn auf Rede.

00:50:53: Die Hauptbahn auf Rede ist fünf Jahre nachdem sie gehalten wurde, viral gegangen.

00:50:59: Plötzlich kommt da irgendwas, mit dem kein Mensch rechnet.

00:51:01: Übrigens davor, ich hab die Ausschnitte noch zu Hause, hat die Süddeutsche geschrieben, was für ein toller Redner Herr Stoiber ist, weil er im Bierzelt funktioniert.

00:51:09: So kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen.

00:51:11: So ist tatsächlich so.

00:51:13: Also das meine ich damit, das ist unkontrollierbar.

00:51:15: Da passiert plötzlich irgendwas, da geht plötzlich was viral und so weiter.

00:51:18: und früher haben sie sich viel stärker, da waren viel ein ganz anderes Verhältnis zwischen diesen Qualitätsmedien und der Presse und also in der Politik, man konnte sich ganz anders auf diese auf diese Art einstellen.

00:51:27: Ich glaube, das ist schon einfach der extrem beschleunigte Zeit, extrem fragmentierte Interessen und, und, und, und.

00:51:34: Treiben wir als Medien zu viele Säure durchs Dorf?

00:51:36: Ganz bestimmt.

00:51:38: Also das will ich überhaupt nicht abstellen.

00:51:40: durch diese, das sind wir wieder bei Social Media Hauptsäge oder bei diesem Internet.

00:51:45: Seitdem alles schneller gehen muss, also wir versuchen schon immer noch, unser Grundsatz ist immer Gründlichkeit vor Schnelligkeit, aber natürlich ist man ganz anders unter ganz anderem Druck und Egal, wo auf der Welt was passiert, wir können es irgendwie mitkriegen.

00:51:59: Man fordert ja auch viel von seinen Lesern und Hörern.

00:52:04: Ich glaube, es gibt ja so eine Entwicklung, dass die Leute keine Nachrichten mehr gucken wollen, weil sie es nicht mehr aushalten, weil zu viele schlechte Nachrichten usw.

00:52:14: Es ist schon sehr viel gebotenmedial.

00:52:17: Aber man kommt natürlich nicht mehr dahinter zurück.

00:52:19: Wir müssen uns alle auf den Grundsinn verständigen.

00:52:23: weniger.

00:52:23: Das wäre vielleicht ganz gut, aber es ist unrealistisch.

00:52:26: Ich glaube auch, dass man jetzt wirklich überhaupt nicht kritisch, sondern es ist, wie Sie sagen, man muss es ja machen.

00:52:29: Schauen Sie sich mal, die auch von zum Beispiel der Süddeutschen natürlich einfach mal die Startzeit an.

00:52:35: Wie viel unglaublicher Mist da drauf ist, weil man natürlich einfach diese Seite füllen muss und auch permanent natürlich ständig auch was Neues rein tun muss, muss ja auch unter diesem Zwang.

00:52:43: Ich glaube, das kennen wir selber auch.

00:52:45: Es passiert etwas.

00:52:46: Ich schaue etwa zwei Minuten später nach.

00:52:47: Was schreibt denn die Presse dazu?

00:52:48: Also man erwartet ja auch diese Schnelligkeit.

00:52:50: Das ist, da kommt man nicht zurück.

00:52:52: Den ist, weiß ich, weit vollum.

00:52:54: Ja, das

00:52:54: ist klar.

00:52:56: Wir sind gespannt.

00:52:57: Ab morgen beginnen die Koalitionsverhandlungen.

00:53:00: Da werden wir sehen, ob der relativ harte Ton, der seit den Wahlen angeschlagen wurde, ob der so weitergeht.

00:53:07: Ich bedanke mich ganz herzlich bei Ihnen für Ihr engagiertes Mitdiskutieren.

00:53:11: Ich bedanke mich ganz herzlich bei Katja Auer und bei Michael Weigel.

00:53:16: Und wünsche Ihnen einen schönen Abend.

00:53:22: Und das war es mit den Rückblick von unserer Veranstaltung vom elften Oktober.

00:53:26: Alle Nachbetrachtungen der Bayerischen Landtagswahl.

00:53:28: Wir bedanken uns bei alle Referentinnen auf dem Podium und bei allen Personen, die dann zur Veranstaltung gekommen sind und geregt mit diskutiert haben.

00:53:37: Falls ihr noch Interesse auf weitere Wahlen habt, wir gestalten am kommenden Mittwoch, der achtzehnte Oktober, eine Online-Diskussion über die Wahlergebnisse in Polen.

00:53:47: Weitere Informationen über unsere politische Bildungsarbeiter erfahrt ihr auf Instagram, Facebook und LinkedIn oder auf unserer Webseite www.petrakellisch-stiftung.de.

00:53:59: Und falls ihr noch weitere Podcastprojekte von uns anhören möchtet, dann schaut einfach auf unsere Lending Page über Podcaste oder abonniert Petra Kelly Stiftung bei der Podcast-App Eure Wahl.

00:54:11: Bis zum nächsten Mal.

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